Barcelona: Islamistische Attentate in letzter Sekunde vereitelt

Mehrere Razzien in Barcelona

Bei Razzien in Barcelona wurden am Samstag 14 Terrorverdächtige festgenommen, unter ihnen zwölf Pakistaner. Zudem fanden die Beamten Materialien zur Herstellung von Sprengstoffen und vier Zeitzünder, wie Spaniens Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba vor Journalisten in Madrid sagte.

Nach Angaben von Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero war der Einsatz Teil internationaler Ermittlungen gegen mutmaßliche Islamisten. Es sei möglich, dass noch weitere Verdächtige in Gewahrsam genommen würden.

Bei den Festgenommenen handele es sich um die Mitglieder einer Gruppe „radikaler Islamisten“ von „beträchtlichem Organisationsgrad“, sagte Rubalcaba. Außer zwölf Pakistanern wurden demnach zwei Inder bei den Razzien in fünf Häusern im zentralen Viertel Raval festgenommen, in dem zahlreiche Muslime wohnen. Anlass seien Informationen des spanischen Geheimdienstes CNI und internationaler Geheimdienste, denenzufolge auf spanischem Boden Anschläge geplant gewesen seien, „genau gesagt in Barcelona“, fügte der Minister hinzu.

Bei den Durchsuchungen wurden neben dem Material zur Sprengstoff-Herstellung Computer und Speichermedien beschlagnahmt, die noch analysiert wurden. Der private Rundfunksender Cadena Ser berichtete, einige der Festgenommenen gehörten einer Gruppe an, die bestimmte Zweige des Terrornetzwerks El Kaida finanziell unterstützen. Dies wurde offiziell nicht bestätigt.

Ebenfalls unklar war zunächst, ob die möglicherweise geplanten Anschläge mit dem geplanten Europa-Besuch des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf in Verbindung standen. Wie die spanische Zeitung „El País“ am Samstag berichtete, warnte der spanische Geheimdienst Frankreich, Portugal und Großbritannien vor möglichen Anschlägen. „Bewegliche“ Gruppen hauptsächlich pakistanischer Bürger bereiteten demnach Attentate vor. Diese bedrohten auch Spanien „unmittelbar“, berichtete das Blatt. Musharraf wollte bei seiner am Sonntag beginnenden Europareise Belgien, Frankreich, Großbritannien und das Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos besuchen.

Wird Barcelona zum spanischen Islamistenunterschlupf?

Spaniens Regierungschef Zapatero äußerte sich zufrieden über den Fahndungserfolg in Barcelona. Nun sei es wichtig, die Tragweite der Absichten der mutmaßlichen Islamistengruppe zu unteruchen, sagte er im portugiesischen Braga. Der Einsatz war nicht der erste gegen mutmaßliche Islamisten in Barcelona: 2007 hatten die Behörden in der katalanischen Hauptstadt ein Netzwerk aufgedeckt, das islamistische Gruppierungen in Nordafrika und im Irak finanziell und durch die Ausbildung von Kämpfern unterstützte. Damals wurden 15 Verdächtige festgenommen.

Seit den Terroranschlägen auf vier Pendlerzüge in Madrid, bei denen vor fast vier Jahren 191 Menschen starben, hat es in Spanien immer wieder Festnahmen von Terrorverdächtigen gegeben. In dem Prozess um die Anschläge vom 11. März 2004 wurden 21 Angeklagte verurteilt, drei von ihnen zu Haftstrafen von rund 40.000 Jahren. Gegen die Urteile legten Opfer und Staatsanwalt Widerspruch ein.