Auslandssemester: Spanien ist beliebtestes Ziel für Erasmus-Studis

Wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung berichtet, zog es im vergangenen Jahr rund 36.000 Studierende aus Deutschland ins Ausland, gefördert vom Erasmus-Programm – eine Steigerung von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kamen mehr als 4.000 Hochschulmitarbeiter, die ein Erasmus-Stipendium nutzten, beispielsweise um im Ausland zu lehren. Dies bedeutet gegenüber 2003 sogar eine Steigerung von acht Prozent!

Das am meisten gewählte Zielland ist dabei kein anderes als Spanien – das beliebteste Urlaubsland der Deutschen scheint also auch in puncto Forschung und Lehre ganz vorn bei den Studis zu liegen. 5.339 Erasmus-geförderte Studierende verbrachten 2014 ein Semester an einer spanischen Hochschule. Im Beliebtheitsranking folgen weitere EU-Länder: 4.877 gingen nach Frankreich und 3.140 zog es an Universitäten nach Großbritannien. Interessant auch: die deutsche Hochschule mit den meisten geförderten Studenten ist die Technische Universität München, mit über 1.000 Geförderten.

Das Erasmus-Programm 

Erasmus ist ein Förderprogramm der EU, das Studenten durch Stipendien ermöglicht, einen Auslandsaufenthalt während des Studiums zu erleben. Der Name steht für “European community action scheme for the mobility of university students”, ist zugleich aber auch eine Würdigung des Erasmus von Rotterdam, einem Gelehrten der Renaissance-Zeit. Dieser kam während seiner Bildungskarriere in Europa ganz schön herum: Als gebürtiger Niederländer studierte, lehrte und wirkte er unter anderem in Paris, Cambridge, Turin und Basel. Daher ist Erasmus von Rotterdam sicherlich ein passender Namenspatron für ein Programm, das jungen Europäern ermöglicht, während der Studiumszeit ihren Horizont zu erweitern und ein anderes Land kennenzulernen.

Kernstück des Programms ist sicherlich die finanzielle Unterstützung von Studenten für ein oder mehrere Auslandssemester – darüber hinaus werden aber auch Auslandspraktika sowie Fortbildungen und Lehraufenthalte im Ausland von wissenschaftlichen Mitarbeitern der Universitäten unterstützt. Die Vereinbarungen des Erasmus-Programms bilden außerdem die Grundlage dafür, dass Leistungen, die an ausländischen Hochschulen erbracht wurden, in der Heimat anerkannt werden – dafür gibt es auch das System der ECTS-Punkte (European Credit Transfer and Accumulation System).

Gründe für Erasmus in Spanien

Die Beliebtheit von Spanien als Ziel junger Erasmus-Studenten ist leicht zu erklären. Zum einen ist da natürlich der Faktor, dass Spanien ein herausragendes Urlaubsland ist – Studenten sind sicherlich auch nur Menschen, und die Perspektive, in einem wunderschönen, sonnigen Land Südeuropas ein halbes Jahr zu verbringen, ist sicherlich für viele verlockender, als im (natürlich ebenfalls schönen) Island zu frieren. Auch die Sprache spielt jedoch eine große Rolle: Spanisch wird als zweite oder dritte Fremdsprache an deutschen Schulen immer beliebter, und auch für Studenten ist es äußerst reizvoll, die Spanischkenntnisse im Auslandssemester gehörig zu verbessern.

Das Studium in Spanien hat den Ruf, im Vergleich zu Deutschland eher Theorie-bezogen und wenig flexibel zu sein. Dafür berichten viele Studis, dass man hier auch sehr viel Wissen aus den Kursen mitnimmt und weniger drumherum geredet wird. Was für Spanien spricht: Die Lebenshaltungskosten sind hier geringer als in Deutschland. Am günstigsten kommt man weg, wenn man sich in einem Studentenwohnheim einquartiert. WGs sind in Spanien weniger verbreitet, hier wohnt man meistens eher mit anderen Ausländern zusammen als mit Einheimischen.

Welche Stadt fürs Auslandssemester?

Wer sich für ein Semester in Spanien interessiert, hat natürlich die Qual der Wahl zwischen vielen reizvollen Städten mit noch mehr möglichen Universitäten. Extrem populär ist dabei natürlich Barcelona, was vor allem dem Ruf der Stadt als aufregende Metropole mit einmaligem Nachtleben und viel Kultur geschuldet ist. In Barcelona stehen zudem gleich zwei große staatliche Unis zur Auswahl: Die Universidad de Barcelona sowie die Universidad Autónoma de Bacelona , die etwas außerhalb liegt. Bevor man sich hier bewirbt, sollte man jedoch bedenken, dass die Stadt in Katalonien liegt – so muss man damit rechnen, dass auch Vorlesungen und Seminare an den Universitäten auf katalanisch gehalten werden – gerade, wenn man spanische Sprache noch nicht perfekt beherrscht, eine große Herausforderung. 

Eine andere Stadt, die selbstverständlich viele Austauschstudenten anzieht, ist die Hauptstadt Madrid. Hier finden sich ebenfalls zwei große Universitäten – die Universidad Autónoma de Madrid sowie die Universidad Complutense de Madrid. Ähnlich wie in Barcelona erwarten einen in Madrid natürlich auch zahlreiche Clubs, Bars, Museen und Sehenswürdigkeiten, sodass das Studieren schnell mal zur Nebensache werden kann. Die größte Erasmusuniversität Europas befindet sich allerdings in einer anderen Stadt: Nämlich in Granada, im Süden des Landes. Hierher kommen jedes Jahr fast 2.000 europäische Studenten. Die Stadt ist ein klassisches Urlaubsziel, wo sowohl der Strand als auch das nächste Skigebiet ganz in der Nähe sind – dies könnte einer der Gründe für die Popularität der Stadt als Erasmus-Ziel sein. Zudem lebt und wohnt es sich hier günstiger als in den Millionenmetropolen Barcelona und Madrid.

Zuletzt noch ein kleiner Trost für alle Nichtstudenten unter den Lesern, die nun Fernweh bekommen haben: Um die schönen Städte Spaniens zu erleben und in ihre Kultur und ihr Nachtleben einzutauchen, muss man kein Student sein – auch für Urlauber ist ein Trip auf die Iberische Halbinsel immer ein lohnenswertes Erlebnis. Auf Byebye.de finden Sie einen Überblick über die schönsten Reiseziele des Landes. Wir wünschen allen Erasmus-Studenten und allen “Normalsterblichen” auf alle Fälle eine schöne Zeit in Spanien!