Paris, Spanien: Hidalgo und Valls sprechen Spanisch! “Ideal der Republikaner”

Als Anne Hidalgo zur Bürgermeisterin von Paris gewählt wurde, freute sich San Fernando im äußersten Süden Spaniens mit. «Wir sind unendlich stolz auf sie», sagte Stadtoberhaupt José Loaiza. «Hidalgo wird den Namen ihrer Geburtsstadt immer in Ehren halten.» Die Sozialistin ist gebürtige Spanierin, ihr Geburtsort San Fernando (97 000 Einwohner) liegt 1800 km von Paris entfernt.

Neben ihr regiert in Paris ein weiterer Spanier. Frankreichs neuer Premierminister Manuel Valls wurde als Sohn eines katalanischen Künstlers in Barcelona geboren. «Wir Spanier haben Frankreich erobert», witzelte ein Cousin der Pariser Bürgermeisterin.

Anne Hidalgo – mit spanischem Namen hieß sie ursprünglich Ana María – war im Alter von zwei Jahren mit ihren Eltern und ihrer Schwester aus Andalusien nach Lyon umgesiedelt. «Mein Vater, der in Cádiz auf einer Werft gearbeitet hatte, dachte dabei an seine Töchter», berichtete Hidalgo der Zeitung «El País». «Er glaubte an das Ideal der spanischen Republikaner, dass die Ausbildung der erste Schritt zur Emanzipation ist.»

Die Sommerferien verbrachte die Gastarbeitertochter in San Fernando an der Bucht von Cádiz. Ein altes Foto zeigt sie im Kleid einer Flamenco-Tänzerin. Die Eltern kehrten 1992 dorthin zurück, Anne Hidalgo machte in Paris Karriere, die Schwester in den USA. Die Pariser Bürgermeisterin vergaß aber nie ihre andalusischen Wurzeln. «Was mir in Paris fehlt, ist das Licht von Cádiz», sagte sie der Madrider Zeitung «El Mundo». «Ich gehöre genauso nach Spanien wie nach Frankreich.» Vom Stierkampf halte sie aber nichts.

Auch Manuel Valls ließ den Kontakt zu seiner spanischen Geburtsstadt nicht abreißen. Der Premier spricht fließend Spanisch und Katalanisch und ist ein Anhänger des FC Barcelona. «Wer ist nicht begeistert vom Fußball eines Lionel Messi oder Andrés Iniesta?», sagte er einmal. Ein Cousin seines Vaters komponierte die Barça-Vereinshymne.

Der Vater Xavier Valls (1923-2006), ein anerkannter Maler, war Ende der 40er wegen eines Stipendiums nach Paris umgesiedelt. Er verbrachte aber die Sommer zumeist in Barcelona. Im Sommer 1962 wurde Manuel in der katalanische Metropole geboren, seine Schwester Giovanna kam gut ein Jahr später in Paris zu Welt. «Unser Vater sagte immer, dass sein katalanischer Sohn französischer sei als die Franzosen», berichtete die Schwester der spanischen Presse. «Und ich als Französin sei total katalanisch.»

Giovanna lebt in Barcelona im Stadtteil Horta in dem Haus, in dem sie in ihrer Jugend mit ihrem Bruder Manuel die Sommerferien verbracht hatte. «Hier spielten wir Cowboy und Indianer», erinnert sie sich. «Manuel wollte immer der Sheriff sein.» Die Schwester war bis vor wenigen Jahren das Sorgenkind der Familie. Sie war heroinsüchtig und wegen Diebstahls inhaftiert. «Der Pakt mit meinem Vater, vor seinem Tod die Sucht zu überwinden, hat mich von dem Rauschgift befreit», erinnerte sie sich in «El Mundo».