Ein europäischer Organspenderausweis und gemeinsame EU-Standards für Qualität und Sicherheit von Organspende und Transplantation könnte die nationalen Bemühungen um ein ausreichendes und sicheres Organangebot nachhaltig unterstützen.

Steigerung des Angebots an Spenderorganen

Bewusstsein und Einstellung der Öffentlichkeit spielen eine wichtige Rolle bei dem Bemühen, die Verfügbarkeit von Organen zu erhöhen. 2006 erklärten 56 % der Europäer sich bereit, nach ihrem Tod ein Organ zu spenden, diese Bereitschaft ist aber von Land zu Land sehr unterschiedlich. Die Mitteilung legt dar, dass die Einführung eines europäischen Organspenderausweises, der die Bereitschaft des Trägers zur Organspende signalisiert, das öffentliche Bewusstsein fördert. Die Kommission wird die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten fördern, um das Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu verbessern, und in diesem Zusammenhang sollte die Einführung eines solchen Spenderausweises oder die Integration in die Europäische Krankenversicherungskarte erwogen werden.

Um das Angebot an Organspenden zu erhöhen, sollen bewährte Verfahren herangezogen werden, bei denen es unter anderem um Lebendspender oder die sogenannten „expanded donors“ (Spender, deren Organe nur für bestimmte Empfänger verwendet werden können) geht. Die Zusammenarbeit zwischen den Ländern wird dabei die beste Möglichkeit bieten, praktische Leitlinien für diese Fälle festzulegen.

Richtlinie zu Qualität und Sicherheit

Jedes Jahr werden zwischen Krankenhäusern in verschiedenen EU-Mitgliedstaaten Organe weitergegeben; dabei unterliegen Krankenhäuser und andere Beteiligte unterschiedlichen nationalen Anforderungen hinsichtlich Sicherheit und Qualität, die derzeit erhebliche Unterschiede aufweisen.

Eine EU-Richtlinie zur Qualität und Sicherheit von Organspenden, auf der Grundlage von Artikel 152 EG-Vertrag, würde gemeinsame Normen für die Qualität und Sicherheit in jeder Phase des Transplantationsprozesses innerhalb der Gemeinschaft schaffen, ohne das Organspendenangebot in der EU zu beeinträchtigen. Der Vorschlag ergänzt die im Aktionsplan angeregte Kooperation.

Die Richtlinie, für die voraussichtlich 2008 ein Vorschlag vorgelegt wird, würde Aufsichtsgremien in den Mitgliedstaaten schaffen sowie gemeinsame Qualitäts- und Sicherheitsnormen und ein System zur Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit und Meldung schwerwiegender Zwischenfälle und Reaktionen.

Weiter würden Inspektions- und Kontrollmaßnahmen sowie ein Mechanismus zur Einstufung von Organen eingeführt, damit die Transplantationsteams die nötige Risikobewertung vornehmen können.

Effizientere Transplantationsverfahren

Innerhalb der EU bestehen erhebliche Unterschiede in der Organspende- und Transplantationsquote, von 34,6 Spendern pro Million Einwohner in Spanien bis zu 13,8 im Vereinigten Königreich, sechs in Griechenland und 0,5 in Rumänien. Diese Unterschiede sind schwer zu erklären, offensichtlich funktionieren manche Organisationsmodelle besser als andere. Die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten sollte sich darauf konzentrieren, die effizientesten Systeme zu ermitteln, Erfahrungen auszutauschen und bewährte Verfahren zu fördern, um diejenigen Mitgliedstaaten zu unterstützen, deren Systeme nicht ausreichend entwickelt sind.

Laut Mitteilung haben Transplantationskoordinatoren in den Krankenhäuser hätte mitgeholfen, das betroffene Fachpersonal zu motivieren und größere Effizienz zu erzielen. Leitlinien für Systeme, bei denen überzählige Organe Ländern angeboten werden, in denen Knappheit herrscht, könnten auch ins Auge gefasst werden, insbesondere wenn es um die Weitergabe von Organen in dringenden oder besonders schwierigen Fällen geht.

Hintergründe

Hauptproblem bei der Transplantation ist der Mangel an Spenderorganen. Täglich sterben in Europa etwa 10 Menschen, die auf ein Spenderorgan warten. Die Sterblichkeit bei Patienten, die auf ein Herz-, Leber- oder Lungentransplantat warten, liegt zwischen 15 und 30 %. Aktuell stehen in Europa etwa 40 000 Patienten auf Wartelisten für ein Spenderorgan.

Innerhalb Europas bestehen erhebliche Unterschiede in der Zahl der Organspender. Der Mangel an legalen Spenderorganen kann unglücklicherweise den illegalen Handel mit menschlichen Organen fördern, mit allen damit verbundenen ethischen Problemen und gesundheitlichen Gefahren.