Oscars 2018: Eine fantastische Frau gegen den Rest der Welt

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Wenn am 4. März 2018 im Dolby Theatre in Los Angeles die 90. Verleihung der Academy Awards, zu deutsch „Oscars“, stattfindet, sind auch spanische Töne zu hören. Wenn auch mit lateinamerikanischem Zungenschlag. Denn in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“, also nicht-englisch, ist von der Jury der Streifen „Una mujer fantástica“ (Eine fantastische Frau) als Mitbewerber ausgewählt worden. Als offizieller deutscher Kandidat war Fatih Akins Thriller „Aus dem Nichts“ ins Rennen gegangen – er hatte aber genau so wenig Chancen wie der Schweizer Kandidat „Die göttliche Ordnung“ von Petra Biondina Volpes und Österreichs Film „Happy End“ von Michael Haneke.

“Una mujer fantastica” des Regisseurs Sebastián Lelio hat neben praktisch schon unzähligen Preisen in Lateinamerika bereits bei der Berlinale um den Goldenen Bären mitgemischt, Lelio und Gonzalo Maza wurden dabei am Ende immerhin für ihr Drehbuch mit einem Silbernen Bären geehrt. Dazu erhielt der Film den so genannten Teddy Award (Bester Spielfilm). Beim internationalen Festival Internacional de Cine von San Sebastián bekam der Film den Sebastiane Award für den besten lateinamerikanischen Festivalbeitrag.

Zum Trost gibt’s Händel

Jetzt also die „Oscar“-Nominierung, zweifellos der Höhepunkt dieser Erfolgsgeschichte. Sie erzählt das Leben der jungen Transgender-Frau Marina, die in Santiago de Chile als Kellnerin in einer Bar arbeitet und gelegentlich als Sängerin auftritt – ihr Traum ist es, Opernsängern zu werden, wozu sie sich neben ihrer Arbeit ausbilden lässt.

Eigentlich ist Marina glücklich mit dem 20 Jahre älteren Textilunternehmer Orlando liiert, der allerdings bald stirbt. Schlechte Zeiten folgen für Marina, die im konservativen Chile nun nichts mehr zu lachen hat. Denn ihr bürgerlicher Name ist laut Personalausweis „Daniel“ – und Orlandos Nachlass wird unter den Familienangehörigen geregelt. Marina taucht dabei nicht auf, die Familie verhält sich feindlich, auch die Polizei wird misstrauisch. Sie darf nicht einmal an der Beerdigung Orlandos teilnehmen, wird misshandelt und muss fliehen. Das Happy End: Am Ende des Films sieht man Marina auf der Konzertbühne, sie singt, perfekt, Händels Opernarie „Ombra mai fu“.

Die Nominierungen sortiert nach Kategorien:

Bester Film

Call Me by Your Name
Die dunkelste Stunde (Darkest Hour)
Dunkirk
Get Out
Lady Bird
Der seidene Faden (Phantom Thread)
Das Flüstern des Wassers (Shape of Water)
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Die Verlegerin (The Post)

Beste Regie

Christopher Nolan – Dunkirk
Jordan Peele – Get Out
Greta Gerwig – Lady Bird
Paul Thomas Anderson – Der seidene Faden (Phantom Thread)
Guillermo del Toro – Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Bester Hauptdarsteller

Timothée Chalamet – Call Me by Your Name
Daniel Day-Lewis – Der seidene Faden (Phantom Thread)
Daniel Kaluuya – Get Out
Gary Oldman – Die dunkelste Stunde (Darkest Hour)
Denzel Washington – Roman Israel

Beste Hauptdarstellerin

Sally Hawkins – Shape of Water – Das Flüstern des Wassers (The Shape of Water)
Frances McDormand – Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Margot Robbie – I, Tonya
Saoirse Ronan – Lady Bird
Meryl Streep – Die Verlegerin (The Post)

Bester Nebendarsteller

Willem Dafoe – The Florida Project
Woody Harrelson – Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Richard Jenkins – Shape of Water – Das Flüstern des Wassers (The Shape of Water)
Christopher Plummer – Alles Geld der Welt (All the Money in the World)
Sam Rockwell – Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Beste Nebendarstellerin

