Laporta: "Katalonien ist nicht Spanien!" Immer mehr Separatisten
Bewerten :
Kommentare: 0
Wilhelm Wagner
- 02.12.2009
Als das Dorf Arenys de Munt im September über die Unabhängigkeit der spanischen Region Katalonien abstimmte, taten viele Spanier dies als eine schrullige Idee ab.
Mancher fühlte sich gar an das Dorf des gallischen Comic-Helden Asterix erinnert, dessen Bewohner unter keinen Umständen zum Römischen Reich gehören wollten.
Drei Monate später zeigt sich, dass das "Referendum" in der 8000-Seelen-Gemeinde nördlich von Barcelona keineswegs nur eine Provinzmarotte war, sondern den Beginn einer politischen Bewegung markierte.
Am 13. Dezember finden in Katalonien in mehr als 160 Städten und Gemeinden ähnliche symbolische Abstimmungen statt. Fast ein Zehntel der 7,4 Millionen Einwohner der wirtschaftsstärksten Region Spaniens kann seine Stimme abgeben, Ausländer eingeschlossen.
WEIHNACHTS-GEWINNSPIEL: Hier klicken und mitmachen
NEWS aus Spanien: Politik, Wirtschaft, Sport, Promis, Wetter, Vermischtes
SAZ-FOREN: Sagen Sie Ihre Meinung!
Die Wähler sollen darüber befinden, ob Katalonien ein unabhängiger Staat und eigenständiges Mitglied der Europäischen Union werden soll.
Die Abstimmungen sind rechtlich nicht bindend. Nach der Verfassung hat allein der spanische Zentralstaat das Recht, Referenden abzuhalten. Die Madrider Regierung ließ es den Stadtverwaltungen in Katalonien sogar untersagen, Räumlichkeiten oder Wählerverzeichnisse zur Verfügung zu stellen.
Die Abstimmungen werden daher nicht von den Kommunen, sondern von privaten Initiativen organisiert und mit Spendengeldern finanziert. Die Wahlurnen werden nicht in den Rathäusern aufgestellt, sondern in Gewerkschaftszentren oder kirchlichen Gebäuden.
Abgestimmt wird unter anderem in Barcelonas Vorstadt Sant Cugat del Vallès (70.000 Einwohner), in der Universitätsstadt Vic (39.000), der Winzermetropole Vilafranca del Penedès (36.000), im Touristenort Arenys del Mar (14.000) oder in Sant Jaume de Frontanyà, das mit seinen 24 Bewohnern das kleinste Dorf in ganz Katalonien ist.
Für Februar und April 2010 sind weitere "Referenden" geplant. Dann wird mit Gerona erstmals auch eine Provinzhauptstadt dabei sein. Ob und wann die katalanische Hauptstadt Barcelona sich beteiligen wird, steht noch nicht fest.
Die Abstimmungen sind der Ausdruck eines Trends in der Region, der dem übrigen Spanien erhebliche Sorgen bereitet: Immer mehr Katalanen haben genug von Spanien und wollen lieber in einem eigenen Staat leben.
Der prominenteste Förderer dieser Bewegung ist der Präsident des Fußballclubs FC Barcelona, Joan Laporta. "Die Unabhängigkeit Kataloniens ist möglich. Daher macht sie den Spaniern Angst", sagte der Vereinsboss, den es immer stärker in die Politik zieht. Bei Spielen der Barça-Elf sind im Publikum des Camp-Nou-Stadions häufig Spruchbänder mit der Aufschrift zu sehen: "Catalonia is not Spain."
Als Spanien nach dem Ende der Franco-Diktatur (1939-1975) zur Demokratie zurückkehrte, waren die Befürworter eines unabhängigen Kataloniens eine kleine Minderheit gewesen, die allenfalls fünf Prozent der Wählerschaft ausmachte.
Heute sind es nach einer Studie der Regionalregierung etwa 20 Prozent. Die Zeitung La Vanguardia zitierte eine andere Umfrage, wonach bis zu 40 Prozent der Katalanen für eine Loslösung von Spanien eintreten.
"Unter den Wählern fast aller Parteien gibt es Anhänger der Unabhängigkeit", meint der Schriftsteller Josep Ramoneda. "Der katalanische Separatismus wurde auf die politische Tagesordnung gesetzt, und zwar mit friedlichen und demokratischen Mitteln. Wer glaubt, ihn bagatellisieren oder mit Gerichtsurteilen fortwischen zu können, irrt sich gewaltig." (SAZ, dpa)
#{fullbanner}#
Foto: Wikipedia
Schlüsselwörter: Laporta Katalonien Spanien Separatisten
Bild: / Text: SAZ






