Strompreise im europäischen Vergleich

Während die sogenannte EEG-Umlage in Deutschland kontrovers diskutiert wird, steigen die Strompreise für Haushalte und Industriekunden in Dänemark und Italien noch mehr als hierzulande. Auch Länder wie Irland, die Slowakei, Norwegen oder Spanien verzeichnen inzwischen einen auffällig schnell ansteigenden Strompreis.

Europaweit gibt es relativ große Unterschiede bei den Strompreisen. Der durchschnittliche Strompreis der 27 EU-Länder liegt bei 20,1 Cent pro kWh, was allerdings kaum repräsentativ ist für die einzelnen Länder. Lediglich Österreich, Portugal, die Niederlande und Norwegen befinden sich innerhalb dieses Durchschnitts, alle anderen Länder sind relativ bis sehr weit vom Durchschnitt entfernt. Mit unter 10 Cent ist Strom in den osteuropäischen Ländern Bosnien Herzegowina (8 Cent), Mazedonien (8,1 Cent) und Bulgarien (9,2 Cent) besonders günstig. Sehr auffällig ist in diesem Vergleich Belgien: Hier sank der Strompreis im ersten Halbjahr 2013 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 um 6,6 Prozent. Im Vergleich dazu: In Spanien stieg er um 1,7 Prozent an, in Deutschland sogar um 12,5 Prozent.

Der enorme Anstieg der Strompreise hat in Deutschland bereits für viele Probleme gesorgt. Während deutschen Unternehmen immer wieder neue Privilegien eingeräumt werden, um zu verhindern, dass sie ihren Standort in ein günstigeres Land verlagern, zweifeln immer mehr deutsche Privathaushalte daran, dass sie die Strompreise zukünftig noch werden zahlen können. Der Ruf nach speziellen Sozialtarifen wird laut, der für Arbeitslose und sozial benachteiligte Haushalte gelten soll. Bis dahin müssen die Deutschen auf andere Maßnahmen zurückgreifen. Mit dem sogenannten Strompreis-Atlas kann man sich die Strompreise im deutschlandweiten Vergleich anzeigen lassen. 1437 Städte sind hier verzeichnet; die grünen, gelben und roten Markierungen zeigen die dortigen aktuellen Strompreise an. Nach einem Klick auf die jeweilige Stadt oder Gemeinde ist außerdem ein Vergleich aller Stromanbieter möglich. Auch wenn die Preisunterschiede manchmal kaum ins Gewicht fallen, so lohnt sich häufig doch ein Wechsel. Der Stromatlas stellt für Privathaushalte eine simple, doch effektive Methode dar, den jeweils günstigsten Stromanbieter herauszufinden.

StrompreisAtlas:

Quelle: Strompreis – Atlas von StromAuskunft.de


Quelle: Strompreis – Atlas von StromAuskunft.de

In Deutschland (12,5), Griechenland (12,4), Türkei (14,1), Kroatien (13,6), Estland (23,3), Rumänien (26,0) und Montenegro(12,1) ist der Strompreis bereits zweistellig, während Länder wie Spanien lediglich einen Anstieg von 1,7 Prozent verzeichnen. Während bei einigen Ländern vor allem die Anpassung an das Preisniveau der EU Schuld an dem Anstieg ist, gibt es für Deutschland andere Gründe.

Die Verknappung der Energiequellen: Deutschland hat sich entschieden: Bis 2022 sollen alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden, eine Energiewende steht an. Dies erfordert Forschung, Entwicklung und Innovation, und das ist teuer. Auch künftig ist also mit einem weiteren Anstieg der Strompreise zu rechnen.

Kein funktionierender Wettbewerb: Auf dem deutschen Strommarkt herrscht kein funktionierender Wettbewerb. Die vier größten Konzerne EnBW, Vattenfall, RWE und E.on zeichnen für den Großteil der Stromversorgung verantwortlich. Offiziell sind Absprachen zwar verboten, doch eine genaue Kontrolle ist nicht leistbar.

Staatslast: Ein weiterer wichtiger Faktor bei den Strompreisen ist die Staatslast. Bei einer Mehrwertsteuer von 19 Prozent lässt sich dies leicht darstellen: Beträgt der Netto-Strompreis 100 Euro, kommen Abgaben von 19 Euro dazu. Bei 200 Euro sind es dann schon 38 Euro. So steigt auch die Staatsabgabe mit den höheren Stromkosten.