Mary J. Blige – Mudbound
Allison Janney – I, Tonya
Lesley Manville – Der seidene Faden (Phantom Thread)
Laurie Metcalf – Lady Bird
Octavia Spencer – Shape of Water – Das Flüstern des Wassers (The Shape of Water)

Bestes adaptiertes Drehbuch

James Ivory – Call Me by Your Name
Scott Neustadter und Michael H. Weber – The Disaster Artist
Scott Frank, James Mangold und Michael Green – Logan – The Wolverine (Logan)
Aaron Sorkin – Molly’s Game
Virgil Williams und Dee Rees – Mudbound

Bestes Originaldrehbuch

Emily V. Gordon und Kumail Nanjiani – The Big Sick
Jordan Peele – Get Out
Greta Gerwig – Lady Bird
Guillermo del Toro und Vanessa Taylor – Shape of Water
Martin McDonagh – Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Beste Kamera

Roger Deakins – Blade Runner 2049
Bruno Delbonnel – Die dunkelste Stunde (Darkest Hour)
Hoyte van Hoytema – Dunkirk
Rachel Morrison – Mudbound
Dan Laustsen – Shape of Water

Bestes Szenenbild

Sarah Greenwood und Katie Spencer – Die Schöne und das Biest (Beauty and the Beast)
Dennis Gassner und Alessandra Querzola – Blade Runner 2049
Sarah Greenwood und Katie Spencer – Die dunkelste Stunde (Darkest Hour)
Nathan Crowley und Gary Fettis – Dunkirk
Paul Denham Austerberry, Shane Vieau und Jeff Melvin – Shape of Water

Bestes Kostümdesign

Jacqueline Durran – Die Schöne und das Biest (Beauty and the Beast)
Jacqueline Durran – Die dunkelste Stunde (Darkest Hour)
Mark Bridges – Der seidene Faden (Phantom Thread)
Luis Sequeira – Shape of Water
Consolata Boyle – Victoria & Abdul

Beste Filmmusik

Hans Zimmer – Dunkirk
Jonny Greenwood – Der seidene Faden (Phantom Thread)
Alexandre Desplat – Shape of Water – Das Flüstern des Wassers (The Shape of Water)
John Williams – Star Wars: Die letzten Jedi (Star Wars: The Last Jedi)
Carter Burwell – Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Bester Filmsong

„Mystery of Love“ aus Call Me by Your Name – Musik und Text: Sufjan Stevens
„Remember Me“ aus Coco – Lebendiger als das Leben! (Coco) – Musik und Text: Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez
„This Is Me“ aus Greatest Showman (The Greatest Showman) – Musik und Text: Benj Pasek und Justin Paul
„Stand Up for Something“ aus Marshall – Musik: Lonnie R. Lynn und Diane Warren
„Mighty River“ aus Mudbound – Musik: Mary J. Blige, Raphael Saadiq und Taura Stinson

Bestes Make-up und beste Frisuren

Kazuhiro Tsuji, David Malinowski und Lucy Sibbick – Die dunkelste Stunde (Darkest Hour)
Daniel Phillips und Lou Sheppard – Victoria & Abdul
Arjen Tuiten – Wunder (Wonder)

Bester Schnitt

Paul Machliss und Jonathan Amos – Baby Driver
Lee Smith – Dunkirk
Tatiana S. Riegel – I, Tonya
Sidney Wolinsky – Shape of Water – Das Flüstern des Wassers (The Shape of Water)
Jon Gregory – Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Bester Ton

Julian Slater, Tim Cavagin und Mary H. Ellis – Baby Driver
Ron Bartlett, Doug Hemphill und Mac Ruth – Blade Runner 2049
Mark Weingarten, Gregg Landaker und Gary A. Rizzo – Dunkirk
Christian Cooke, Brad Zoern und Glen Bauthier – Shape of Water
David Parker, Michael Semanick, Ren Klyce und Stuart Wilson – Star Wars: Die letzten Jedi

