Urteil im Fall Marta del Castillo: Die Eltern verzweifeln an der Justiz

Am 24. Januar 2009 verliess die 17-jährige Marta del Castillo ihr Elternhaus in Sevilla und kam nicht mehr heim. Ihre Eltern und die Polizei starteten eine groß angelegte Suchaktion. Nach zwei Wochen wurde der 19-jährige Miguel Carcaño festgenommen und gestand: „Ich habe Marta mit einem Aschenbecher erschlagen und ihre Leiche in den Guadalquivir geworfen. Meine Freunde haben mir dabei geholfen.“ Als weitere Verdächtige wurden festgenommen: Samuel B. (19), ein Freund des Angeklagten, Javier G.(15) alias „el Cuco“ und Francisco Javier M. (40), einen Stiefbruder Carcaños.

Die Polizei suchte im Fluß auf einer Länge von 80 Kilometern mit Tauchern nach dem Körper des Mädchens. Ohne Erfolg. In der Folgezeit wurden immer neue grauenhafte Einzelheiten des Verbrechens bekannt. Die Aussagen der Verdächtigen widersprachen sich in einer Weise, dass immer wieder der Tathergang rekonstuiert wurde und bis heute nicht klar ist, wie Marta zu Tode kam.

Die nächste Suchaktion wurde auf dem Müllplatz Montemarta-Cónica in Alcalá de Guadaíra durchgeführt. Dort wird der Müll von Sevilla abgeladen. Wochenlang wird der Müll durchsucht – ebenfalls ohne Erfolg. Es werden noch weitere 7 Lokations nach der Leiche durchsucht, die aber bis heute nicht gefunden wurde.

In der Gerichtsverhandlung, die im Oktober 2010 begann, wurden die Angeklagten widerholt vom Richter und den Eltern gebeten, doch endlich zu sagen, wo die Leiche zu finden sei. Sie machten dazu keine Angaben.

„El Cuco“ wurde vor einem Jugendgericht abgeurteilt. Seine Strafe: 3 Jahre Jugendstrafe und 2 Jahre überwachte Freiheit. Das Urteil war „wie ein Krug Eiswasser“ für Eltern und Großeltern von Marta.

Miguel Carcaño wurde wegen Totschlag zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Bei guter Führung kann er in 7 Jahren wieder in Freiheit sein. Der Anklagepunkt der Vergewaltigung wurde aus Mangel an Beweisen fallengelassen. Seine Komplizen wurden freigesprochen. 

Die Eltern sind entsetzt über das Urteil und haben angekündigt, „bis nach Strassburg zu gehen, um Gerechtigkeit für Marta zu bekommen“. Rechtsexperten halten das Urteil für rechtlich korrekt, da durch das Fehlen der Leiche keine Enzelheiten der Gewalttat nachgewiesen werden können, für moralisch und ethisch fragwürdig.

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