Zu “altbacken”: Doch kein Text für spanische Nationalhymne

Nationalhymne soll weiterhin einen Text bekommen

Nach heftiger Kritik an einem vorgestellten Text für die bisher rein musikalische Hymne zog das Olympische Komitee am Mittwoch das Projekt zurück. Die Strophen hätten „eine große Kontroverse und in vielen Fällen Ablehnung hervorgerufen“, sagte COE-Präsident Alejandro Blanco in Madrid. Daher werde die geplante Präsentation abgesagt. Das Komitee verfolgt laut Blanco jedoch weiterhin die Idee, die spanische Nationalhymne mit einem Text zu versehen.

Das Olympischen Komitee beendete damit eine breite öffentliche Debatte um die vorgestellten Strophen. Auf seinen Aufruf, die auch Königsmarsch genannte Hymne zu betexten, hatte das COE rund 7.000 Einsendungen erhalten, aus denen eine sechsköpfige Jury den Text eines 52-jährigen Arbeitslosen herausgesucht hatte. Die Vorstellung war am 21. Januar auf einer Gala in Madrid geplant, wo Spaniens Startenor Plácido Domingo den Text erstmals singen sollte. Ein Beschluss des Parlaments hätte die Einsetzung des Textes abgeschlossen.

Dazu wird es nach dem COE-Beschluss jedoch nicht mehr kommen. Denn nachdem die Tageszeitung „ABC“ die vier Strophen vorab veröffentlichte, geriet der Text schnell in die Kritik. „Ranzig“, nannte Gaspar Llamazares von der Vereinigten Linken (IU) die Zeilen. Die ehemalige Kulturministerin der regierenden sozialistischen Regierung, Carmen Calvo, sagte, die verwendeten Begriffe seien „total veraltet“. COE-Präsident Blanco bestritt, dass auch Tenor Domingo sich weigerte, den Text zu singen.

Text stieß bei vielen auf Unbehagen

Der Verfasser verwendete Wörter wie „Heimat“ und „Brüderlichkeit“, die im von regionalen Unabhängigkeitsbestrebungen gekennzeichneten Spanien bei vielen auf Ablehnung stoßen. In Spanien gibt es insgesamt vier offizielle Sprachen und besonders im Baskenland sowie in Katalonien ist die Meinung weit verbreitet, dass die dortigen Bevölkerungen eigene Nationalitäten bildeten.

Zudem erinnert besonders die erste Strophe manche Spanier möglicherweise an das Vokabular der nationalistischen Diktatur unter Francisco Franco. Der Vorschlag lautete „Lang lebe Spanien! Lasst uns alle gemeinsam singen, mit unterschiedlicher Stimme, aber aus einem Herzen.“

Der Ursprung der Hymne geht auf König Carlos III. zurück. Der Monarch ordnete 1770 an, den Marsch eines heute nicht mehr bekannten Komponisten bei öffentlichen Auftritten der Königsfamilie zu spielen. Während der Franco-Diktatur wurde die Musik manchmal von einem Text begleitet, der jedoch nie als offiziell galt. Nach dem Tod des Diktators und dem spannungsreichen Übergang des Landes zur Demokratie wurde der damalige Text wegen seiner Nutzung durch das Regime nicht mehr gesungen. Seitdem schweigen die Sportler.