Real Madrid, Barca – und das Teatro Real: Operettenland Spanien! “Sandmännchen-Kultur zum Einschlafen”

Gerard Mortier feiert 70. Geburtstag, laut Süddeutscher Zeitung ist er der berühmteste und umstrittenste Opernintendant der Welt.

In Madrid, wo er 2010 die Nachfolge von Antonio del Moral am Madrider Opernhaus Teatro Real übernommen hatte, wird der Belgier aus Gent derzeit nur noch geduldet, weil man ihn nicht eher aus dem Vertrag rausklagen kann.

Mortier, an Krebs erkrankt, wollte seinen Nachfolger selbst aussuchen, der spanischen Regierung war das suspekt – die Spanier wissen eben in der Regel selbst, was für sie am Besten ist.

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte Mortier jetzt folgendes:

„Wir befinden uns in einer unglaublichen Werkekrise. Es wird erst dann wieder revolutionär zugehen, wenn die Politiker einsehen, dass das Theater eine unglaubliche gesellschaftliche Rolle spielen kann, um diese Krise, die keine Finanzkrise ist, zu bewältigen.

Bis jetzt hat man das nicht gesehen, Spanien ist ein typisches Beispiel: Die Spanierbenutzen die Kultur zum Einschläfern. Das ist eine Sandmännchen-Kultur wie im Fußball, denn dann gucken die Leute nicht auf ihre Probleme.

Man benutzt die Kultur nicht zur Reflexion über existenzielle und gesellschaftliche Fragen, sondern als Schlaflied, um die Leute einzuwiegen.“

Sogar im Fußball selbst hat man das schon gemerkt. Nach den hohen Siegen von Real Madrid (5-0 gegen Almeria), Barcelona (4-0 gegen Granada) und Atletico Madrid (7-0 gegen Getafe) kommentiert die Zeitung „Marca“: „Das Wettkampf-Niveau in der Liga ist so schwach wie nie …“

Laut Mortier wäre das sogar Konzept. Ganz Spanien, einfach nur zum Gähnen …