Alicante (ots) –

– Nur 1 von 10 kleinen Unternehmen in der EU ist Inhaber von Rechten des geistigen Eigentums
– Schwierigkeiten bei der Eintragung und mangelnde Kenntnisse gehören zu den Haupthindernissen

Die Ausgabe 2022 des KMU-Barometer zum Thema geistiges Eigentum (https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/web/observatory/sme-scoreboard), einer großangelegten EU-weiten Erhebung, die heute vom Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) über die Europäische Beobachtungsstelle für Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums veröffentlicht wurde, zeigt, dass nur 10 % der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der EU Inhaber eingetragener Rechte ihres geistigen Eigentums sind. Dazu gehören nationale und europäische Marken, Geschmacksmuster und Patente.

Die neue Erhebung zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der kleinen und mittelständischen Unternehmen in der EU möglicherweise nicht weiß, wie sie ihre geistigen Vermögenswerte am besten nutzen und schützen können oder wo sie Hilfe bei der Entwicklung ihrer Strategien im Bereich des geistigen Eigentums finden können.

Warum die Eintragung von Rechten des geistigen Eigentums wichtig ist

Dennoch zeigt das KMU-Barometer 2022 auch, dass fast alle (93 %) KMU, die auf den Schutz ihres geistigen Eigentums geachtet haben, sehr positive Auswirkungen auf ihr Unternehmen verzeichneten.

KMU führten dabei ein besseres Image des Unternehmens (60 %), einen besseren Schutz des geistigen Eigentums (58 %) und bessere langfristige Geschäftsaussichten (48 %) aufgrund der Eintragung ihrer Rechte an. Wirtschaftsstudien zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen der Inhaberschaft von Rechten des geistigen Eigentums und der Wirtschaftsleistung, der für KMU besonders ausgeprägt ist. Diejenigen, die Inhaber von Rechten des geistigen Eigentums sind, erzielen 68 % mehr Einnahmen pro Mitarbeiter als KMU ohne solche Rechte.

Die Daten aus dem KMU-Barometer bestätigen die positive Wirkung der Eintragung. Darüber hinaus gibt ein Drittel der KMU (36 %), die Inhaber von Rechten des geistigen Eigentums sind, an, dass sie durch ihre eingetragenen Rechte des geistigen Eigentums einen finanziellen Gewinn erzielt haben.

Betrachtet man die Gründe für die Nicht-Eintragung, so geben KMU als Hauptgrund an, dass sie keine zusätzlichen Vorteile aus der Eintragung von Rechten des geistigen Eigentums sehen (35 %). Als weitere Gründe werden genannt: die Ansicht, ihr geistiges Eigentum sei nicht innovativ genug für die Eintragung (20 %), unzureichendes Wissen (19 %) oder die Voraussetzungen für eine Eintragung seien nicht erfüllt worden (19 %).

Was die häufigsten Gründe für eine Eintragung betrifft, sind KMU der Ansicht, dass Rechte des geistigen Eigentums dazu beitragen, Nachahmungen zu verhindern (66 %), gefolgt von einer Steigerung des Werts und des Images ihres Unternehmens (65 %) und der Gewährleistung einer besseren Rechtssicherheit für sie (63 %). Die Hälfte der KMU sieht auch eine wirksame Durchsetzung als Grund für die Eintragung an.

Der Exekutivdirektor des EUIPO, Christian Archambeau, erklärte dazu:

Gemeinsam mit der EU und der Gemeinschaft für geistiges Eigentum können wir weiterhin erste Anlaufstelle für KMU sein, die sich in der Welt des geistigen Eigentums zurechtfinden müssen. Eine Möglichkeit, dies zu tun, besteht darin, dafür zu sorgen, dass sich KMU der Vorteile bewusst sind, die der Schutz ihrer Innovation und Kreativität mit sich bringt. Wir arbeiten auch eng mit unseren Partnern zusammen, um finanzielle Unterstützung und Beratung anzubieten, damit jedes KMU, das geistiges Eigentum schafft, welches vor Verletzungen geschützt werden muss, dies so einfach und kostengünstig wie möglich tun kann.

Verletzung von Rechten des geistigen Eigentums

Die Studie befasst sich auch mit Rechtsverletzungen und dem Umgang von KMU mit diesem Problem. Von den KMU, die Inhaber eines eingetragenen Rechts des geistigen Eigentums sind, haben 15 % eine Verletzung ihrer Rechte des geistigen Eigentums erfahren, am häufigsten in Bezug auf ihre Marken, was zu Umsatz- und Reputationsverlusten führte. 9 von 10 dieser KMU haben Maßnahmen zur Durchsetzung ihrer Rechte des geistigen Eigentums ergriffen, insbesondere im Wege direkter Verhandlungen.

Im Allgemeinen sind 85 % der KMU, die Inhaber eingetragener Rechte des geistigen Eigentums sind, auf spezifische Maßnahmen angewiesen, um potenzielle Verletzungen ihrer Rechte des geistigen Eigentums zu ermitteln. Sie stützen sich hauptsächlich auf Kundenrückmeldungen, beiläufige Informationen oder eine systematische Überwachung.

