Anwerbung der Kita-Kräfte aus Valencia nur der Anfang

Die Situation, aus der diese Offensive hervorgeht, ist logisch erklärbar: Durch die Tatsache, dass die bereits enorm hohe Arbeitslosigkeit in Spanien trotz Touristenboom weiter steigt, und man vor allem in der Pfalz nach immer mehr ausgebildeten Fachkräften im Bereich Kinderbetreuung und Pädagogik sucht, schlägt man hier zwei Fliegen mit einer Klappe.

So wurden in der offiziell eingetragenen Partnerstadt im spanischen Andalucía bereits letztes Jahr Ausschreibungen erstellt, nun allerdings die Bewerbungs- und Auswahlgespräche persönlich geführt. Im Rahmen des Mainzer Kita-Ausbaus wurden und werden nach wie vor mehr als 200 Erzieher und Erzieherinnen gebraucht, was vor allem Grund dafür war, auch im Ausland nach Fachkräften zu suchen. In der Art, wie die Verträge ausgehändigt werden und die Bewerber glücklich das Centro Municipal de Empleo y Formación in Valencia verlassen, hat man das Gefühl, die Leiter der Bewerbungsverfahren würden eine Art „Casting“ durchführen. Doch das ist es keinesfalls. Viele Spanier haben sogar selbst mit dem Job-Angebot noch einige Sorgen im Kopf: Die Familie, die nur in den seltensten Fällen mitkommt, zu verlassen, ist sicherlich kein leichter Schritt. Auch die Sprache ist zunächst eine große Hürde.

Wohnungssuche in Mainz

Neben diesen Sorgen beschäftigen sich viele Spanier oftmals auch mit der Frage der Unterkunft. Auf dem Land, wo es die Stellen für die Gastarbeiter gar nicht gibt, existiert dieses Problem nicht. In den Städten aber, die aufgrund der bekannten Landflucht in Deutschland auch so bereits wachsen, findet man häufiger Immobilien- und damit auch oft Wohnungsmangel vor. Die Wohnungen, die noch frei sind, liegen entweder mehr als zehn Kilometer außerhalb oder sind unbezahlbar. Kommt man zu den Wohnungsbesichtigungen, ist man selten der einzige, der sich um den Wohnraum bewirbt.

Dabei ist es dennoch besonders lobenswert zu erwähnen, dass die Stadt Mainz nicht nur die Akquise der einzelnen Arbeitskräfte im Auge hatte, sondern sich auch simultan um den Bau neuer Immobilien auf frei- oder leerstehendem Land konzentriert. Somit ist man auch dem Zuwachs der erwähnten spanischen Arbeitskräfte gewachsen und muss mit keiner verteuerten Entwicklung aufgrund von chronischem Wohnungsmangel im Stadtgebiet Mainz rechnen. Mit der Errichtung neuer und bereits auf dem Markt verfügbarer Immobilien in Mainz und Umland hat die Stadtverwaltung neuen Wohnraum geschaffen, um den neuen demografischen Veränderungen entgegenzuwirken.

Wirklich erfreulich ist es also, zu sehen, dass man die Arbeiter aus Spanien nicht als billiges Leih-Personal sieht, sondern ihnen eine Zukunft auf deutschem Boden bieten möchte, die aus weitaus mehr besteht, als einfach „nur“ einer Arbeitsstelle und einem damit verbundenen Arbeitsvertrag. Den qualifizierten Arbeitskräften aus Valencia wird damit eine Zukunft geboten, die sie eventuell längerfristig auch mit Deutschland assoziieren können. Ein Zeichen dafür setzen auch die Kindergärten selbst, die mit Deutschkursen direkt nach oder vor den Arbeitszeit extra für die neuen Kollegen da sind, damit die Spanier neben dem alltäglichen deutschen Sprachgebrauch auch Grammatikregeln erlernen können.