Nach der Ankunft in Valencia bewahrheiten sich bereits die ersten Gerüchte, die man über dieses Fest der Superlative gehört hat. Menschenmassen sind auf den Straßen unterwegs, und an die Geräuschkulisse muss man sich erst einmal gewöhnen, zumindest als Tourist. 

Während die Spanier unbeirrt durch die Stadt gehen, zuckt der lärmempfindliche Besucher bei jedem Böller zusammen, und davon gibt es viele! Egal ob jung oder alt, alle sind im Falla-Fieber und lassen es ordentlich krachen.

Ab 13. März gibt es täglich Stierkämpfe der Spitzenklasse zu sehen. Doch das ist eigentlich noch nicht das Wesentliche des Festes. Die imposanten, bis zu zwanzig Meter hohen Fallas–Figuren selbst sind die Hauptakteure des Festes. Sie werden am 15. März vollständig aufgestellt.

Ob schräg lachend, grimmig dreinschauend oder einfach nur lustig, die bunten Riesen sind herrlich anzuschauen. Jede dieser Figuren verkörpert ein bestimmtes Thema, das auf kritische oder satirische Art und Weise dargestellt wird. Die größte dieser Fallas steht auf dem Rathausplatz und ragt über die Besuchermassen hinweg.

Mit dem Fotoapparat oder der Kamera bewaffnet zieht man durch die Straßen und legt viele Kilometer zurück, mit dem Ehrgeiz, so viele Figuren wie möglich zu sehen. Doch die Umsetzung erweist sich als sehr anstrengend. Dass es unmöglich ist, alle rund 400 Fallagruppen an einem Tag zu besichtigen, kann man sich denken, aber selbst alle prämierten Gebilde zu besuchen ist schwierig. 

Zu Fuß unterwegs sind die Entfernungen mitunter enorm, um von einem Ende der Stadt zum anderen zu gelangen. Es gibt außerdem so viele Dinge nebenher zu sehen, dass man hier und dort gerne etwas länger verweilt. Valencia ist an sich schon eine schöne und sehr sehenswerte Stadt, die durch das Fest um einiges bereichert wird. 

Die Mascleta – Höhepunkt in Flammen

Einer der Höhepunkte ist die so genannte "Mascleta“, ein Böllerkonzert auf dem Rathausplatz – sie gibt es schon ab 1. März, immer um 14 Uhr. Was für eingefleischte Fans Musik ist, kann man als Neuling nur als ohrenbetäubenden Lärm beschreiben. Obwohl es nur etwa fünf Minuten dauert, scheinen die donnernden Schläge unendlich und vor allem unendlich laut. Mit tosendem Beifall geht die Vorführung zu Ende.

Doch die Feier hat auch eine ruhigere, andächtige Seite: die Blumengabe, der religiöse Höhepunkt der Fallas. In einer Prozession laufen die Falla-Vereinigungen zur Plaza de Virgen. Die Frauen ziehen in atemberaubend schönen Kleidern durch die Straßen und überbringen der Schutzheiligen zahllose Blumengebinde. 

An einer Holzstatue wird der Jungfrau ein Kleid aus verschiedenfarbigen Nelken gesteckt, und davor werden große Gebinde abgelegt. Bei dem Anblick des duftenden und farbenprächtigen Blütenmeeres sind die Böllerschüsse schnell vergessen. Unzählige Menschen wollen an der von Blumen übersäten Statue vorbeilaufen und das Kunstwerk bestaunen.

Am Abend des letzten Falla-Tages rückt die Stunde des Feuers immer näher. Für die nötige Stimmung sorgt ein imposanter Feuerumzug. Verkleidete Menschen auf Stelzen schwingen bedrohlich große Feuerfontänen und tanzen wild an den Zuschauern vorbei. Ein großes Feuerwerk sorgt dafür, dass auch der letzte Besucher komplett in Rauch eingehüllt wird. 

Allmählich bewegt sich die Menschenmenge nun in Richtung Fallas, die bald den Flammentod sterben werden. Um 20 Uhr werden zunächst die kleinen Kinderfallas verbrannt, die schon große Flammen in den Nachthimmel werfen. Zwei Stunden später folgt die Verbrennung der großen Figuren, und dann liegt alles in Schutt und Asche.

Ein Jahr voller Arbeit ist in Flammen aufgegangen. Schon jetzt werden wieder Pläne für das Fest im nächsten Jahr geschmiedet. Ein lautes, aber auch unvergessliches Erlebnis nähert sich dem Ende. Für diejenigen, die noch genug Energie haben, gibt es natürlich Partys bis in die frühen Morgenstunden.