Ruiz Zafón und Vargas Llosa: Nobelpreis lässt Preise steigen

Das war nicht zuletzt die "Schuld" von Lektorin Michi Strausfeld, die sich als Literaturscout jahrelang um die Schriftsteller kümmerte. 2008 ging sie zu S. Fischer – und mit ihr auch Carlos Ruiz Zafón und sein Bestseller "Das Spiel des Engels".

Für Vargas Llosa, der gerade von Suhrkamp zu Rowohlt wechselte, habe aber S. Fischer nicht geboten, sagte Strausfeld jetzt auf Anfrage.

"El sueño del celta" von Vargas Llosa war am Mittwoch mit einer Startauflage von einer halben Million Exemplaren auf dem spanischsprachigen Markt in den Handel gekommen. In der gerüchtefreudigen deutschen Buchbranche wird der Verlust von Vargas Llosa als "Katastrophe für Suhrkamp" und Ausdruck eines verlegerischen Richtungswechsels gewertet.

Vermutlich, so wird spekuliert, habe Suhrkamp sich schon vor der Nobelpreisvergabe von ihm getrennt. Es sei peinlich gewesen, dass am Suhrkamp-Stand auf der Frankfurter Buchmesse kein einziges Buch von ihm griffbereit gewesen sei.

Und Suhrkamp-Chefin Ulla Berkéwicz soll allzu deutlich ihre Vorliebe für den Israeli Amoz Oz ausgedrückt haben.

Der Weggang von Michi Strausfeld im Bösen sei, wie ein Branchenkenner sagt, ein Indiz dafür, dass die lateinamerikanische Literatur bei Suhrkamp nicht mehr den Stellenwert habe wie früher zu Zeiten des Patriarchen Siegfried Unseld. "Es stellt sich die Frage, ob Suhrkamp überhaupt noch Lust hatte, für die Lizenzausgabe von Vargas Llosas neuem Roman 150.000 oder 200.000 Euro auszugeben – in jedem Fall war es eine finanzielle und verlegerische Fehlentscheidung."

Noch Ende August hatte Suhrkamp nach seinem Umzug nach Berlin groß den 60. Verlagsgeburtstag gefeiert. Ob Brecht, Hesse und Frisch, Jürgen Habermas oder Theodor W. Adorno – lange galt der 1950 von Siegfried Unseld gegründete Verlag in der Verbindung von Literatur und Geisteswissenschaften als intellektuelle Heimat der Republik.

Der jüngste Wechsel ist auch Folge eines verschärften Wettbewerbs in der Buchbranche. Verlage setzen immer stärker auf Spitzentitel, die sie dann mit der ganzen Kraft des Marketings bewerben – und für die sie auch bereit sind, große Summen beim Rechtekauf zu bezahlen.

Der neue Vargas Llosa dürfte ein guter Griff sein. Allerdings konnte Suhrkamp auch in umgekehrter Richtung Siege verbuchen, etwa mit Uwe Tellkamp (Der Turm), den Suhrkamp von Rowohlt holte. (SAZ, dpa; Foto: Wikipedia)

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