Von wegen Schweigeminuten: Protest gegen ETA – und Zapatero

Nur die Kundgebung vor dem Madrider Rathaus wurde schon nach kurzer Zeit von Zwischenrufern sus der rechten Fraktion gestört, die den Rücktritt der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero forderten. Sie warfen Zapatero vor, zu lange an Friedensverhandlungen mit der baskischen Untergrundbewegung festgehalten zu haben. Einige gingen so weit, zu behaupten, er habe die Schuld am ETA-Attentat in Frankreich. 

Den Höhepunkt der Beschuldigungen bildete eine Menschentraube älterer Personen, die die vorbeiziehenden sozialistischen Politiker als „Hurensöhne“, „Mörder“ und „Schwuchteln“ beschimpften. 

Mutmaßliche ETA-Aktivisten hatten am Samstag einen Beamten der spanischen Guardia-Civil bei einem Einsatz in Südfrankreich getötet, ein weiterer wurde lebensgefährlich verletzt. Bereits am Sonntag hatten sich tausende Menschen an landesweiten Protesten gegen die ETA beteiligt. Für Dienstag riefen mehrere Parteien zu einer weiteren gemeinsamen Kundgebung in Madrid auf.

Der spanische Antiterror-Richter Baltasar Garzón zeigte sich von den Morden nicht überrascht. Die ETA mache zurzeit eine schwere Phase durch und werde gerade deshalb bei jeder sich bietenden Gelegenheit töten, um sich die „Illusion der Macht“ zu geben, sagte Garzón am Montag der Zeitung „El País“. 

Am Freitag hatte das spanische Antiterror-Gericht Haftbefehle gegen 46 mutmaßliche Mitglieder der baskischen Untergrundbewegung erlassen, die am Montag zum Großteil vollstreckt waren.