Die besten Universitäten in Europa: England, Frankreich und Spanien als attraktivste Ziele

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Nicht unterschätzen darf man, dass ein Auslandsstudium inzwischen schon fast Pflicht im Lebenslauf ist, vor allem bei Studierenden der Wirtschaftswissenschaften, aber natürlich auch bei Sprachstudenten. Diese beiden Fachbereiche stellen also die größte Kohorte an „outgoings“, wie die Studenten auf Auslandsmobilität genannte werden. Juristen und Naturwissenschaftler trauen sich nicht so häufig weg von ihrer Heimathochschule, wenngleich ein Auslandsaufenthalt hier zum echten Alleinstellungsmerkmal im Lebenslauf ist. Wer zaudert und zögert, ob er ins Ausland gehen sollte, wer kalkulierbare Veränderungen bevorzugt und nicht zuletzt, wer nicht unbegrenzt finanzielle Mittel zur Verfügung hat, entscheidet sich für einen Aufenthalt im europäischen Ausland.

Freemover vs. Programmstudierende 

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, einen Studienaufenthalt im Ausland zu planen: Man plant den Aufenthalt selbstständig als sogenannter Freemover oder man geht über ein Abkommen, das zwischen zwei oder mehreren Hochschulen geschlossen wurde als Programmstudierender. Das bekannteste intereuropäische Programm ist ERASMUS, das von der EU vor 25 Jahren ins Leben gerufen wurde und seither Millionen von europäischen Studenten eine Mobilität ermöglicht hat. Mit dem akademischen Jahr 2014/15 geht das ERASMUS-Programm in die neue Programmgeneration ERASMUS+ über, die Grundprinzipien bleiben aber die gleichen: Ein Student geht für ein Semester oder ein Jahr ins Ausland, erwirbt Studienleistungen an einer Hochschule, mit der seine Heimathochschule ein Abkommen geschlossen hat und importiert diese in sein heimisches Studium. Der Vorteil eines Auslandsaufenthalts über ein solches Programm liegt ganz klar in der Vereinfachung des Bewerbungsverfahrens, von der Anmeldung über die Kurswahl bis zur Anerkennung ist das System erprobt und man kann auf jahrelange Erfahrungswerte zurückgreifen. Außerdem wird man vor Ausreise von der Heimathochschule beraten und betreut und während des Aufenthalts von der Gasthochschule. Kurzum: Es kann gar nicht viel schief gehen. 
Wer sein komplettes Studium im Ausland verbringen möchte, mehrere Aufenthalte anstrebt, oder in eine Stadt möchte, mit der die Heimathochschule kein Abkommen hat, der kann sich als sogenannter Freemover bewerben. Nicht alle Hochschulen akzeptieren Freemover, das Bewerbungsverfahren ist etwas aufwendiger und vor allem müssen Studiengebühren bezahlt werden, sofern das Gastland solche erhebt. Das sind je nach Land und Hochschule in der Regel ein paar Hundert Euro pro Semester, im Falle von England aber auch bis zu 5.000 Britische Pfund pro Semester. 

Die beliebtesten Destinationen 

England ist das beliebteste Land für ein Auslandsstudium bei deutschen Studenten. Grund dafür ist wohl vor allem die flächendeckende Verbreitung der englischen Sprache. Die meisten Schüler belegen Englisch als erste Fremdsprache, auch im Alltag wird man öfter mit Englisch als mit anderen Fremdsprachen konfrontiert. Zwar bieten die meisten Hochschulen in allen europäischen Ländern Vorlesungen auf Englisch an, aber man fühlt sich doch wohler, wenn man neben der Unterrichtssprache auch die Landessprache halbwegs beherrscht. Unter den britischen Hochschulen rangieren die Universitäten Oxford und Cambridge ganz oben auf den Ranglisten, aber auch die Unis in Sheffield oder Aberdeen haben einen ausgezeichneten Ruf und sind daher präferierte Destinationen vieler Studenten. 
Nach Englisch werden an deutschen Schulen vor allem Französisch und Spanisch als Fremdsprachen angeboten, was Frankreich und Spanien als Studiendestinationen attraktiv macht. Aber neben der niedrigeren Sprachhürde genießen diese südeuropäischen Länder nach wie vor ein sehr gutes Image, was Lebensqualität und Lebenshaltungskosten angeht. Die Wahl des Studienortes wird oft auch nach touristischen Aspekten getroffen und damit schneiden
Frankreich und Spanien im Vergleich zu Ländern in Nord- oder Osteuropa eindeutig besser ab (wobei eine leichte Trendwende in Sicht zu sein scheint). In Frankreich sind als Universitäten von besonderem Ruf die Pariser Hochschulen Paris-Dauphine und Sorbonne zu nennen, aber auch die Universitäten in Strasbourg und Lyon genießen hohes Ansehen. In Spanien ist Madrid die beliebteste Destination. Die Hochschulen Carlos III de Madrid und Complutense sind in offiziellen Rankings ganz oben mit dabei, ebenso die Universität San Pablo CEU in Madrid. 

Exotenfaktor gewinnt 

Ein Auslandsstudium ist inzwischen in vielen Lebensläufen selbstverständlich. Und das zu Recht: Von 100 Studenten, die im Ausland waren, behaupten mindestens 90, es sei die beste Zeit ihres Lebens gewesen. Tatsächlich kann neben der akademischen Erfahrung die persönliche Weiterentwicklung kaum hoch genug eingeschätzt werden. Flexibilität, Mobilität, interkulturelle Kompetenz: Das sind nicht nur leere Worthülsen, sondern Soft Skills, die die Berufswelt einem tatsächlich abverlangt, man tut also gut daran, sich diese möglichst früh anzueignen. Wer jetzt meint, er kann nicht die geforderten Leistungen vorweisen, um an einer renommierten Hochschule wie Cambridge studieren zu können, dem sei geraten: Keine Panik, es gibt genügend Hochschulen, die noch weitestgehend unentdeckt von der breiten Masse der Bewerber sind und die dennoch bei Arbeitgebern einen ausgezeichneten Ruf genießen. Die deutschsprachige Andrassy Universität oder die Central European University (beide in Budapest) weisen ausgesprochen hohe Reputationen auf. Auch Krakau hat mit der Jagiellonian Universität einen Champion zu bieten, ebenso Prag mit der Karlsuniversität. Also nur Mut und auf ins Ausland!