Wirtschaftskrise: Spanier spielen mehr Lotto denn je

Die Spanier erklären in jüngsten Medienumfragen immer wieder, sie würden im Alltag einfach weniger Geld ausgeben, um die Wirtschaftskrise so unbeschadet wie möglich zu überstehen.

Das mag für diverse Lebensmittel oder den Urlaub gelten. Man schlägt nur noch im Sommerschlussverkauf zu und geht weniger aus Essen.

Den geliebten Kaffee in der Cafeteria gegenüber, oder das Ausgehen mit Freunden am Wochenende haben sich die Spanier dennoch nicht nehmen lassen. Und auch nicht “Laster Nr. 1”, das Lottospiel.

Der Traum vom Lottokönig: "Wer nicht spielt, kann nicht gewinnen"

Im Gegenteil. Die Krise scheint die Spanier anzuspornen, noch mehr Geld für Glücksspiele auszugeben. Getreu nach dem Motto “Wer nicht spielt, kann auch nicht gewinnen”, sind die Umsätze im Lottogeschäft in den ersten sechs Monaten des Jahres um 3,3 Prozent gestiegen.

Laut Angaben der Staatlichen Lotterie, hat jeder Spanier seit Beginn des Jahres im Schnitt 93,12 Euro ausgegeben, in der Hoffnung, ein Lottogewinn würde das Leben ein bisschen einfacher machen. Das sind immerhin zwei Euro mehr als im Vorjahr.

Zu den beliebtesten Spielscheinen gehören “La Primitiva”, “Euromillionen”, “La Quiniela”, “Bono Loto” und der “Gordo de la Primitiva”.

Die Münzen rasseln im Bingo, im Kasino und in der Spielhölle

Mehr noch, als die Staatliche Lotterie, profitieren jedoch private Institutionen wie Bingos oder Kasinos von der Spielwut der Spanier. Das Innenministerium spricht von rund 416 Euro, die der Spanier pro Jahr im Bingo, im Kasino, oder auch in einer Spielhalle “verpulvert” – doppelt so viel wie für Lottoscheine.

Der Soziologe Robert Garvía von der Universität Carlos III in Madrid erklärt, es seien gerade die Optimisten, die mehr Geld für Glücksspiele ausgeben. Menschen, die ihrer Zukunft eher negativ entgegenblicken, halten sich meist zurück.

Interessant ist auch die Tatsache, dass rund 50 Prozent der regelmäβigen Lottospieler ihren Spielschein mit anderen Personen teilen. Die traditionelle Weihnachtslotterie übertrifft diese Zahl sogar mit bis zu 73 Prozent.

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