IWF: Wie gefährlich sind die Niedrigzinsen?

Die extreme Niedrigzinspolitik vieler großer Notenbanken sorgt beim Internationalen Währungsfonds (IWF) zunehmend für Stirnrunzeln. «Sie bewegen sich sehr in unbekannten Gewässern» mit ihrer anhaltend lockeren Geldpolitik, sagte die IWF-Direktorin Christine Lagarde am Donnerstag in Washington.

Wegen des weiteren schwachen Wachstums in vielen Weltregionen könnten die Zinssenkungen aber derzeit nicht zurückgenommen werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihrer Meinung nach hinsichtlich einer weiteren Lockerung sogar noch «Raum zum Manövrieren».

In der Eurozone bestehe nämlich das Problem, das die niedrigen Zinsen nicht überall in den schwächeren Mitgliedsstaaten ankomme. Haushalte und kleinere Unternehmen dort hätten nicht genügend Zugang zu günstigen Krediten. Das bremse die Erholung.

Allerdings könne eine Zentralbank ein Ungleichgewicht wie dieses nicht alleine lösen. Wichtig sei in Europa vor allem, dass die Weitergabe der niedrigen Zinsen von der EZB an die Banken und im Bankensektor besser funktioniere. Dafür müsse das Finanzsystem weiter strukturell reformiert werden. Besonders für die Schwellenländer gelte, dass Vermögensblasen und eine starke Inflation vermieden werden müssten.

Wenn alle Schwierigkeiten behoben seien, die Staatshaushalte auf soliden Füßen stünden und die Reformen funktionierten, dann könnten auch die Zentralbanken ihre Politik verändern. Das müsse aber mit «rechtzeitiger Warnung und der richtigen Kommunikation» erfolgen, sagte Lagarde.

Die Fragen zur lockeren Geldpolitik wird zu den Hauptthemen der gemeinsamen Jahrestagung des IWF und der Weltbank in Washington gehören, die am Donnerstag ihren Auftakt hatte. Nach den Worten Lagardes gehört zu den Zielen, die Wachstumsgeschwindigkeit der Weltwirtschaft mehr zu vereinheitlichen.

Die Kombination aus Haushaltskürzungen, Exportrückgängen und geringer Zuversicht ließe Europa sichtlich hinter den Schwellenländern, die wie gehabt vorpreschen, und auch hinter die USA oder die Schweiz zurückfallen. «Wir wollen von einer Erholung der drei Geschwindigkeiten zu einer mit vollem Tempo kommen», sagte die Französin. Dafür sei es auch nötig, den europäischen Krisenländern wie Spanien mehr Zeit beim Sparen zu geben.

Während der IWF vor allem die Ankurbelung der Nachfrage und den Aufbau von Arbeitsplätzen als Ziel ausgibt, will sich die Weltbank mehr denn je auf den Klimaschutz als Maßnahme zur Armutsbekämpfung konzentrieren. Die «katastrophale globale Erwärmung» sei eine «fundamentale Bedrohung der wirtschaftlichen Entwicklung», warnte der Präsident der globalen Finanzorganisation, Jim Yong Kim.

Der Klimawandel müsse um jeden Preis verhindert werden, weil sie vor allem die ohnehin notleidenden Länder massiv zurückwerfen würde. Die Weltbank investiere etwa «viele, viele Milliarden Dollar» in die Verbreitung erneuerbarer Energien und klimafreundlicher Landwirtschaft.

Kim bekräftigte seine Forderung, dass die extreme Bedürftigkeit in der Welt bis 2030 fast komplett beseitigt sein müsse. Müssten derzeit rund 20 Prozent der Menschen in Entwicklungsländern mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen, sollen es dann höchstens 3 Prozent sein.