Contador, Alonso, FC Barcelona: Wann platzt die Medaillen-Blase?

Für den jüngsten großen Triumph hatte Alberto Contador gesorgt, der zum dritten Mal die Tour de France gewann – es war bereits der fünfte spanische Sieg hintereinander. Im Sport erlebt Spanien somit den erfolgreichsten Juli seiner Geschichte.

Die Sportzeitung "As" krönte Contator zu "Alberto III. von Frankreich", und das Konkurrenzblatt "Marca" verglich den Madrilenen mit Spaniens größtem Radidol: "Contador, der neue Indurain."

Anfang Juli gewann Tennisstar Rafael Nadal sein zweites Wimbledon-Turnier und Golfer Miguel Angel Jiménez die Open de France. Am 11. Juli wurde Europameister Spanien erstmals auch Fußballweltmeister.

Spaniens Basketballer um NBA-Star Pau Gasol sind ebenfalls Europa- und Weltmeister, Clubs wie der FC Barcelona und Real Madrid zählen in gleich mehreren Sportarten zur Elite.

Spaniens Sportler, die nicht selten mit dem tragischen Helden Don Quijote verglichen wurden, haben ihre Komplexe abgelegt und fürchten keinen Rivalen mehr.

"Kein anderes Land hat so etwas bisher geschafft", sagt Sport-Staatssekretär Jaime Lissavetzky. "Dies sind keine Einzelfälle, wir können von einer ganzen Generation Champions sprechen."

Abgesehen vom Talent der Sportler selbst sieht der Sozialist das Erfolgsrezept darin, dass Spanien in den vergangenen 25 Jahren kräftig in die Förderung der Sportler und in Infrastrukturen investiert habe.

Die Frage ist bloß: Woher kam das Geld? Fakt ist: Spanien steht am Rande des Staatsbankrotts. Sich in dieser Situation seiner Investitionen in den Sport zu rühmen und Medaillen zu feiern, hat schon fast DDR-Qualität.

Die Kehrseite: Fußballclub Mallorca wurde – ebenfalls im Triumph-Monat Juli – von der Europa League ausgesondert, 60 Millionen Euro Schulden sind für den kleinen Club zu viel.

Selbst der FC Barcelona hat so viele Schulden wie noch nie in seiner Geschichte: 552 Millionen Euro, das gibt der Club selbst zu. Real Madrid soll noch tiefer in der Kreide stehen.

Das Fußballwunder Spaniens, aufbauend auf der Spielkultur der Katalanen und Reals – aufgebaut auf Pump.

Viele Experten fragen sich bereits: Wann platzt in Spanien nach der Immobilienblase auch die Sport-Blase?

Dass der 27-Jährige Contador mit dem Dopingskandal der Operación Puerto um den Arzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebracht wird, davon fiel in Spanien kein Wort.

Dass Fernando Alonso in der Formel 1 derzeit gewinnt, weil sein Rennstall Ferrari Vorfahrtsregeln missachtet – auch das in Ordnung. Gut ist, was Ruhm und Ehre bringt – egal, was andere darüber denken.

Nur Nadal scheint derzeit von den spanischen Juli-Helden wirklich sauber, sportlich wie finanziell. Ihn zwickt wenigstens nur das Knie. Den anderen wünschen wir auch sonst gute Besserung …  (SAZ, dpa; Foto: Marca)

BLOG "El Freunde": Ribery hat fertig! Oder: Die größte Geldvernichtungsaktion in der Geschichte des Fußballs