Drama am K2: Spanischer Experte berichtet aus erster Hand

Die spanische Zeitung “El País” veröffentlichte jetzt die spannende Reportage über Zerain und wie er das tragische Unglück am K2 vom vergangenen Wochenende überlebt hat.

“Je länger ein Mensch den Gefahren des Gebirges ausgesetzt ist, desto gröβer wird das Unfallrisiko.” Diese einfache Regel sollte jeder Bergsteiger im Hinterkopf behalten. Sie erklärt, warum man nicht nur von reinem “Glück” sprechen kann, dass Alberto Zerain einer der gröβten Tragödien des Himalayas entgangen ist.

Der 47-Jährige hat annähernd die Kräfte eines Sherpa – seine Trainingsmethoden, die Bewertung seiner Herausforderungen, die Liebe zum Detail. All diese Eigenschaften erklären, warum sich Zerain zum Zeitpunkt der Lawine am “Flaschenhals” des K2 schon weit entfernt vom eigentlichen Brennpunkt aufgehalten hatte. 

Aufstieg ab Basislager 3 – und wo bleibt die Gruppe von Lager 4?

Der Bergsteiger aus dem baskischen Álava wartete auf gutes Wetter, um den Gipfel des K2 zu erklimmen. Sein Ausgangspunkt war nicht das Basislager 4 auf 8000 Metern Höhe, wo sich die andere Gruppe befand. Er wartete an Basislager 3 auf 7.350 Metern Höhe darauf, den Aufstieg zu wagen.

Um 22 Uhr am 31. Julio war es soweit. Gegen Mitternacht erreichte der Baske Basislager 4, wo er auf die übrigen Alpinisten stieβ, mit denen er sich gemeinsam den Weg zum “Flaschenhals” bahnen wollte. Anderthalb Stunden lang wartete der Experte, allerdings war niemand bereit, Zarain zu diesem Zeitpunkt zu begleiten.

Im Morgengrauen schlieβlich bahnte er den womöglich technischsten Pass auf dem Weg zum Gipfel des K2. Er legte die Seile fest und bahnte den Weg, den danach auch die anderen einschlagen würden.

Zarain: "Ich bahnte den Weg zum Gipfel des K2"

“Ich löste alle Probleme, die sich mir in den Weg gestellt haben”, beschrieb er “El País”. Er war alleine, keine Spur vom Sherpa, der ihn eigentlich begleiten sollte. Zwei Stunden später wartete der Baske nach wie vor auf die restliche Gruppe, ohne zu ahnen, dass ein serbischer Bergsteiger mittlerweile in eine Felsspalte gestürzt war.

Die übrigen Alpinisten, eine “Touristengruppe”, über die später gesagt wurde, sie sei nicht ausreichend vorbereitet gewesen, war gewarnt und überlegte, ob es sinnvoll sei, den Aufsteig fortzusetzen oder abzubrechen. Schlieβlich wollte man nicht aufgeben. Heute sind die meisten Teilnehmer tot.

Gegen drei Uhr nachmittags am 1. August erreichte Zarain den Gipfel des K2. “Ich genoss den Ausblick, aber ich musste ständig an die Leute unter mir denken”, erinnert er sich. 

Die Gruppe ist zu spät – Schicksal oder mangelnde Erfahrung? 

Wie auch auf dem Mount Everest gilt hier die Goldene Regel: Wer den Gipfel nicht in den Mittagsstunden erreicht, sollte vorzeitig wieder umkehren, um nicht in die Dunkelheit zu geraten.

Diejenigen, die nach Zerain die Spitze erreichten, waren zu spät dran. Kurze Zeit später löste sich ein gewaltiger Eisblock, der das feste Seil einfach “davon riss”. Die Alpinisten hatten praktisch keine Chance. 

"Viele wagten den Abstieg. Heute sind sie tot."

Alfredo García, Mitglied einer spanischen Expedition, die den K2 zum gleichen Zeitpunkt bestiegen hatte, berichtete von erschütternden Szenen: “Einige Teilnehmer wollten bis zum Morgegrauen abwarten. Andere litten unter schweren Erfrierungen. Viele wagten den Abstieg und stürzten in den Abgrund”.

In einem Telefongespräch teilte der spanische Bergsteiger die neuesten Zahlen mit: Zwölf Tote, vier Verschollene und ein Italiener mit schwersten Erfrierungen. 

Gefährlicher als der Mount Everest – die Magie des K2

Es handelt sich um das schwerste Unglück am K2 seit dem 13. August 1995. Damals starben sechs Menschen während eines Gewitters. Der K2 ist zwar “nur” der zweithöchste Gipfel der Welt, gilt allerdings als komplizierter zu bewältigen als das Dach der Welt, der Mount Everest. 

NEWS: Drama am K2: Mehrere Bergsteiger getötet