Mainz (ots) –

Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen und des Krieges in der angrenzenden Ukraine hat sich die Zahlungsmoral polnischer Unternehmen 2023 verbessert. In einer Umfrage des Kreditversicherers Coface zu Zahlungserfahrungen in Polen berichten nur noch 49 Prozent der befragten Firmen von verspäteten Zahlungen, während im Vorjahr noch 61 Prozent von Zahlungsverzug betroffen waren. Gleichzeitig bitten polnische Unternehmen früher zur Kasse, 2023 betrug die durchschnittliche Zahlungsfrist 42 Tage.

Kurze Zahlungsfristen dominieren weiter die polnische Unternehmenslandschaft, von den Befragten fordern 45 Prozent ihr Geld innerhalb von 30 Tagen. Im Vergleich zum Vorjahr werden die Kunden polnischer Firmen 4 Tage früher zu Kasse gebeten, die durchschnittliche Zahlungsfrist sank von 46 Tagen im Jahr 2022 auf 42 Tage im Jahr 2023. Mit den kürzesten Lieferantenkredit-Laufzeiten operieren Unternehmen der Pharmabranche (32 Tage) und des Einzelhandels (34 Tage). Auffällig ist, dass Unternehmen der Chemiebranche ihr Geld im Verhältnis zum Vorjahr deutlich früher einfordern. Hier ging die Zahlungsfrist von 73 Tagen im Jahr 2022 auf 45 Tage im Jahr 2023 und somit um 28 Tage zurück. Mit durchschnittlich 62 Tagen bietet die Metallindustrie nach wie vor die großzügigsten Zahlungsziele an. Die meisten Unternehmen in Polen gehen davon aus, dass sie ihre Zahlungsbedingungen in den kommenden Monaten nicht ändern werden.

Verbesserte Zahlungsdisziplin, aber nicht in allen Bereichen

Stark verbessert hat sich 2023 die Zahlungsdisziplin von Geschäftspartnern polnischer Firmen. Zwar geben noch immer 49,3 Prozent der Befragten an, Zahlungsverzögerungen erlebt zu haben. Jedoch ist dieser Wert eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur vorangegangenen Umfrage, bei der 2022 noch 61,2 Prozent von Zahlungsverzug berichteten. „Bei der Befragung im Jahr 2019, also vor Ausbruch der Corona-Pandemie, berichteten noch über 90 Prozent von Zahlungsverzögerungen. Die Zahlungsmoral ist aktuell also noch deutlich besser als vor Corona“, sagt Grzegorz Sielewicz, Coface-Volkswirt für Zentral- und Osteuropa. Zum Vergleich: In Deutschland berichteten zuletzt 76 Prozent, in Frankreich 82 Prozent und in China 83 Prozent der befragten Unternehmen von verspäteten Zahlungen. Auch die Dauer der durchschnittlichen Zahlungsverzögerungen ist rückläufig – sie ist um 3 Tage auf 49 Tage gesunken und hat sich damit dem Niveau von 2020 (48 Tage) angenähert. Dabei ist zu beachten, dass im Jahr 2020 noch pandemiebedingte Stützungsmaßnahmen die Unternehmen in ihrem Zahlungsverhalten unterstützten, während diese Hilfen 2023 schon lange ausgelaufen waren. Die längsten Zahlungsverzögerungen verzeichnen energieintensive Wirtschaftszweige wie die Papier- und Holzindustrie sowie die Metallbranche mit durchschnittlich 71 bzw. 69 Tagen Zahlungsverzug. Der Textil- und Bekleidungssektor sowie der Informations- und Kommunikationssektor meldeten ebenfalls längere Zahlungsverzögerungen. „Beide Wirtschaftszweige sind mit dem Rückgang des verfügbaren Einkommens der Verbraucher konfrontiert. Die Haushalte legen ihr Augenmerk hauptsächlich auf Ausgaben für den täglichen Bedarf und nicht auf langlebige Gebrauchsgüter“, sagt Grzegorz Sielewicz.

Über die Umfrage

Die achte Ausgabe der Coface-Studie zu Zahlungserfahrungen von Unternehmen in Polen wurde im Oktober 2023 durchgeführt, 341 Unternehmen nahmen an der Befragung teil. Zu diesem Zeitpunkt war die wirtschaftliche Situation angespannt – im ersten und zweiten Quartal 2023 verzeichnete Polen jeweils negative Wachstumsraten, im dritten Quartal stieg die Wirtschaftsleistung preis- und saisonbereinigt erstmals um 0,5 Prozent zum Vorquartal. Coface rechnet für 2023 mit einem BIP-Wachstum von 0,6 Prozent und prognostiziert für 2024 einen Anstieg um 2,8 Prozent.

Mehr Informationen und die komplette Studie zum Download: www.coface.de

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