Kelkheim (ots) –

Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen hat einen neuen Höchststand erreicht, berichtet das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors. Im Berichtszeitraum 1. Oktober 2021 bis 30. September 2022 des neuen Weltverfolgungsindex 2023 wurden mindestens 5.621 Christen wegen ihres Glaubens ermordet. Das sind über 80 % mehr als vor fünf Jahren (3.066). Besonders in Nigeria (Rang 6) und anderen Ländern Subsahara-Afrikas hat die Gewalt gegen sie erheblich zugenommen. Aus Nigeria wurden 4.726 Entführungen gemeldet, im Vorjahr waren mindestens 2.510 Christen betroffen. Außerdem verschärfen zunehmender Autoritarismus sowie ideologischer Nationalismus die Verfolgung und Diskriminierung, von der Christen in 76 Ländern in hohem Maß betroffen sind.

30 Jahre Weltverfolgungsindex – Dokumentation von Unterdrückung und Gewalt, aber auch Hoffnung

Der Weltverfolgungsindex (WVI) von Open Doors erscheint dieses Jahr zum 30. Mal. Seit 1993 zeigt er die Verfolgung und Diskriminierung von Christen in den 50 Ländern auf, in denen es für sie am gefährlichsten ist, ihren Glauben zu leben und zu bekennen. Christen werden getötet oder inhaftiert, von Behörden schikaniert und systematisch benachteiligt, verprügelt, entführt, sexuell missbraucht, zwangsverheiratet oder gezwungen, ihre Heimat und ihr Land zu verlassen.

„Der 30. Weltverfolgungsindex in Reihe belegt die starke Zunahme von Christenverfolgung weltweit“, sagt Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland. „Es ist besonders für die betroffenen Christen wichtig, dass gegen sie begangenes Unrecht dokumentiert wird und sie nicht ungehört bleiben. Gleichzeitig erhalten sie Trost durch Gebet und materielle Unterstützung, weil Christen weltweit anhand des Index beten. Weil sie gehört und gesehen werden, schöpfen verfolgte Christen – in allem Leid – Hoffnung aus der weltweiten Berichterstattung. Open Doors macht damit Verfolgung sichtbar und belegbar und gibt verfolgten Christen eine Stimme.“

Die zehn gefährlichsten Christenverfolgerstaaten – Nordkorea zurück auf Rang 1

Nachdem die Taliban ab August 2021 zahlreiche Christen wegen ihres Glaubens ermordet und Tausende in die Flucht getrieben hatten, nahm Afghanistan auf dem WVI 2022 erstmals Rang 1 ein. Die Situation für Christen im Land ist weiterhin extrem gefährlich. Bei der Recherche für den WVI 2023 war jedoch meist nicht erkennbar, ob die Taliban Menschen aufgrund ethnischer Zugehörigkeit oder Zusammenarbeit mit westlichen Streitkräften und NGOs ermordeten, oder weil sie Christen waren. Eindeutige Belege für Verfolgung wegen des Glaubens lagen oft nicht vor. Deshalb blieb die Zahl der dokumentierten Gewaltakte gering, entsprechend niedriger fiel auch die Punktzahl im WVI aus. Dort steht Afghanistan aktuell auf Rang 9. Nordkorea (zurück auf #1) erreicht mit 98 Punkten ein Allzeittief; seit Einführung des neuen „Gesetzes gegen reaktionäres Gedankengut“ wurden mehr Hauskirchen entdeckt und Christen verhaftet. Auf den Rängen 2 bis 10 folgen Somalia, Jemen, Eritrea, Libyen, Nigeria, Pakistan, Iran, Afghanistan und der Sudan. Dort setzt die Militärregierung seit dem Putsch im Oktober 2021 Kirchen wieder stark unter Druck.

Autoritarismus in China und weiteren Ländern will völlige Kontrolle der Kirchen

Autokratische Regime wie China (#16) setzen auf völlige Kontrolle alles kirchlichen Lebens, das sie durch strenge Gesetze und ideologischen Nationalismus ersticken wollen. Ein Gesetz vom März 2022 gestattet nur noch lizenzierten und damit systemkonformen Kirchen und NGOs, religiöse Inhalte im Internet zu verbreiten. Damit sind die seit der Pandemie verstärkt durchgeführten Onlinegottesdienste oft nicht mehr erlaubt, genauso wenig wie das Onlineangebot christlicher Lehrmaterialien. Zuwiderhandlungen werden mit hohen Haftstrafen geahndet. China war erneut das Land, in dem die meisten Kirchen und kirchlichen Einrichtungen zerstört oder geschlossen wurden. Viele Christen treffen sich in Kleingruppen, um der Überwachung zu entgehen.

In Indien (#11) sind Christen durch Anti-Bekehrungs-Gesetze in mittlerweile 11 Bundesstaaten willkürlichen Verhaftungen ausgesetzt, bis zu 10 Jahre Haft sind möglich. Sogar ein landesweites Gesetz ist geplant. Im aktuellen Berichtszeitraum wurden mehr als 1.700 Christen ohne Gerichtsverfahren inhaftiert, oft im Umfeld von Angriffen auf Tausende von Christen durch extremistische Hindus. Diese wurden jedoch meist nicht bestraft.

Der zunehmende Autoritarismus von Regierungen in einigen lateinamerikanischen Ländern – zusammen mit einer immer feindseligeren Haltung gegenüber Kirchen und dem christlichen Glauben – befördert Nicaragua (#50) zum ersten Mal auf den Weltverfolgungsindex. Aber auch in Kolumbien (#22), Mexiko (#38) und Kuba (#27) hat sich die Situation für Christen deutlich verschlechtert. Kirchenleiter werden unter Druck gesetzt und verhaftet, die Überwachung verstärkt, Registrierungen und Genehmigungen verweigert, Gebäude beschlagnahmt.

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