Freiburg (ots) –

CDU und SPD fordern Aussetzung der FSC-Zertifizierung im gesamten Staatswald

Mit großem Bedauern und Unverständnis nimmt FSC Deutschland den Beschluss des hessischen Landtags zur Kenntnis, die FSC-Zertifizierung des Staatswaldes vorerst zu beenden. In ihrem Antrag im Landtag forderten die beiden Regierungsfraktionen das Aussetzen der FSC-Zertifizierung für den gesamten Staatswald bis März 2028. Faktisch bedeutet dies den Ausstieg aus der FSC-Zertifizierung zu einem Zeitpunkt, wo es aufgrund eines schlechten Waldzustandes besonders auf behutsames Vorgehen im Wald ankommt. „Gerade mit Blick auf den diese Woche veröffentlichten Waldzustandsbericht bewerten wir das Beenden der Zertifizierung als Rückschritt und vertane Chance, die bereits erreichten positiven Wirkungen für einen stabilen Wald in Hessen weiter fortzusetzen“, sagt Elmar Seizinger, Leiter des FSC-Waldbereichs. Die im Antrag genannten Gründe könne man nicht nachvollziehen, denn die Auswertung der Berichte der jährlichen unabhängigen Auditoren zeigten deutlich, dass die Zertifizierung zu wald-positiven Anpassungen der Waldbewirtschaftungen geführt haben, so Seizinger.

In der Begründung für den Ausstieg aus der Zertifizierung wird auf Vorgänge innerhalb des Vorstandes von FSC Deutschland, verwiesen. Kandidaten für die Sozialkammer haben seit der letzten Wahl 2023 keine Mehrheit in der FSC-Mitgliedschaft gefunden und sind in dem sonst zwischen Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialorganisationen paritätisch besetzten Gremium aktuell nicht vertreten. Dies hat jedoch keine Auswirkungen auf den aktuellen Standard für die Zertifizierung der Wälder nach FSC. Der Deutsche FSC-Waldstandard wurde unter Beteiligung der Sozialkammer inklusive der IG BAU und RAL bereits bis 2018 entwickelt und ist seither Grundlage für die unabhängigen Prüfungen in Forstbetrieben mit FSC-Zertifikat.

Zu den dadurch erwirkten Verbesserungen im hessischen Staatsforst zählt unter anderem die erhöhte Sicherheit am Arbeitsplatz und die Verringerung von Arbeitsunfällen. Durch das von FSC eingeforderte aktive Management des Wildbestands wurde die natürliche Waldverjüngung gefördert und damit die Klimaresilienz der hessischen Wälder. Dazu tragen auch die im Rahmen der Zertifizierung verbesserten Totholz- und Biotopbaumkonzepte sowie die Etablierung sogenannter Naturwaldentwicklungsflächen, auf denen keine forstlichen Eingriffe erfolgen, bei. FSC ist weltweit das mit Abstand bekannteste Kennzeichen, von Händlern gefragt und vor allem auch bei den Verbrauchern hoch anerkannt. Sich selbst dieses positiv besetzten Aushängeschilds zu berauben, könnte auch für die Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden und für die Akzeptanz der Waldbewirtschaftung bei den Bürger:innen zum Nachteil werden, gibt FSC zu bedenken.

Umweltverbände und Gewerkschaften sind dementsprechend entsetzt: „Wer möchte denn ein Auto ohne TÜV-Plakette kaufen, nur weil der Verkäufer verspricht, alles wäre schon in Ordnung?“, sagt Andrea Pfäfflin, Waldexpertin im Landesvorstand des NABU in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit BUND, HGON und IG-BAU Hessen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Naturschutz und Forst könne nur bestehen bleiben, wenn bis 2028 und darüber hinaus die Einhaltung der hohen Standards extern kontrolliert werde. Eine verlässliche und transparente Prüfung des Forstbetriebs bietet nur FSC.

Es steht zu befürchten, dass manche den FSC-Ausstieg als Befreiungsschlag empfinden. Vor allem auf den in den letzten Jahren großflächig entstandenen, besonders sensiblen Kahlflächen in Hessen könnte dies der Fall sein. Ohne die FSC-Zertifizierung dürfen diese flächig befahren, der Boden bearbeitet und großflächig nicht-heimische Baumarten gepflanzt werden. Natur- und Bodenschutz könnten in ihrer Relevanz gegenüber wirtschaftlichen Überlegungen an Bedeutung verlieren.

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Quelle: ots