Pablo Picasso "Ich suche nicht, ich finde."
Pablo Picasso (1881-1973) - ein Künstler, dessen Name untrennbar mit dem modernen Kunstbegriff verbunden ist. Für viele gilt Pablo Picasso sogar das größte Kunstgenie des zwanzigsten Jahrhunderts. Zweifelsohne beeinflusste und prägte sein moderner Stil die Kunstgeschichte ganz entscheidend. Während einer Zeitspanne von ungefähr 75 Jahren schuf er weit mehr als 15.000 Werke - darunter Zeichnungen, Grafiken, Plastiken und Keramikarbeiten.
Picassos Taube auf dem Plakatentwurf zur Pariser Weltfriedenskonferenz von 1949 ist seither als "Friedenstaube" ein weltweit gültiges Symbol für den Frieden. Der charismatische Künstler war ein wahrer Frauenheld und war mehrmals verheiratet. Seine Frauen und Geliebten dienten ihm oft als Inspiration und saßen ihm Modell.
Pablo Picasso wurde am 25. Oktober 1881 als Sohn eines Kunst- und Zeichenlehrers im spanischen Málaga geboren. Schon in jüngsten Jahren wurde seine enorme künstlerische Begabung offenbar. Im Alter von gerade einmal 14 Jahren bestand Pablo Picasso die Aufnahmeprüfung für die Kunstakademie in Barcelona und durfte sogleich die beiden Klassen überspringen. Man erzählt sich, sein Vater hätte ihm damals seinen Pinsel und seine Palette übergeben und wollte selbst nie mehr im Leben malen. Picasso war ein ausgezeichneter Student und besuchte bald darauf in Madrid die Academia San Fernando. 1900 wurden seine Illustrationen in Zeitungen veröffentlicht. Im selben Jahr besuchte er erstmals Paris. 1901 war er Mitherausgeber der Zeitschrift "Arte Joven".
Während seiner Schaffenszeit durchlief Picasso verschiedene Phasen mit jeweils charakteristischen Malstilen. Die Blaue Periode dauerte von 1900 bis 1904. Die Verwendung verschiedener Blautöne betonte den melancholischen und nachdenklichen Unterton seiner Themen. Er malte von Schwermut gezeichnete Menschen mit dünnen, ausgemergelten, halbverhungerten Körpern. Der Malstil während dieser Zeit ist sehr naturalistisch und überzeugt sogar diejenigen, die seinen späteren, immer abstrakter werdenden Stil ablehnen. Während seiner blauen Phase verlieh der Künstler seiner pessimistischen Weltsicht Ausdruck. Werke wie "Die Absinthtrinkerin" und "Harlekin und seine Gefährten" geben ein gutes Beispiel dafür. Die dargestellten Menschen sind vom Elend gezeichnet. In dieser Zeit arbeitete Picasso erstmals mit Skulpturen.
Picasso hielt es nicht lange in seiner spanischen Heimat. Er reiste immer wieder nach Paris und ließ sich 1904, am Ende seiner blauen Periode, dauerhaft in der Kunstmetropole nieder. Dort machte er Bekanntschaft mit namhaften Künstlern wie Joan Miro, George Braques und Matisse. Mit letzterem verband ihn eine lebenslange tiefe Freundschaft. In Paris lernte er auch Fernande Olivier kennen, seine spätere Geliebte, die ihm auch öfter Modell saß.
Auf die blaue Phase folgte von 1905 bis 1906 die kurze Rosa Periode, die ungefähr ein Jahr dauerte. Picasso veränderte seinen Stil, nicht nur farblich, sondern auch thematisch. Er mal überwiegend Szenen aus der Welt des Zircus, in freundlicheren Rosatönen. Dennoch blieb die melancholische Stimmung erhalten, wenn auch auf leichtere Art. Insbesondere Akrobaten und Harlekins werden zu seinen Bildinhalten, beispielsweise das Werk "Die Gaukler".
Zu Beginn des zwangisten Jahrhunderts entwickelte Pablo Picasso mit George Braque und Juan Gris den als revolutionär aufgefassten kubistischen Stil. In dem Werk "Demoiselles d`Avignon" kündigte sich 1907 diese avantgardistische Kunstrichtung an. Sie zeigt eine deutliche Abwendung von der naturalistischen Malerei. Der neu entwickelte Stil des Kubismus ging einerseits auf die traditionelle afrikanische Maskenkunst zurück -andererseits auch auf den Wandel in der damaligen Vorstellung von Ästhetik: Formen wurden zunehmend zersplittert dargestellt. Der Kubismus zeichnet sich dadurch aus, dass alle Themen, Menschen wie Objekte, auf simple geometrische Formen reduziert werden. Die Gemälde wirken dadurch sehr abstrakt. Die Bildfläche wird dabei in viele kleine Flächen unterteilt. Eine Folge davon ist, dass Formen aufgesplittert und Farben in verschiedene Töne wie Grau, Braun oder Grün zerlegt werden. Bilder wie "Frau mit Gitarre" oder "Ma Jolie" zeugen von dieser neuen Maltechnik.Bis zum Jahr 1917 hielt diese Periode an. Dieser Stil entwickelte sich im Lauf der Zeit weiter, zum so genannten synthetischen Kubismus. Hier wurden verschiedene Ansichten einer Person oder eines Gegenstandes gleichzeitig aus verschiedenen Blickwinkeln in einem Bild dargestellt.
