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Steckt Spaniens Fußball in der Krise?

Schlimmer ging es eigentlich nimmer: Real Madrid gegen Deportivo La Coruña war am 28. Spieltag eines der traurigsten Spiele aller Zeiten der Primera División.

Langeweile pur, ein ausgeglichenes Spiel zweier schlechter Teams, von denen das eine gegen den Abstieg kämpft, das andere - und das ist besorgniserregend - die spanische Liga mit Abstand anführt. Torchancen auf beiden Seiten: Null. Das Tor des Tages schossen sich die Madrilenen bezeichnenderweise selbst in die Maschen. Kommentar der Zeitung Marca: "Erschreckend!"

Um mit dem deutschen TV-Moderator Gerhard Delling zu fragen: War das jetzt der Tiefpunkt der Unterhaltung am Samstagabend? Man möchte fast sagen ja - wüsste man nicht aus den Erfahrungen Dellings mit Rudi Völler, dass solche Äußerungen bei Trainern oft unkontrollierte Antworten provozieren.

Statt Spielkultur etabliert Schuster Streitkultur - mit Journalisten und Schiedsrichtern

Dass er nicht "unterhalten", sondern "arbeiten" will, hat Bernd Schuster mittlerweile des öfteren klar gemacht. Dass die Zuschauer ihr Geld am Samstag und Sonntag aber durchaus dafür hergeben, um durch anderer Leute Arbeit unterhalten zu werden, ist auch klar. Genau dafür ist Schuster ja auch engagiert worden - "gute Arbeit" samt Meisterschaft hatte nämlich auch Fabio Capello abgeliefert.

Und es ist ja nicht so, dass Schuster nicht wüsste, worum es geht: Die spektakulären Spiele der Hinrunde gegen Villareal, Valencia und Barcelona sprachen für sich, die Mannschaft spielte traumhaft, und Schuster ließ sich zurecht dafür feiern.

Aber jetzt? Dünnhäutig ließ Schuster lange Zeit jede Gelassenheit vermissen, die man eigentlich haben sollte, wenn man - wie Schuster selbst immer wieder betont - eines der wichtigsten Ämter im Fußball bekleidet. Statt nachfragende Journalisten eines besseren zu belehren, ließ er sie stehen. Statt sich um Spielkultur zu bemühen oder das Zweikampfverhalten seiner Kicker zu verbessern, ging Schuster selbst in die Zweikämpfe und etablierte eine in Spanien ungewöhnlich aggressive Streitkultur mit den Schiedsrichtern. Im Verein, so hört man, schämt man sich für seine rüde Art.

Ronaldinho in der Dauerkrise, Valencia sagt Adiós

Steckt vielleicht am Ende doch eine Krise des spanischen Fußballs dahinter, wie sie angesichts des Abschneidens der spanischen Teams in Champions League und UEFA-Pokal ein langer Artikel in "El Mundo" beschrieb und Jorge Valdano in seiner Kolumne in der "Marca" analysierte?

Zu dem schlechten Spiel des Tabellenführers, der auch schon in der Champions League gescheitert ist, kommen andere unschöne Dinge: Lichtgestalten wie Ronaldinho vom FC Barcelona verfallen in Dauerkrisen, sein Verein ist unfähig, das schlechte Spiel der Madrilenen zu bestrafen und muss gar um Platz zwei in der Primera Divisón bangen.

Koeman: Ich habe hier keine Freunde, und ich will auch keine haben - Valencias Kicker betteln um Zuschauer

Der FC Valencia, der in der Vergangenheit in die Bresche sprang, wenn die beiden fußballerischen Alpha-Tiere Spaniens kriselten, machte durch einen überstürzten Trainerwechsel und unwürdige Spielerentlassungen mehr im Gerichtssaal Furore als auf dem Spielfeld. Am Ende streikten die Zuschauer, der Präsident musste gehen - und der verhasste neue Trainer Koeman schließlich auch. Der FC Valencia wurde zwar Pokalsieger, aber gefreut darüber hat sich keiner, es gab nicht einmal eine offizielle Feier.

Zuvor hatte sich Koeman zu dem Satz verstiegen: "Ich habe hier keine Freunde, und ich will auch keine haben." Kommentar überflüssig. Hat der große FC Valencia so etwas wirklich nötig?

Spielabbruch nach Flaschenwurf, TV-Krieg um Übertragungsrechte, internationale Niederlagen

Ein Flaschenwurf in Sevilla sorgte für einen Spielabbruch, die TV-Veranstalter stritten sich eingangs der Saison derart heftig um die Übertragungsrechte, dass die Primera División zeitweise im Ausland nicht zu sehen war.

Spiele wurden von heute auf morgen an- und wieder abgesetzt, so dass auch dem Letzten klar wurde, dass Profi-Fußball in Spanien offenbar tatsächlich kaum mehr als ein Spielball der Unterhaltungsindustrie ist - zumindest in den Augen der Geldgeber dieser Sportart. 

In England wird vieles richtig gemacht - mit Erfolg

Gleichzeitig scheint man andernorts, vor allem in England, vieles richtiger zu machen: England verfügt über eine spannende Liga, in der man guten Fußball sieht, kaum Schwalben und begeisterte Zuschauer - und die weltweit hervorragend vermarktet wird. Und die nicht zuletzt erfolgreiche Mannschaften hervorbringt.

In der Champions League stehen mit Liverpool, Chelsea, Manchester und Arsenal London vier Teams unter den besten Acht, drei unter den besten vier - und zwei im Finale - das ist Rekord in der Geschichte des Europapokals. Zwei der Helden dort sind junge Spanier: Cesc Fabregás bei Arsenal London und Fernando Torres, der von Atlético Madrid zum FC Liverpool wechselte. Vor wenigen Jahren noch kamen die guten Engländer - David Beckham, Michael Owen, Jonathan Woodgate - nach Spanien.

Was könnte dieses Bild besser widerspiegeln als die Tatsache, dass Real Madrids einstiger Cheftrainer Carlos Queiroz heute (wieder) Assistent von Manchesters Trainer Alan Ferguson ist?



Datum:
30.04.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Wilhelm Wagner
Bildquelle:
SAZ
 

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Suchbegriffe: Real Madrid, FC Barcelona, Barca, Bernd Schuster, Ronaldinho, Messi, Casillas, Raul, Guti, Primera Division, England, Manchester, Arsenal, Liverpool, Chelsea


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