Bester Tonschnitt

Julian Slater – Baby Driver
Mark A. Mangini und Theo Green – Blade Runner 2049
Richard King und Alex Gibson – Dunkirk
Nathan Robitaille und Nelson Ferreira – Shape of Water
Matthew Wood und Ren Klyce – Star Wars: Die letzten Jedi (Star Wars: The Last Jedi)

Beste visuelle Effekte

John Nelson, Gerd Nefzer, Paul Lambert und Richard R. Hoover – Blade Runner 2049
Christopher Townsend, Guy Williams, Jonathan Fawkner und Dan Sudick – Guardians of the Galaxy Vol. 2
Stephen Rosenbaum, Jeff White, Scott Benza und Mike Meinardus – Kong: Skull Island
Joe Letteri, Daniel Barrett, Dan Lemmon und Joel Whist – Planet der Affen: Survival (War for the Planet of the Apes)
Ben Morris, Mike Mulholland, Neal Scanlan und Chris Corbould – Star Wars: Die letzten Jedi (Star Wars: The Last Jedi)

Bester Animationsfilm

The Boss Baby – Tom McGrath und Ramsey Ann Naito
The Breadwinner – Anthony Leo und Nora Twomey
Coco – Lebendiger als das Leben! (Coco) – Darla K. Anderson und Lee Unkrich
Ferdinand – Geht STIERisch ab! (Ferdinand) – Carlos Saldanha
Loving Vincent – Dorota Kobiela, Ivan Mactaggart und Hugh Welchman

Bester animierter Kurzfilm

Dear Basketball – Glen Keane und Kobe Bryant
Garden Party – Victor Caire und Gabriel Grapperon
Lou – Dave Mullins und Dana Murray
Negative Space – Max Porter und Ru Kuwahata
Revolving Rhymes – Jakob Schuh und Jan Lachauer

Bester Kurzfilm

DeKalb Elementary – Reed Van Dyk
The Eleven O’Clock – Derin Seale und Josh Lawson
My Nephew Emmett – Kevin Wilso, Jr.
The Silent Child – Chris Overton und Rachel Shenton
Watu Wote – All of us – Katja Benrath und Tobias Rosen

Bester Dokumentarfilm

Abacus: Small Enough to Jail – Steve James, Mark Mitten und Julie Goldman
Augenblicke: Gesichter einer Reise (Visages Villages) – Agnès Varda, JR und Rosalie Varda
Ikarus (Icarus) – Bryan Fogel und Dan Cogan
Die letzten Männer von Aleppo (Last Men in Aleppo) – Feras Fayyad, Kareem Abeed und Søren Steen Jespersen
Strong Island – Yance Ford und Joslyn Barnes

Bester Dokumentar-Kurzfilm

Edith+Eddie – Laura Chekoway und Thomas Lee Wright
Heaven Is a Traffic Jam on the 405 – Frank Stiefel
Heroin(e) – Elaine McMillion Sheldon und Kerrin Sheldon
Knife Skills – Thomas Lennon
Traffic Stop – Kate Davis und David Heilbroner

Bester fremdsprachiger Film

Eine fantastische Frau (Una mujer fantástica) – Chile, Regie: Sebastián Lelio
The Insult – Libanon, Regie: Ziad Doueiri
Körper und Seele – Ungarn, Regie: Ildikó Enyedi
Nelyubov – Russland, Regie: Andrei Swjaginzew
The Square – Schweden, Regie: Ruben Östlund

Eigentlich werden die Oscars ja schon Ende Februar vergeben, dieses Jahr aber finden gleichzeitig die Olympischen Winterspiele statt. Um sich die Mediengunst nicht teilen zu müssen, wurde der Termin eben verschoben. Auch in diesem Jahr werden allerdings nur Filme des Jahres 2017 ausgezeichnet. Die Präsentation der Show wird wie im Vorjahr Jimmy Kimmel übernehmen. Eine Premiere gibt es in der Kategorie Beste Kamera: Erstmals in der Geschichte der Academy Awards wurde dabei mit Rachel Morrison eine Frau nominiert.

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