Spanien: Zinssatz von 0,678 Prozent! “Rezession überwunden, frisches Geld wie nie”

Am Dienstag konnte sich Spanien so günstig wie nie frisches Geld beschaffen. Papiere mit einer Laufzeit von einem Jahr konnten der spanischen Notenbank zufolge zu einem Zinssatz von 0,678 Prozent platziert werden. Das ist ein Rekordtief. Bei der letzten vergleichbaren Auktion am 31. Oktober hatte der Zins bei 0,961 Prozent gelegen. In der Hochphase der Euro-Schuldenkrise Mitte 2012 musste Spanien für einjährige Geldmarktpapiere Zinssätze von bis zu fünf Prozent bieten. Zusammen mit einer weiteren Auktion flossen etwa 4,5 Milliarden Euro in die Staatskasse.

Spanien hat die längste Rezession in der jüngeren Geschichte des Landes überwunden. Das Euro-Krisenland (mehr Informationen im Alpari Newsroom) erzielte erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder ein wirtschaftliches Wachstum. Wie das Nationale Statistik-Institut (INE) mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euro-Krisenlandes im dritten Quartal 2013 im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent.

Die Behörde bestätigte damit den Wert, den die Zentralbank in der vorigen Woche auf der Grundlage von Schätzungen veröffentlicht hatte. Die Rezession war die längste in Spanien seit dem Ende der Franco-Diktatur (1939-1975). Das BIP der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone war neun Quartale hintereinander gesunken. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal fiel die spanische Wirtschaftsleistung zwischen Juli und September allerdings wie erwartet um 1,2 Prozent.

Die konjunkturelle Erholung basierte nach Einschätzung von Experten vor allem auf einer dynamischen Nachfrage in der Exportwirtschaft. Die Inlandsnachfrage war weiterhin schwach. Auch das Geschäft mit dem Tourismus trug zur Überwindung der Rezession bei. Spanien erwartet in der Bilanz für dieses Jahr eine Rekordzahl von ausländischen Urlaubern.

Aber es kommt noch besser: Nach mehr als zwei Jahren Krisenstimmung atmen Europas Autobauer langsam auf. Erstmals seit September 2011 sind die Verkaufszahlen auf dem Heimatkontinent zwei Monate in Folge gestiegen. Damit könnte die Trendwende auf dem Krisenmarkt geschafft sein. Zwar war der vergangene Monat der zweitschlechteste Oktober seit Beginn der Statistik vor zehn Jahren. Allerdings legten die Neuzulassungen EU-weit um 4,7 Prozent auf eine Million Autos zu, wie der Branchenverband Acea am Dienstag in Brüssel mitteilte. 

Europas größter Autobauer Volkswagen hatte Ende vergangener Woche erste Entwarnung für den Heimatkontinent gegeben. Zwar herrschten aus Sicht von Vertriebschef Christian Klingler weiter wirtschaftliche Unsicherheiten. «Wir sehen jedoch erste Anzeichen einer Stabilisierung der Märkte in Frankreich, Spanien und auch Italien.» Ein Teil der branchenweiten Erholung ist allerdings durch Staatshilfen erkauft. So treibt in Seats Heimatland Spanien eine Abwrackprämie die Verkäufe nach oben. Im Sommer hatte die Regierung in Madrid diese Subventionen um eine weitere Runde verlängert.