Eine schier endlose Kette von Justizpannen lässt den Vater der getöteten Mari Luz schwere Vorwürfe gegen die spanische Regierung erheben. "Ich möchte, dass endlich Gerechtigkeit hergestellt wird, wenigstens jetzt", sagte Juan José Cortés aus Huelva. 

Laut El Mundo plant Cortés sogar, eine Klage vor dem europäischen Gerichtshof gegen die spanische Regierung einzureichen. Unterdessen streiten sich Richter und Justizmitarbeiter, wer genau Schuld daran trägt, dass der mutmaßliche Mörder von Mari Luz jahrelang auf freiem Fuß war.

Eine schier unendliche Serie von Justizpannen hatte dazu geführt, dass die fünf Jahre alte Mari Luz sterben musste. Jahrelang hatte ihr mutmaßlicher Mörder, Santiago del Valle García, unentdeckt in seiner Wohnung in der Nachbarschaft des Mädchens gelebt, obwohl ihn ein Gericht zu einer Haftstrafe verurteilt hatte.

Die Justiz führte ihn als "unauffindbar" – nach nur einer Überpfrüfung seines Aufenthaltsortes. Nachdem in der zuständigen Justizbehörde Sevillas eine Mitarbeiterin ausfiel, wurde das Gerichtsurteil dann einfach nicht vollstreckt, der Fall wurde schlicht und ergreifend vergessen. Jetzt wehrte sich die Behörde in Sevilla und wies jede Schuld von sich. Der zuständige Richter habe einfach vergessen, die Vollstreckung seines Urteils anzuordnen.

Santiago del Valle galt als "unauffindbar" – aber zweimal im Monat meldete er sich bei Gericht

Deshalb musste Santiago del Valle eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten nicht absitzen, die er im Jahre 2002 wegen sexuellen Missbrauchs seiner eigenen Tochter bekam. Gleichzeitig aber meldete sich der Mann jahrelang zweimal im Monat beim Bewährungshelfer, der sehr wohl wusste, wo Santiago del Valle wohnte, aber offenbar nichts von seiner anderen Haftstrafe ahnte. Del Valle hatte für einen späteren sexuellen Missbrauch als "Ersttäter" noch einmal zwei Jahre Haft auf Bewährung bekommen.

Juan José Cortés zeigte sich nach einem rund 20-minütigen Anruf von Regierungschef José Luis Zapatero am Samstag einigermaßen zufrieden: "Dies ist ein erster Schritt der Regierung, aber ich erwarte, dass es nicht der einzige bleibt. Es ist keine große Leistung Zapateros, mich anzurufen. Es war seine Pflicht." Zapatero hatte sein Beileid ausgesprochen und sich für die Pannenserie entschuldigt.

Zapatero: "Ein Land wie Spanien darf sich solche Pannen nicht leisten"

Cortés: "Zapatero hat versprochen, alle Verantwortlichkeiten zu klären." Er habe gesagt, "dass sich ein Land wie Spanien solche Fehler nicht leisten dürfe". Juan José Cortés weiter: "Ich habe Zapatero gebeten, dass er auch die Verantworlichkeiten auf höchster politischer Ebene prüft – er hat es mir zugesichert."

Die Wut des Vaters von Mari Luz richtet sich vor allem auf Spaniens Justizminister Mariano Fernández Bermejo. "Es ist schwer, etwas zu sagen, aber ich glaube, dass er zumindest indirekt für die Pannen verantwortlich ist." Bermejo rief Juan José Cortés erst am Sonntag an, einen Tag nach Zapatero.

Der Fall Mari Luz wird in ganz Spanien diskutiert. Braucht Spanien härtere Gesetze gegen Päderasten, braucht man die lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung, wie es sie in Deutschland längst gibt? Die Politik wiegelt ab: "Wir haben strikte Gesetze", so der Verteidigungsminister und künftige Parlamentssprecher der Sozialisten, José Antonio Alonso, "wir müssen sie nur anwenden."

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