Real Madrid: Iker Casillas Stammkraft für Spanien! “Zweiter Stern für unser Land”

Bei Real Madrid ist er nur noch Teilzeit-Torhüter, in der Nationalmannschaft hingegen die unumstrittene Nummer 1: Größer als bei Iker Casillas könnten die Gegensätze kaum sein. Zwar hat die Torwart-Ikone mehrfach versichert: «Ich bin nicht besessen vom Fußball.» Aber nach der schleichenden Demontage in seinem Stammclub genießt er sichtlich seine unangetastete Position in der «selección». Trainer Vicente del Bosque ließ vor dem WM-Auftakt gegen den vergangenen Final-Kontrahenten Niederlande keinen Zweifel an Casillas‘ Sonderstatus: «Er ist unser Kapitän und Keeper.»

Auch wenn del Bosque unumstößlich an Casillas festhält, hat dessen Ruf als unfehlbarer «San Iker» zuletzt gewaltig gelitten. Nicht nur bei seinen Club-Coaches José Mourinho und Carlo Ancelotti ist der «Heilige» verstärkt in Ungnade gefallen, auch in den spanischen Medien häufte sich die Kritik.

Besonders bösartig stellte Lästermaul Mourinho die Real-Institution einmal bloß: «Ob nun Casillas im Tor steht oder ich, das macht keinen Unterschied.» Der Portugiese betrieb auch die Verpflichtung von Diego López im Januar 2013 nach einer Verletzung Casillas‘ und machte den 1,96 Meter-Hünen gleich zum Stammtorwart. Dass auch der ruhige Ancelotti an diesem Ranking festhielt, überraschte etwas.

Aber Casillas ist nicht mehr so souverän wie vor ein paar Jahren. Seine Ruhe, seine glänzenden Reflexe auf der Linie und seine Kaltschnäuzigkeit in Eins-gegen-Eins-Situationen sind immer noch Weltklasse, aber beim Herauslaufen oder in der Spieleröffnung schwächelt der 33-Jährige. 

Nach Casillas‘ fatalem Patzer beim 0:1 im Champions-League-Finale gegen Lokalrivale Atlético, der beinahe «La Decima» gekostet hätte, gab es einige, die auch seine Ablösung als Nummer 1 bei der WM forderten. Sergio Ramos mit seinem spektakulären Kopfballtor in der Nachspielzeit und der erst dadurch ermöglichte zehnte Triumph in der Königsklasse verhinderten, dass die Debatten über eine Degradierung bei der Copa do Mundo ausuferten.

Sarkastisch formuliert, ist Casillas ja aber auch in seinem Club in allen Cup-Spielen gesetzt. Während der jahrelange Stammkeeper bei Punktspielen in der Primera División nur noch auf der Bank schmort, darf er für Real in der Copa del Rey und der Champions League immer ran. Kleiner Trost für den bei den «Königlichen» zur Nummer 2 herabgestuften Casillas: In beiden Wettbewerben holte er mit Madrid den Pokal.

Und auch bei allen drei Titel-Triumphen der neuen Fußball-Großmacht Spanien stand der inzwischen 154-malige Nationalspieler im Tor: 2008 und 2012 jeweils bei der EM sowie 2010 beim historischen ersten WM-Coup. In Brasilien will er bei seiner vierten «Mundial» nun den Titel verteidigen und den vierten Cup-Coup in Serie schaffen. «Hoffentlich können wir wieder aufleben lassen, was wir vor vier Jahren erreicht haben», sagte Casillas. «Der Stern motiviert. Unser Ziel ist es, einen zweiten Stern für unser Land zu holen. Es liegt in unserer Hand.» Mit der Bescheidenheit und dem Ehrgeiz von Südafrika könne das Team den Titel verteidigen.

Seit nunmehr 14 Jahren spielt Casillas in der Nationalmannschaft. Mit 19 debütierte das Super-Talent gegen Schweden. Zwei Jahre später bei der WM in Japan und Südkorea stieg er dann zur Nummer 1 auf, weil sich Santiago Cañizares an den Scherben einer Parfümflasche verletzt hatte. Bei Real hatte er sich schon mit 19 etabliert.

Ein anderer Verein kam – und kommt wohl auch – nicht infrage. Der Vertrag läuft noch bis Saisonende 2017 mit Option auf Verlängerung. Casillas wuchs im Arbeiterviertel Móstoles auf. Sein Vater José Luis arbeitet im Erziehungsministerium, die Mutter besserte früher als Putzfrau das Familieneinkommen auf. Seine einfache Herkunft hat Casillas stark geprägt. Reichtum und Ruhm sind ihm nie zu Kopf gestiegen. Legendär ist sein Spruch: «Ich bin kein Galáctico, ich bin aus Móstoles.»

Für etwas Glamour sorgt allenfalls seine langjährige Beziehung mit der Star-Journalistin Sara Carbonero. Um die Welt ging, als er nach dem WM-Triumph in Südafrika seine Partnerin von Gefühlen überwältigt umarmte und vor zig Millionen Fernsehzuschauern küsste. Das Paar hat seit Januar einen Sohn namens Martin.