Weihnachten 2010: Sara, Lukas, David – aber wer heißt Jesus?

In Spanien und Portugal ist Jesus ein Allerweltsname. Das Jesuskind liegt aber nicht in deutschen Kinderbetten. Da heißen die Kleinen David, Lukas und Alexander – aber eben nicht Jesus.

Auch Eltern, die ihren Kindern christliche Namen geben, lassen diesen einen meist außen vor. Gerade einmal 390 Menschen namens Jesus lebten 1998 in Deutschland, wie eine Arbeit an der Universität Leipzig ergab.

Ganz anders in den südlichen Ländern Europas: Warum also die Scheu der Deutschen? Experten nennen verschiedene Gründe.

Hürden gab es einst schon in den Standesämtern. Jahrelang durften sie die Eintragung des Namens Jesus ablehnen. Das war 1985 vom Landgericht Mönchengladbach so entschieden worden – weil der Name religiöse Gefühle verletzen könne.

Erst 1998 verwies das Oberlandesgericht Frankfurt am Main auf das Namensgebungsrecht, das Eltern grundsätzlich die freie Wahl überlässt. Zudem sei Jesus ein weltweit gebräuchlicher Vorname, bei dem keine Hänseleien für den Namensträger zu befürchten sind.

Seitdem gilt also: Wer sein Kind Jesus nennen will, kann das in Deutschland ohne juristische Einwände tun. Trotzdem ist der Name nach Angaben der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in den letzten zwölf Jahren nur viermal vergeben worden.

Zum Vergleich: Der Name Joschua – eine Variante von Jesus – ist in unterschiedlicher Schreibweise allein im Jahr 2009 rund 300 mal vergeben worden. Die GfdS in Wiesbaden erfasst jährlich Daten von rund 200 Standesämtern. Eine amtliche Vornamensstatistik gibt es in Deutschland nicht.

Joschua hat aber etwas mit David, Lukas, Julia oder Sarah gemeinsam. "Viele der aktuell modernen Vornamen sind religiösen Ursprungs", schreibt der Psychologe Udo Rudolph von der TU Chemnitz in einer Veröffentlichung von 2007. Dass sich der Name Jesus eines Tages in diese Liste einreiht, ist dennoch unwahrscheinlich.

Bei Joschua oder Julia denkt man vielleicht nicht gleich an die Bibel. Eine solche Verbindung zum Christentum wäre bei vielen Eltern auch nicht gewünscht, wie der Leipziger Namensforscher Jürgen Udolph erläutert.

"Die Menschen im Süden Europas haben dagegen ein unverkrampfteres Verhältnis zum Christentum", sagt der Professor, bei dem die Magisterarbeit zur Verbreitung von Namen entstanden ist. Die wenigen Menschen namens Jesus in Deutschland seien Zuwanderer oder deren Kinder. "Dafür spricht auch die Ballung des Namens in Gebieten mit hoher Zuwanderung, etwa im Ruhrgebiet", erklärt Udolph.

Jesus kommt aus dem Hebräischen und heißt so viel wie Retter oder Helfernatur. Aber natürlich habe nicht jeder Jesus auch diese Eigenschaften, sagt Udolph.

"Ich glaube nicht an die psychologische Auswirkung von Namen auf Kinder, dazu gibt es zu viele Gegenbeispiele." Wenn deutsche Eltern in Einzelfällen ihr Kind dann doch Jesus nennen, hat das nach Überzeugung des Wissenschaftlers einen ganz anderen Grund: "Deutsche Eltern suchen die Vornamen ihrer Kinder eher nach Klang und weniger nach Bedeutung aus."(SAZ, dpa; Foto: Flickr)

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