Insgesamt gab es im Jahr 2020 in Deutschland 5,4 Millionen Schwerhörige, nur 3,7 Millionen davon trugen ein Hörgerät. Bei Taubheit oder einem sehr geringen Resthörvermögen stoßen Hörgeräte an ihre Grenzen. Hier kann ein Hörimplantat eventuell noch helfen. Ein Hörgerät verstärkt den Schall. Sind die Haarsinneszellen der Cochlea, der Schnecke im Innenohr, geschädigt, kann ein sogenanntes Cochlea-Implantat die Haarsinneszellen umgehen und den Hörnerv direkt stimulieren.

Kampagne am 11. Welttag des Hörens

Die Ursache für hochgradige Schwerhörigkeit oder Taubheit liegt häufig in einer Schädigung der Haarsinneszellen. Sie kann von einer mechanischen Verletzung herrühren, von einer Entzündung oder auch genetisch bedingt sein. Schon starker Lärm kann die empfindlichen Härchen schädigen. Nicht immer können sie sich von selbst wieder regenerieren und damit das Hörvermögen wiederherstellen. Dank moderner Hörgerätetechnologie kann ein Hörverlust heute gut ausgeglichen werden. Wie sich die Versorgung mit Hörgeräten in Europa, Nordamerika und Asien darstellt, zeigt der „Internationale audibene Hörreport“, der am 3. März 2022 anlässlich des 11. Welttags des Hörens auf einer Kampagnen-Seite des Hörgeräte-Spezialisten audibene veröffentlicht wird. Der Bericht beschreibt zudem, warum diskrete Hörgeräte so wichtig sind, und nimmt Akku- und Batterie-Hörgeräte unter die Lupe. Infografiken mit den Highlights und ein Online-PDF zum Downloaden runden die Kampagne für gutes Hören ab.

Kurze Einführung in die Technik

Hörgeräte bestehen vereinfacht dargestellt aus einem elektroakustischen Wandler, der Schallenergie in elektrische Energie umwandelt, einem weiteren Wandler, der diese elektrische Energie in akustische umwandelt und einem Regler-System. Ein Cochlea-Implantat besteht ebenfalls aus einem elektroakustischen Wandler, einem Regler-System, einem Übertragungssystem und einem Stimulationssystem. Das Gerät wandelt den Schall in elektrische Impulse um und leitet sie direkt zum Hörnerv. Soundprozessor und Sendespule werden außen, hinter dem Ohr getragen, das eigentliche Implantat mit Elektroden unter die Haut implantiert.

Erst kommt ein Hörgerät zum Einsatz

Die Entscheidung, ob der Schwerhörigkeit mit einem Hörgerät oder einem Hörimplantat begegnet wird, ist von zahlreichen Faktoren abhängig und kann nur vom Spezialisten getroffen werden. Grundsätzlich kommt auch bei einer hochgradigen Hörstörung erst einmal ein Hörgerät zum Einsatz. Nur wenn dadurch keine Verbesserung des Hörvermögens erreicht werden kann, ist die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat eine weitere Option. Allerdings ist die Implantation wie jede Operation mit Risiken verbunden und deshalb nur dann angeraten, wenn dadurch eine deutlich bessere Lebensqualität erreicht werden kann.

Technischer Fortschritt und Lebensdauer

Die Entwicklung der Hörgerätetechnik schreitet rasant voran. Wer davon profitieren möchte, sollte sich alle vier bis fünf Jahre ein neues Hörgerät zulegen. Die gesetzlichen Krankenkassen genehmigt alle sechs Jahre ein neues Gerät. Bei den Privaten kann man bereits nach 5 Jahren neue Hörgeräte bekommen. Bei guter Pflege können die Geräte aber wesentlich länger halten. Bei einer durchschnittlichen Tragedauer von zwölf Stunden am Tag kommen nach sechs Jahren rund 26.000 Betriebsstunden zusammen, die den empfindlichen Geräten einiges abverlangen. Ein Cochlea-Implantat hat eine längere Lebensdauer. Die voranschreitende Technik macht einen Austausch indes auch hier manchmal sinnvoll. Die außen getragenen Teile unterliegen der Abnutzung und müssen ebenfalls nach sechs Jahren ausgewechselt werden.

Von Schwerhörigkeit sind nicht nur alte Menschen betroffen. Gut 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen leiden unter vorübergehendem oder dauerhaften Hörverlust. Der Welttag des Hörens will darauf aufmerksam machen und mit Aufklärung und Information für gutes Hören in jedem Alter werben.