Ab 1919 orientierte sich der Maler in seinem Schaffen an antiken Mythologien. Zwischen 1924 und 1926 wurden große Stilleben in abstrakter Weise der Schwerpunkt seiner Arbeiten. 1925 nahm er mit seinem Bild "Die drei Tänzer" an der ersten Ausstellung der Surrealisten in Paris teil. Der surrealen Malstil diente Picasso dazu, seelische Erfahrungen auf der Leinwand umzusetzen.
Zu Beginn der 30er Jahre dominierten harmonische, geschwungene Linien in seinen Werken. Mit ihrer angedeutenden Erotik wiesen sie auf die glückliche Liebesbeziehung mit seiner neuen Partnerin Marie Thérèse Walter, mit der er bis 1935 zusammenlebte. Sie wurde zum Modell zahlreicher Bildnisse, häufig in schlafender Pose, wie beispielsweise in "Mädchen vor dem Spiegel". Ende der 30er Jahre arbeitete Picasso an Drahtplastiken und erstmals an Eisenskulpturen. Mit einem Besuch in Spanien tauchten dann in einer Reihe von Radierungen Motive aus dem Stierkampf auf.Im Jahr 1937 schuf Pablo Picasso eines seiner berühmtesten Gemälde, Guernica. Mit dem Anti-Kriegsbild protestierte er gegen die barbarischen Luftangriffe der deutschen Luftwaffe auf das baskische Dorf Guernica, durch die Adolf Hitler den faschistischen Diktator Francisco Franco im spanischen Bürgerkrieg unterstützte. Guernica ist ein riesiges Wandgemälde auf Leinwand in Schwarz-, Weiß- und Grautönen. Picasso schuf es eigens für den spanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung von 1937. In dem Gemälde Guernica kehren Formen wieder, die in vielen seiner Werke zu finden sind. Sie haben symbolischen Wert, wie zum Beispiel das sterbende Pferd oder die weinende Frau.
Guernica war bis 1981 im Museum of Modern Art in New York ausgestellt und wurde im Jahr 1981 in den Prado von Madrid in Spanien überführt. Seit 1992 ist es im Museo Reina Sofía in Madrid zu sehen. Picasso hatte die Rückkehr des Gemäldes nach Spanien testamentarisch bis zum Ende der faschistischen Herrschaft durch General Franco untersagt.
Nach dem zweiten Weltkrieg lebte der erfolgreiche Künstler überwiegend in Südfrankreich. Vor allem beschäftigte er sich figürlicher Keramik. Im Töpferdorf Vallauris schuf er annähernd 2 000 Stücke. Mitunter entstanden bedeutende plastische Werke, wie "Mann mit Ziege" und "Ziege", sowie die Monumentalplastik "Frauenkopf" für das Behördenviertel in Chicago.
Während der Schaffensperiode von 1966 bis 1968 entstanden Abbildungen aus der Welt des Theaters und des Zirkus, die Schwermut und Melancholie vermitteln. Die Bilder zeugen von der Wehmut des Künstlers nach seiner verlorengegangen Fähigkeit zur Sexualität, denn nach einer Prostata-Operation konnte Picasso Sexualität nur noch als Beobachter wahrnehmen. Erst nach dem Tod Picassos wurden diese Gravuren von der Galerie Luise Lleris zum Druck freigegeben und veröffentlicht.
1971 wurde Picasso eine ganz besondere Auszeichnung zuteil. Die französische Regierung veranstaltete erstmals eine Retrospektive eines noch lebenden Künstlers. Die Ausstellung fand anlässlich seines neunzigsten Geburtstags im Louvre statt. 1985 das wurde "Musée Picasso" in Paris eröffnet, es umfasst 203 Gemälde, 191 Skulpturen, 85 Keramiken, über 3000 Zeichnungen und Grafiken.
Pablo Ruiz y Picasso starb am 8. April 1973 im französischen Mougins bei Cannes. Begraben wurde er im Garten seines Schlosses Vauvenargues.
Die Werke des berühmten Künstlers tragen eindeutig seine Handschrift und können ihm, trotz seiner unterschiedlichen Malstile und -phasen, meist auf den ersten Blick zugeordnet werden. Und genau das macht seine Raffinesse und Einzigartigkeit aus. Themen und Symbole kehren wieder, werden unterschiedlich behandelt und wirken dadurch immer wieder anders auf den Betrachter. Getreu nach einem Zitat des Künstlers: "Wenn es nur eine einzige Wahrheit gäbe, könnte man nicht hundert Bilder über dasselbe Thema malen. "
Datum:
10.01.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Susanne Lang
Bildquelle:
Wikipedia
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Suchbegriffe: Pablo Picasso, Spanien, Malerei, blaue Periode, rosa Periode, Maler, Avantgarde, Kubismus,
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