Tschad-Affaire: Spanier und Belgier endlich frei

Ein Flugzeug der spanischen Regierung stand am Freitagnachmittag in der Hauptstadt N´Djamena bereit, um die beiden Piloten und den Flugbegleiter aus Spanien in ihre Heimat zu bringen, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP aus der Hauptstadt berichtete. Der 75-jährige Belgier, der seit dem Vortag im Krankenhaus behandelt wurde, sollte am Samstag ausgeflogen werden, erklärte das belgische Verteidigungsministerium.

Ein tschadischer Untersuchungsrichter ordnete die Freilassung der vier Europäer an, nachdem am Sonntag vergangener Woche schon drei französische Reporter und vier spanische Flugbegleiterinnen freigekommen waren. Der spanische Regierungschef José Luis Zapatero dankte dem Tschad für die gute Behandlung seiner Landsleute und drückte Staatschef Idriss Déby Itno seine „Achtung vor der tschadischen Justiz“ aus, wie ein Regierungssprecher sagte.

Nach der Freilassung der Spanier und des belgischen Piloten sind nun noch sechs Franzosen und vier Einheimische im Tschad inhaftiert. Den Franzosen wirft das zentralafrikanische Land vor, sie hätten 103 Kinder entführen wollen; die Tschader sind wegen Mittäterschaft angeklagt. Der Leiter der umstrittenen französischen Hilfsorganisation Arche de Zoé, Eric Breteau, hatte am Donnerstag in seiner Gefangenschaft ausgesagt, die europäischen Festgenommenen hätten nichts mit der geplanten Aktion seiner Organisation zu tun gehabt.

Der belgische Pilot Jacques Wilmart war am Donnerstag in das Krankenhaus eines französischen Militärstützpunktes eingeliefert worden. Während es zunächst hieß, er habe einen Herzinfarkt erlitten, sagte sein Sohn Patrick Wilmart am Freitag, sein Vater habe einen Schwächeanfall gehabt. Der 75-Jährige habe nicht genügend geschlafen und gegessen, und die Haft strenge ihn an. Wilmart hatte in den vergangenen Wochen im Auftrag der Arche de Zoé etliche Kinder aus dem Grenzgebiet zwischen dem Tschad und dem Sudan in die tschadische Stadt Abéché gebracht. Deshalb wurde er als Mittäter angeklagt.

In der osttschadischen Stadt Abéché hatte Arche de Zoé ein spanisches Flugzeug gechartert, um die Kinder nach eigenen Angaben „vor dem Tod zu bewahren“ und nach Frankreich zu bringen. Als die tschadische Polizei die eigenmächtig geplante „Rettung“ der Kinder in letzter Minute verhinderte, nahm sie auch die spanische Besatzung der Boeing fest. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) teilte mit, dass mittlerweile von nahezu allen Kindern bekannt sei, woher sie kämen. Nur von vier der 103 Kinder sei nicht klar, zu wem sie gehören; sie seien zu klein, um sich auszudrücken, sagte eine UNICEF-Sprecherin in Genf. Die Kinder sind derzeit in einem Krankenhaus in Abéché untergebracht. Bis alle zurück bei ihren Angehören seien, werde es noch einige Wochen dauern.

Die im Sudan tätigen internationalen Hilfsorganisationen verurteilten das Vorhaben der französischen Gruppe in einer gemeinsamen Erklärung. Sämtliche Hilfsorganisationen würden bei ihrer Arbeit darauf achten, sich an „humanitäre Grundsätze, internationale Abmachungen und die Menschenrechte“ zu halten.