Armut in Spanien: Banken werden gerettet, Kinder nicht! “EU will weitere Reformen”

Nach einem Bericht der Hilfsorganisation Save the Children leben in dem Land 2,8 Millionen Minderjährige in Familien, in denen es an Geld für eine gesunde Ernährung, für Schulbücher oder Kleidung fehlt. Dies entspreche einem Anteil von 33,8 Prozent der Kinder in Spanien, heißt es in der am Mittwoch in Madrid veröffentlichten Studie.

«Der Mangel an staatlichen Mitteln für den Schutz von Kindern hat verheerende Folgen», sagte Alberto Soteras, Direktor von Save the Children in Spanien. In Spanien gebe der Staat – gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes – für soziale Zwecke weniger Geld aus als die meisten anderen EU-Länder. Die Lebensbedingungen der Minderjährigen hätten sich in letzter Zeit verschlechtert.

In etwa 25 Prozent der Familien bekämen die Kinder nicht täglich Obst oder Gemüse zu essen, in 20 Prozent verfügten sie nur über je ein Paar Schuhe. In Anspielung auf das staatliche Milliardenprogramm zur Rettung maroder Banken startete die Organisation eine Hilfskampagne mit dem Bild eines Jungen, der ein Schild trägt mit der Aufschrift: «Und wer rettet mich?»

Unterdessen hat die Europäische Union Spanien zu weiteren Reformen aufgefordert. Madrid solle sein Haushaltsdefizit weiter reduzieren und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit intensivieren, heißt es im Abschlussbericht der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) zur internationalen Hilfsaktion für spanische Banken.

Das Hilfsprogramm war in der vorigen Woche offiziell ausgelaufen. Die EU hatte Spanien Kredite in Höhe von 100 Milliarden Euro zur Sanierung maroder Banken angeboten. Davon nahm Madrid 41 Milliarden Euro in Anspruch. In dem am Mittwoch in Brüssel veröffentlichten Abschlussbericht bescheinigten die Geldgeber Spanien, bei der Sanierung des Finanzsystems große Fortschritte erzielt zu haben. Zugleich appellierten sie an Madrid, den Bankensektor auch weiterhin genau zu überwachen.