Willkommensparty für entlassenen ETA-Kämpfer

Auch im baskischen San Sebastián gedachten dutzende Einwohner der Opfer der ETA. Zugleich organisierten Anhänger des Freigelassenen in der Stadt aber auch eine Willkommensparty. 

Der Terrorist hatte sich nie für seine Taten entschuldigt

Dabei wurde ein Brief des 52-Jährigen verlesen, in dem er sein Fernbleiben von der Veranstaltung mit "Sicherheitsbedenken" begründete. Außerdem habe er dem "Medienzirkus" entgehen wollen. Juana Chaos hatte sich nie für seine Taten entschuldigt.

Der verurteilte 25-fache Mörder verließ am Samstag in Begleitung seiner Anwälte und seiner Frau das Gefängnis in Aranjuez in der Nähe von Madrid. Alle zusammen stiegen sofort in ein wartendes Auto und fuhren davon. 

25 Tote gehen auf das Konto von Juana Chaos

Der ehemalige baskische Untergrundkämpfer war für mehrere Anschläge mit insgesamt 25 Toten zu einer Haftstrafe von 3000 Jahren verurteilt worden. Gegen seine Freilassung, die genau 40 Jahre nach dem ersten ETA-Anschlag erfolgte, protestierten noch am Samstag mehrere hundert Menschen in Madrid.

Die Freilassung von Juana Chaos nach etwas mehr als 20 Jahren Haft erfolgte entsprechend der spanischen Justizvorschriften. 

Der 52-Jährige hatte zuletzt mit mehreren Hungerstreiks für Aufsehen gesorgt. 2006 und 2007 war er zwei Mal in den Hungerstreik getreten, um gegen eine erneute Verurteilung wegen der Veröffentlichung polemischer Artikel in einer baskischen Zeitung zu protestieren. 

Seit einigen Tagen befand er sich erneut im Hungerstreik, weil er sich durch Justizbehörden und die Medien schikaniert sah. Die Justizbehörden hatten vor kurzem begonnen, den Besitz des 52-Jährigen zu durchleuchten und zu prüfen, ob er zumindest einen Teil der geforderten Entschädigungen in Höhe von acht Millionen Euro an die Opferfamilien zahlen kann. 

Gedenken an die Opfer und Proteste in Madrid

Die spanischen Medien wiederum hatten sich in den vergangenen Wochen vehement gegen die Freilassung des ETA-Mitgliedes gestellt. Opferverbände sprachen von einem "Affront". Nachdem Juana Chaos das Gefängnis verlassen hatte, versammelten sich etwa 200 Menschen in Madrid. 

Zum Gedenken an seine Opfer legten sie 25 Blumensträuße an dem Ort ab, an dem Juana Chaos seinen schwersten Anschlag verübt hatte. Dabei waren 1986 bei der Explosion einer Autobombe zwölf Angehörige der Zivilgarde gestorben.

Die ETA kämpft seit 1968 mit Gewalt für ein unabhängiges Baskenland in Nordspanien und im Südwesten Frankreichs. Ihren ersten Anschlag verübte sie am 2. August 1968, als drei ihrer Mitglieder in San Sebastián einen Polizisten erschossen. Seitdem wurden mehr als 800 Menschen getötet.

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