Wie mächtig ist Familie Franco? Die Hochzeit der Urenkelin

Am Freitag fand die Trauung wie angekündigt, ausgerechnet in der Kapelle des “Pazo de Meirás” (Bild) in Sada in Galizien statt. 

Das festungsähnliche Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert und diente einst als Sommerresidenz des spanischen Diktators.

Die Landesregierung Galizien bemüht sich bereits seit geraumer Zeit, das Monument zum Gut von kulturhistorischem Interesse zu deklarieren, eine Unterfangen, das bisher unter den Nachfahren Francos auf Granit stieß.

Familie Franco sieht es offenbar nicht ein, das Gebäude zu einem frei zugänglichen Monument für die spanische Bevölkerung freizugeben und kämpfte jetzt vor Gericht um das “Eigentum der Familie Franco”.

Gegner rufen: "Provokation der Familie Franco"

Ausgerechnet hier fand am Freitag die Hochzeit der Urenkelin statt, was bei vielen spanischen Bürgern als “Provokation” der Nachfahren des Diktators ausgelegt wird.

Proteste durften erwartet werden. So fand sich pünktlich um 17.30 Uhr ein als Franco verkleideter Schauspieler vor dem Gebäude ein und parodierte die eigentliche Hochzeit auf offener Straβe, um aufzuzeigen, wie die Familie Franco bis heute ihre Macht ausspiele.

Während im Inneren des “Pazo de Meirás” die Trauung von Leticia Giménez-Arnau Martínez-Bordiu mit ihrem amerikanischen Verlobten stattfand, wachte vor den Türen ein gewaltiges Aufgebot an Polizisten nebst privaten Sicherheitsleuten, die selbst die 300 geladenen Gäste nur mit Passkontrolle passieren lieβen. 

Tortilla, Fleischtaschen und Tintenfisch für alle

Parallel zur Hochzeit wurden vor dem Eingang Tortilla-Häppchen, galizische Empanada und Tintenfisch à la Gallega unter dem Publikum verteilt. Jeder, der kommen wollte, war herzlich zur “Parallel-Hochzeit” mit zwei weiteren Schauspielern eingeladen.

Die friedliche Demonstration in Form einer Parodie wurde von den meisten Bewohnern des Städtchens Saga mit Humor und Neugierde aufgenommen. 

Derweile gab es aber auch Stimmen diverser Pensionäre aus dem Senioren-Freizeitheim der Stadt, die verlauten lieβen, “Wer erinnert sich denn schon an Franco? Warum muss man denn jetzt alles dran setzen, um an die alten Zeiten wieder zu erinnern?”

Familie Franco hat das Nachsehen

Das Verfahren zur Deklaration als Kulturgut von nationalem Interesse hat derweil grünes Licht bekommen und wird demnächst eingeleitet. Dann können auch Touristen das Gebäude besichtigen. Familie Franco wird zur Nutzung des “Pazos” eine Genehmigung von der autonomen Regierung einholen müssen.

Weiter lesen:

NEWS: Almodóvar verfilmt die Geschichte eines Franco-Opfers

NEWS: Capa-Fotos aus dem Spanischen Bürgerkrieg entdeckt

NEWS: Jetzt enthüllt: Franco arbeitete an der Atombombe

NEWS: Zu "altbacken": Doch kein Text für spanische Nationalhymne

NEWS: "Das wollen wir nicht singen!" Streit um spanische Hymne

NEWS: Endlich Gerechtigkeit? Gesetz zu Franco-Opfern soll kommen

NEWS: Stolz oder Schande? 498 "Märtyrer" selig gesprochen

NEWS: Franco-Symbole sollen in Spanien verschwinden