Warum nur? Zapatero verschmäht die eigene Nationalelf


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Wilhelm Wagner 
- 05.06.2008

Warum nur? Zapatero verschmäht die eigene Nationalelf
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Was hat Spaniens Regierungschef Zapatero nur gegen seine eigene Nationalelf?





Angela Merkel posiert mit Basti Schweinsteiger, Frankreichs Präsident Sarkozy parliert mit Thierry Henry, Italiens Berlusconi mit Luca Toni, Russlands Putin mit Trainer Guus Hiddink und Portugals Pedro Silva mit Cristiano Ronaldo.

Fakt ist: Kein normaler Regierungschef lässt es sich dieser Tage, also vor und während der Fußball-EM, entgehen, mit den Stars der kickenden Zunft zu reden, sich blicken zu lassen, den Jungs im Namen der Nation Glück zu wünschen.

Nur einer tut das nicht: José Zapatero. Die spanischen Medien bemerken dies sehr wohl, sie wissen nur nicht, ob sie weinen oder lachen sollen.

Denn, so die Zeitung Marca, mit Abstand das meistverkaufte Blatt im Land, weit vor der politischen Presse: "Wäre der volkstümliche Oppositionsführer Rajoy an der Regierung, müsste ihn Nationaltrainer Aragonés aus den Mannschaftsbesprechungen hinauswerfen lassen, so würde sich Rajoy in das Team drängen."

Auch das will natürlich keiner. Einziges Problem, und da wird es schon wieder politisch: Zapatero geht sehr wohl zu Fußballspielen, wenn auch selten. Dann aber zum FC Barcelona. Zuletzt wurde er beim Finale der Champions League geseheh, als Barça in Paris gegen Arsenal London siegte.

Warum tut er das? Weil er wirklich Barça-Fan ist? Warum geht er dann nicht öfter gucken? Aus politischer Berechnung, weil er die katalanischen Nationalisten zum regieren braucht?

Hätte Willy Brandt je mit Gerd Müller gesprochen? Oder Helmut Schmidt mit Rummenigge?

Von seinem Regierungssitz in Madrid hätte es der Sozialist Zapatero dieser Tage nur zehn Minuten weit zum Trainingsgeländer seiner Nationalkicker gehabt, wie die Marca bemerkt. Die konservative Präsidentin der Region Madrid, Esperanza Aguirre, war natürlich da und streifte sich sogar das rote Trikot der "Selección" über.

Während die spanische Presse orakelt, könnte man aus deutschen Sicht ergänzen: Hätte man sich je vorstellen können, wie Willy Brandt mit Gerd Müller Konversation macht? Oder Helmut Schmidt mit Karlheinz Rummenigge? Ist etwas dran am Klischee des intellektuellen Linken, der Fußball aus Prinzip verpönt, ohne je ein Spiel  gesehen oder wirklich verstanden zu haben - geschweige denn je gegen einen Ball getreten zu haben?

Man könnte fast glauben Ja, schließlich bekannte sich erst die pfälzisch-konservative Ikone Helmut Kohl zum Fußballspiel und seinem FC Kaiserslautern. Wären da doch nicht Sozialisten und Borussia-Dortmund-Fans wie Gerhard Schröder, die das genaue Gegenteil beweisen.

Vielleicht ist es ja ganz einfach so: Zapatero muss dieser Tage heftig regieren und hat ganz einfach keine Zeit. Oder Schröder war nie Sozialist.

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Bild: / Text: SAZ




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