Unterstützung für KMU

KMU (https://single-market-economy.ec.europa.eu/smes_en) machen 99 % aller Unternehmen in der EU aus. Sie beschäftigen rund 100 Millionen Menschen und erwirtschaften über die Hälfte des europäischen BIP. Obwohl sie stark von der COVID-19-Pandemie betroffen sind, spielen sie in allen Wirtschaftszweigen eine Schlüsselrolle und sind für die Förderung von Innovationen von entscheidender Bedeutung.

Das EUIPO hat zusammen mit der Europäischen Kommission und den nationalen und regionalen Ämtern für geistiges Eigentum der EU eine Reihe von Initiativen (https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/online-services/ideas-powered-for-business) zur Unterstützung von KMU in der EU im Bereich des geistigen Eigentums auf den Weg gebracht.

Der KMU-Fonds (https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/online-services/sme-fund), der im Zuge der Pandemie eingerichtet wurde und noch läuft, ist ein Finanzhilfeprogramm, das KMU finanzielle Unterstützung für Marken-, Geschmacksmuster- und Patentanmeldungen sowie für eine personalisierte Unterstützung zu geistigem Eigentum („IP Scan“) bietet. Fast 30 000 Unternehmen in der EU haben seit Beginn dieser Initiative im Januar 2021 davon profitiert.

HINWEIS FÜR DIE REDAKTION

Das KMU-Barometer 2022 zum Thema geistiges Eigentum (https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/web/observatory/sme-scoreboard) ist eine der wichtigsten Studien des EUIPO, die von der Europäischen Beobachtungsstelle für Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums entwickelt wurde, die in diesem Jahr ihr 10-jähriges Bestehen (https://euipo.europa.eu/ohimportal/en/web/observatory/news/-/action/view/9466566) beim EUIPO feiert.

2016 und 2019 veröffentlichte die Beobachtungsstelle die ersten beiden Ausgaben des KMU-Barometers zu geistigem Eigentum, um zu untersuchen, wie und warum KMU Rechte des geistigen Eigentums nutzen bzw. nicht nutzen. Die Datenerhebung für das KMU-Barometer mit Daten von 8 372 KMU in den 27 EU-Mitgliedstaaten fand zwischen März und Mai 2022 statt. Die neue Studie liefert Informationen, die die Umsetzung der KMU-Strategie für ein nachhaltiges und digitales Europa (https://digital-skills-jobs.europa.eu/en/actions/european-initiatives/sme-strategy-sustainable-and-digital-europe) der Europäischen Kommission und des Aktionsplans für geistiges Eigentum (https://single-market-economy.ec.europa.eu/industry/strategy/intellectual-property/ip-and-smes_en) unterstützen.

In den letzten zehn Jahren hat die Beobachtungsstelle Nachweise für die Auswirkungen des geistigen Eigentums vorgelegt und sich zur zentralen Anlaufstelle für das Verständnis des geistigen Eigentums entwickelt. Sie hat mehr als 110 Studien (https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/web/observatory/observatory-publications) veröffentlicht, die ein breites Spektrum an Themen im Zusammenhang mit geistigem Eigentum abdecken, wie den wirtschaftlichen Beitrag und den Wert von Rechten des geistigen Eigentums, den durch Verletzungen verursachten Schaden sowie die Einstellung gegenüber geistigem Eigentum und dessen Wahrnehmung bei EU-Bürgern und KMU.

ÜBER DAS EUIPO

Das EUIPO (https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/) ist eine der größten dezentralen Agenturen der EU mit Sitz in Alicante, Spanien. Das EUIPO wurde in 4 der letzten 5 Jahre als innovativstes Amt für geistiges Eigentum der Welt (https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/web/guest/-/the-euipo-ranked-most-innovative-ip-office-in-the-world?inheritRedirect=true&redirect=https%3A%2F%2Feuipo.europa.eu%2Fohimportal%2Fen%2Fweb%2Fguest%2Fsearch%3Fp_p_id%3Dcom_liferay_portal_search_web_portlet_SearchPortlet%26p_p_lifecycle%3D0%26p_p_state%3Dnormal%26p_p_mode%3Dview%26_com_liferay_portal_search_web_portlet_SearchPortlet_keywords%3D9123582) eingestuft und ist für die Eintragung von Unionsmarken (UM) (https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/trade-marks) und eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmustern (GGM) (https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/designs) zuständig, die den Schutz von Rechten des geistigen Eigentums in allen EU-Mitgliedstaaten gewährleisten. Außerdem arbeitet es mit den nationalen und regionalen Ämtern für geistiges Eigentum der EU zusammen und leitet die Europäische Beobachtungsstelle für Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums. Das EUIPO betreibt auch die Website „Ideas Powered for Business“ (https://business.ideaspowered.eu/) und den KMU-Fonds (https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/online-services/sme-fund), um europäische KMU im Bereich des geistigen Eigentums zu unterstützen.

Die Europäische Beobachtungsstelle für Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums (https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/web/observatory/home) wurde 2009 eingerichtet, um den Schutz und die Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums zu fördern und der wachsenden Bedrohung durch Verletzungen des geistigen Eigentums in Europa zu begegnen. Die Beobachtungsstelle ging am 5. Juni 2012 durch die Verordnung (EU) Nr. 386/2012 (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX%3A32012R0386) des Europäischen Parlaments und des Rates in die Zuständigkeit des EUIPO über.

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Quelle: ots