Schnäppchen-Jagd in Spanien, Sergio Ramos muss bluten: Winterschlussverkauf brummt, Krise vorbei?

Im Einkaufszentrum «Corte Inglés» am Madrider Paseo de la Castellana geht nicht nur (wie in unserem Video) Pilar Rubio, die Partnerin von Real Madrids Sergio Ramos shoppen.

Derzeit stehen sich dort Alt und Jung regelrecht auf den Füßen. Die Menschen mit den grün-schwarz-weißen Einkaufstüten kommen am Mittwoch in den überfüllten Gängen nur schleppend voran. Der zweite Tag des Winterschlussverkaufs schien nicht nur in der spanischen Hauptstadt, sondern im ganzen Land die jüngsten Beteuerungen von Regierung und Topmanagern zu bestätigen, wonach die Krise nach sechs Jahren endlich überwunden ist.

Im Schnitt werde jeder Spanier bei den diesjährigen «Rebajas» mit 85 Euro fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum ausgeben, schätzt der Konsumentenverband Fuci. Es wäre der erste Anstieg seit Krisenbeginn, Medien sprechen vom «Ausverkauf der Erholung».

Nicht nur der Konsum gibt Anlass zur Hoffnung. Die Wirtschaftsseiten der Zeitungen waren dieser Tage voll positiver Meldungen. An der Madrider Börse erreichte der Leitindex am Dienstag den höchsten Wert seit Juli 2011. Ausgerechnet die einst maroden Banken, für die Spanien 41 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsfonds in Anspruch genommen hatte, waren nach dem jüngsten Ende des Hilfsprogramms mit Zuwächsen von bis zu sieben Prozent die Lokomotive. Am Mittwoch kletterte der Index noch höher.

Unter Berufung auf das Finanzministerium berichtete die Zeitung «El País», internationale Anleger hätten zuletzt so viel in spanische Staatspapiere investiert wie nie zuvor. Im November sei im Vergleich zum Vormonat ein Rekordanstieg um 21 Milliarden auf 273 Milliarden Euro (dem höchsten Stand seit 2011) erreicht worden.

Hat Emilio Botín, Präsident der Banco Santander, recht? Er hatte bereits Ende Oktober behauptet, Spanien mache eine «phantastische Zeit» durch, «aus allen Teilen der Welt» komme Geld ins Land. Vor einer Woche erst hatte Ministerpräsident Mariano Rajoy versichert, man habe die Rezession definitiv hinter sich gelassen. Man sehe bereits die Ergebnisse der großen Sparanstrengungen.

Spanien hatte im dritten Quartal des vergangenen Jahres tatsächlich erstmals seit Jahren wieder ein leichtes Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent ausgewiesen. Am Arbeitsmarkt gab es auch ein Lichtblick: Die Arbeitslosenzahl fiel im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat mit einem Rückgang um 147 385 so stark wie seit 1999 nicht mehr.

Doch spüren die Spanier den Aufwind? IT-Experte José, seit über drei Jahren arbeitslos, hat für die guten Nachrichten nur ein müdes Lächeln übrig. «In meinem Bekanntenkreis ist die Hälfte arbeitslos. Und ich kenne niemanden, der in den vergangenen Monaten einen vernünftigen Job mit unbefristetem Vertrag gefunden hat», sagt der 39-Jährige. Im «Corte Inglés» sei er lediglich auf Schnäppchenjagd, er habe ja Zeit, und seine Frau arbeite zum Glück noch.

José wundert sich nicht, dass Spanien in der Eurozone mit anhaltender Rekordarbeitslosigkeit zusammen mit Griechenland eine traurige Spitzenposition einnimmt. Nach einem Bericht der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist Spanien das OECD-Land, in dem die Langzeitarbeitslosigkeit im vergangenen Jahr ungeachtet der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes am stärksten gewachsen ist. Nach Angaben des nationalen Statistikinstituts INE lag die Zahl der Spanier, die länger als ein Jahr auf Arbeitssuche sind, im Oktober mit 3,45 Millionen um 8,79 Mal höher als vor sechs Jahren.

Auch Gewerkschaften wie die UGT widersprechen den positiven Berichten und erklären, 2013 seien erneut mehr Arbeitsplätze vernichtet denn geschaffen worden. In der Tat hatten nach amtlichen Angaben 20 Prozent der 2013 unterzeichneten Verträge eine Dauer von höchstens einer Woche.

Inmitten vieler Korruptionsaffären wächst die soziale Ungleichheit. «Die Mittelklasse wird immer mehr zur Utopie», klagt der angesehene Soziologe José Antonio Gómez Yáñez. Die Onlinezeitung «Público.es» schrieb, die Zukunft werde «weiterhin als schwarzes Loch empfunden». Und auch die renommierte Zeitung «El País» macht sich ungeachtet der positiven Indikatoren Sorgen: «Das für 2014 vorhergesagte Wachstum von 1,0 Prozent reicht nicht aus, um eine Besserung auf dem Arbeitsmarkt zu erreichen.»