“Freundliche Übernahme”: Banco de Venezuela verstaatlicht

Die Eigentümerin, die spanische Santander-Gruppe, solle jetzt mit der Regierung über eine "freundliche Übernahme" verhandeln, sagte Staatschef Hugo Chávez (Bild) am Donnerstag in einer Rundfunkansprache. 

Anstatt das Geldinstitut wie geplant an einen venezolanischen Bankier zu verkaufen, solle es lieber an den

Staat gehen. Santander bestätigte am Freitag Verhandlungen mit der linksgerichteten venezolanischen Regierung. Chávez hatte in der Vergangenheit bereits andere Unternehmen verstaatlicht.

"Wir werden die Banco de Venezuela zurückholen, um sie in den Dienst der Venezolaner zu stellen, wir brauchen eine Bank dieser Größe dringend", sagte Chávez in einer Ansprache, die im Fernsehen und im Radio übertragen wurde. 

Chávez führte aus, er wisse, dass die Santander-Gruppe, die 96 Prozent an dem Finanzinstitut hält, derzeit mit einem venezolanischen Bankier über den Verkauf verhandele. Er verfüge über eine Kopie einer  entsprechenden Vorvereinbarung. "Als Staatschef sage ich da: Nein. Verkauft es an die Regierung, den Staat", forderte Chávez.

Ein paar Stunden nach seiner Rede erklärte der Präsident, Gespräche mit Santander hätten bereits begonnen. Er hoffe, zu einem fairen Preis "schnellstmöglich eine freundliche Übernahme zu vereinbaren", um einen Konflikt zu vermeiden. Seit 2007 ordnete Chávez bereits die Verstaatlichung von Öl- und Stahlkonzernen sowie von Unternehmen in den Bereichen Telekommunikation, Elektrizität und Zement an.

Laut Chávez bekundete der Staat sein Interesse an der Banco de Venezuela, als er erfuhr, dass Santander zum Verkauf bereit sei. Die spanische Finanzgruppe habe aber entgegnet, die Banco de Venezuela sei nicht vollständig zu verkaufen. Gerüchten zufolge ist der Besitzer der Banco Occidental de Descuento (BOD), Víctor Vargas, an der Banco de Venezuela interessiert. Vargas‘ Schwager gehört dem spanischen Königshaus an. 

Die Gespräche haben schon begonnen

Santander bestätigte am Freitag Gespräche über einen Verkauf der Filiale. "Wir haben das Interesse der venezolanischen Regierung an der Banco de Venezuela zur Kenntnis genommen und befinden uns derzeit in Gesprächen darüber", erklärte die Bank in Madrid. 

In einem Bericht aus dem vergangenen Jahr hatte Santander auf ein "erhöhtes Risiko" hingewiesen, "dass die venezolanische Regierung verstaatlicht oder ansonsten in die Geschäfte der venezolanischen Tochter eingreift".

Der venezolanische Staat hatte die Banco de Venezuela 1994 in Folge der Finanzkrise übernommen, 1996 ersteigerte Santander sie für 351,5 Millionen Dollar. Heute wird der Wert des Bankhauses mit seinen mehr als 300 Filialen auf 891 Millionen Dollar (571 Millionen Euro) beziffert. Der Gewinn im vergangenen Jahr belief sich auf 325,3 Millionen Dollar.