Polizistenmord: Zwei Verdächtige in Frankreich festgenommen

Der zweite am Samstag angeschossene Polizist erlag unterdessen im Krankenhaus seinen Verletzungen. In der spanischen Hauptstadt Madrid demonstrierten am Dienstagabend erneut tausende Menschen gegen ETA.

Die Polizei habe die beiden Verdächtigen in der Ortschaft Châteauneuf-de-Randon gefasst, verlautete von Ermittlern. Das unter Mordverdacht stehende Paar sei bewaffnet gewesen, habe aber keinen Widerstand geleistet. Die Verdächtigen sprachen demnach mit starkem spanischen Akzent und trugen viel Bargeld bei sich. „Es handelt sich um das Paar, nach dem die Polizei seit drei Tagen aktiv gefahndet hat.“ Nach den Schüssen auf die  spanischen Polizisten hatten rund 1500 Polizisten nach den Tätern gesucht.

Spaniens Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero gratulierte der französischen und spanischen Polizei und verwies auf die „enormen Anstrengungen“ der beiden Länder im Kampf gegen ETA. Er hoffe, dass auch das dritte Mitglied des mutmaßlichen ETA-Kommandos vom Wochenende gefasst werde, das die beiden beiden spanischen Polizisten in der Nähe der südwestfranzösischen Küstenstadt Capbreton niedergeschossen hatte. Die beiden Spanier waren unbewaffnet in einem Aufklärungseinsatz gegen die ETA.

In Madrid nahmen alle großen Parteien sowie Unternehmerverbände und Gewerkschaften am Dienstagabend an einer Großkundgebung gegen die Untergrundorganisation teil. Im Gedenken an die Opfer der Baskengrupppe schwiegen die Teilnehmer der Demonstration unter dem Motto „Für die Freiheit – für die Niederlage von ETA!“ zwei Minuten lang. Regierungschef Zapatero blieb dem Protest fern und besuchte den im Koma liegenden zweiten Polizisten in Südfrankreich im Krankenhaus. Der junge Mann starb am Mittwoch, wie die Staatsanwaltschaft in Paris mitteilte.

Frankreich sei schon immer ein Rückzugsgebiet für die Baskengruppe gewesen, sagte der französische Universitätsdozent und ETA-Experte Jean Chalvidant der Nachrichtenagentur AFP. Aber während sich dies früher auf das französische Baskenland beschränkt habe, hielten sich Mitglieder der Untergrundorganisation heute auch in weiter entfernten Landesteilen und sogar im Großraum Paris auf. „Der wesentliche Teil der ETA befindet sich in Frankreich“, sagte Chalvidant. 

Die Organisation habe derzeit rund 300 Anhänger, von denen etwa sechzig „sehr aktiv im militärischen Apparat“ seien, sagte der Akademiker, der ein Buch über die ETA geschrieben hat. Die ETA versucht seit fast vier Jahrzehnten, mit Gewalt die Unabhängigkeit des Baskenlandes zu erzwingen. In Spanien kamen dabei über 800 Menschen ums Leben. Den letzten tödlichen Anschlag hatte die Baskengruppe vor einem Jahr am Flughafen von Madrid verübt. Im Juni kündigte sie den im März 2006 ausgerufenen Waffenstillstand auf.