Spanien im Krisen-Strudel: Anleger nervös, Zinsen kratzen bei 7 Prozent!

Am Donnerstag spitzte sich die Lage der viertgrößten Volkswirtschaft in der Euro-Zone weiter zu. Nach einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Moody’s straften auch die Anleger das Land ab.

Die Zinssätze für richtungsweisende zehnjährige Staatsanleihen stiegen erstmals seit Einführung der Gemeinschaftswährung zeitweise bis knapp unter die kritische Marke von 7 Prozent. Dies gilt als ein kritisches Niveau. Wirtschaftsminister Luis de Guindos räumte ein, dass Zinsen in dieser Höhe auf Dauer nicht finanzierbar seien. Am Nachmittag kam die Rendite wieder etwas runter.

Am Mittwochabend hatten die Bonitätswächter der Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit Spaniens um drei Noten herabgestuft. Damit liegt das Land nur noch eine Note über dem sogenannten Ramschniveau. Anleger würden angesichts der jüngsten Zuspitzung massiv Mittel aus dem Euroraum abziehen, und auch deutsche Staatstitel seien zunehmend unter Druck, sagte ein Händler. Inzwischen werde die Eurozone auf breiter Front von Investoren «verprügelt».

Spaniens Rekordzinsen für frisches Geld führte die EU-Kommission auch auf die Nervosität der Märkte vor der wegweisenden Wahl in Griechenland zurück. «Entwicklungen in anderen Ländern, beispielsweise in Griechenland (…) haben ebenfalls Wirkung auf die Reaktionen von Marktteilnehmern», sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. Die Risikofurcht halte Investoren zurück.

Moody’s hatte die Bonitätsnote von «A3» auf «Baa3» gesenkt. Die Agentur begründete dies mit der Ankündigung der Madrider Regierung, internationale Hilfe für die angeschlagenen Banken des Landes in Anspruch zu nehmen. Dies werde die Schuldenlast des Landes weiter steigen lassen, teilte Moody’s mit. Das EU-Statistikamt Eurostat bestätigte, dass die geplante Banken-Hilfe von bis zu 100 Milliarden Euro das Defizit des spanischen Staates belasten werde. Die Madrider Regierung bestreitet dies.

Die Ratingagentur betonte, Spanien habe nur noch einen sehr beschränkten Zugang zu den Finanzmärkten. Das Land erhalte fast nur noch Geld von den nationalen Banken, die von der EZB großzügig mit Liquidität versorgt würden, schreib die Agentur. Zudem belaste die anhaltende Schwäche der spanischen Wirtschaft die Finanzkraft des Landes. Die US-Agentur bewertet Spanien schlechter als die Konkurrenten Standard & Poor’s (BBB+) und Fitch (BBB).

Für Wirbel sorgte die EU-Kommission mit der Ankündigung, sie rechne mit der Schließung einer staatlich gestützten spanischen Bank. Wenn die Kosten der Sanierung einer Bank höher seien als die Kosten einer Liquidierung, sei es «normal», dass das betreffende Geldhaus geschlossen werde, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia dem staatlichen spanischen Fernsehen TVE. Die EU-Kommission wies darauf hin, dass Brüssel bisher die Liquidierung von 16 europäischen Banken angeordnet habe, darunter die Landesbank WestLB sowie die irische Anglo Irish Bank.

Das Madrider Wirtschaftsministerium und der staatliche Bankenrettungsfonds Frob betonten demgegenüber, in Spanien sei die Schließung einer Bank nicht vorgesehen. Politiker der regierenden Volkspartei (PP) warfen Almunia vor, den Interessen seines Landes in Brüssel zu schaden, und forderten den Rücktritt des EU-Kommissars, der den spanischen Sozialisten angehört.

Spanien rief die Europäische Zentralbank (EZB) eindringlich auf, Staatsanleihen von Euro-Krisenländern zu erwerben. Eine solche Intervention der Währungshüter werde erst recht notwendig sein, wenn bei der Parlamentswahl am Sonntag in Griechenland die Kräfte gewännen, die gegen die – mit der EU vereinbarten – Einsparungen seien, sagte Außenminister José Manuel García-Margallo. Zur Rettung des Euro müsse die EZB unbedingt verhindern, dass die Rendite der Staatsanleihen in astronomische Höhe klettern. «Wenn die Titanic untergeht, werden alle Passagiere mitgerissen, auch die in der ersten Klasse», sagte García-Margallo dem Radiosender Onda Cero.