Immobilienkrise: Hausverlosung ist “in” – das müssen Sie wissen!

Das Grundprinzip ist recht einfach: Man legt einen Verkaufspreis fest, der in einer festgelegten Anzahl von Losen gestückelt wird. Die Losaktion wird bekannt gemacht, meist im Internet oder in lokalen Zeitungen.

Die Gelder der verkauften Lose fließen auf ein bestimmtes Konto. Die Verlosung darf nicht länger als ein Jahr dauern, wobei der übliche Zeitraum zwischen drei und fünf Monaten liegt. In dieser Zeit kann das Anwesen nicht verkauft werden.

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Sobald alle Lose verkauft worden sind, erfolgt die Ziehung des Gewinners unter der Aufsicht eines Notars. Sofern im vereinbarten Zeitraum nicht genügend Lose verkauft worden sein sollten, erhalten die Loskäufer ihren Einsatz wieder zurück. In vielen Fällen behalten die Betreiber allerdings eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 10 Euro ein.

Soweit scheint das Muster ganz einfach zu sein. Was aber viele Hausbesitzer nicht wissen: Der spanische Staat will an den Verlosungen mitverdienen. Dafür sorgen entsprechende Regelungen, die normalerweise die autonomen Regionen festlegen. So ist beispielsweise im Land Valencia das Glücksspielgesetz für Verlosungen und Tombolas zuständig.

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Man muss allerdings auch bedenken, dass Lose, die spanienweit veräußert werden, beispielsweise im Internet, eine Genehmigung aus Madrid benötigen. Werden Lose ausschließlich auf Mallorca oder im Land Valencia verkauft, ist die Genehmigung der autonomen Ministerien nötig.

Der Erhalt einer solchen Genehmigung ist nicht nur mit der Beschaffung aufwendiger Dokumente und Informationen verbunden. Auch die zu errichtenden Steuern müssen bedacht werden.

So muss unter anderem eine offizielle Wertschätzung des zu verlosenden Objektes vorliegen, die nicht älter als einen Monat sein darf. Auch muss nachgewiesen werden, dass Hypothekenraten bis zum Zeitpunkt der Antragstellung ordnungsgemäß gezahlt worden sind, sofern die Immobilie mit einer Hypothek belastet ist.

Die Bank muss sich verpflichten, im Zeitraum der Verlosung von einer eventuell drohenden Zwangsversteigerung abzusehen. Eine verfrühte Beendigung der Verlosung ist nicht möglich. Und natürlich müssen die entsprechenden Daten des Veranstalters vorliegen, seine Identität und Steuernummer.

Auch die Lose müssen genau spezifiziert werden: Anzahl, Betrag und das Verfalldatum gehören zu den wichtigsten Angaben, neben Ort und Datum der Ziehung sowie die Angaben zum Notar.

Die zu errichtenden Steuern sind allerdings der Knackpunkt, warum sich viele Hausbesitzer scheuen, eine Hausverlosung vorzunehmen.

Für eine Verlosung auf nationalem Gebiet, wie im Internet, fallen 15 Prozent des Wertes aller Lose an. Diese Steuer ist bereits bei der Erteilung der Genehmigung zu entrichten. Hinzu kommen 18 Prozent Einkommenssteuer auf den Gewinn. Natürlich muss der Veranstalter auch alle anderen üblichen Übertragungssteuern übernehmen, die beim Übertrag der Immobilie auf den Gewinner anfallen.

Wer diese Kosten bereits vor Ablauf der Verlosung tragen kann und alle Rechtsfragen ordnungsgemäß abgewickelt hat, dem steht für eine erfolgreiche Hausverlosung nichts mehr im Weg.

Idealerweise informiert man sich vorab bei einem kundigen Rechtsanwalt, oder lässt die Verlosung über eine seriöse Immobilienagentur abwickeln. Diese kann auch dafür sorgen, das Losobjekt zu besichtigen und Informationen vor Ort zu geben.

Wer dennoch sein Glück ohne die entsprechenden Genehmigungen und Steuerzahlungen versuchen will, bewegt sich auf gefährlichem Terrain. Dem “unkundigen Losverkäufer” drohen saftige Ordnungsstrafen, Bußgelder, eine mögliche Zwangsversteigerung und bis zu drei Jahre Haft.

Foto: VDEvivienda (Flickr)