Fußballgefühle ohne Cristiano Ronaldo – dafür mit Eintracht Braunschweig und Chelsea-Andy!

Schon ein Blick ins Register lässt allerdings erahnen, dass es in Hackes Buch „Fußballgefühle“ wohl kaum um Spanien gehen wird. Weltfußballer Cristiano Ronaldo von Real Madrid wird dort genau null mal erwähnt, einmal weniger als Bayerns früherer Ministerpräsident Edmund Stoiber. Anderen Stars wie Ronaldo, Luis Figo, Bernd Schuster oder Lionel Messi geht es nicht viel besser.

Wobei: Der Argentinier, vierfacher Weltfußballer in Folge, hat immerhin zwei Fundstellen. Liest man nach, erfährt man allerdings vor allem, dass Messi ein mehr oder weniger wichtiges Rädchen im Getriebe einer Maschinerie ist, die generalstabsmäßig Siege einfährt. Im Gegensatz zu Messis großem Landsmann Diego Maradona natürlich, der zu seiner Zeit noch Weltmeisterschaften und nationale Ligen ganz allein entscheiden durfte. Dabei erklärt selbst Messis früherer Trainer Pep Guardiola bis heute: „Meine Zeit in Barcelona war die Ära Messi, nicht die Ära Guardiola.“

Was Hackes Buch vor allem lesenswert macht, ist die Zeit vor Messi und Cristiano. Seine Zeit. Hacke: „Als ich elf Jahre alt war, spielten wir Fußball mit allem, was sich treten ließ. An der Bushaltestelle kickten wir mit Quitten aus den Sträuchern neben dem Wartehäuschen. Auf dem Pausenhof kickten wir mit flachgedrückten Kakaotüten. Auf dem Heimweg von der Schule kickten wir mit zusammengedrücktem Butterbrotpapier. Am Nachmittag im Park kickten wir sogar mit einem Ball. Zum Kicken war uns alles recht.“

So fing es an für Axel Hacke, der nicht nur Fußballfreund ist, Fan von Eintracht Braunschweig, Bayern München und Fußball-Weltmeisterschaften, sondern auch viele Jahre Sportreporter war. In diesem Buch spürt er den Gefühlen nach, die in Deutschland, seinem Land, fast jeder kennt: der Liebe zum Spiel, wie es die Deutschen interpretieren, der Treue zum Verein, der Wut auf den Gegner, der Sehnsucht nach dem Tor, dem Fußball als Obsession – vor allem für eine Gattung Mensch, die es in Spanien gar nicht gibt: dem Auswärts-Fan, der viel Geld und Zeit für das Gekicke seiner Stars im Ausland ausgibt und daraus sein Selbstwertgefühl bezieht. Hacke stellt einige davon vor (besonders „Chelsea-Andy“) – in einer Mischung aus Feuilleton und Reportage, die man von Anfang bis Ende gerne liest.

Axel Hacke saß oft vor dem Fernseher und war in vielen Stadien, er hat mit großen Spielern gesprochen und erinnert sich an legendäre Spiele, ja, er hat selbst Mannschaften aufgestellt wie den „Albtraum der Radioreporter“: Tskitishvili, Ogungbure, Grlic, Mbwando, Younga-Mouhani, Tsoumou-Madza, Schindzielorz, El-Akchaoui, Krzynowek,Djordjevic, Ouedraogo. Und jetzt hat er ein Fußballbuch geschrieben.

Axel Hacke, Fußballgefühle, Verlag Kunstmann, 16 Euro