Tragödie in Madrid: Das bange Warten der Angehörigen

Stundenlang müssen sie warten, bis die Regierung am Abend offiziell die neueste aktuelle Zahl von 153 Toten nennt. Doch bis dahin hatten die meisten die Hoffnung sowieso schon verloren. 

172 Menschen waren insgesamt an Bord, als die Spanair-Maschine kurz nach dem Start zur Urlauberinsel Gran Canaria wegen eines brennenden Triebwerks notlanden musste, dabei über die Rollbahn hinausschoss und in Flammen aufging.

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Fundbüro wird zum Krisenzentrum umfunktioniert

Schon kurz nach der Unglück treffen die ersten Angehörigen der Passagiere auf dem Flughafen Madrid-Barajas ein. Angestellte der Verwaltung Aena nehmen sie in Empfang, bringen sie in das zum Krisenzentrum umfunktionierte Fundbüro des modernen Terminal 4. 

Je später die Angehörigen eintreffen, desto geringer ist ihre Hoffnung. Manchmal zu Unrecht: "Du bist erst einmal am Boden zerstört, Du weißt nur, er war in der Maschine, Du weißt nicht, ob es ihm gut geht, ob er eine der verkohlten Leichen ist – Du fühlst Dich so machtlos", berichtet Ricardo den Medien – sichtlich erleichtert: Wie sich herausstellte, gehört sein Schwager zu den Überlebenden. 

"Überall lagen verkohlte Leichen"

Auf der Piste, neben blockierten Flugzeugen, stehen Dutzende Krankenwagen – und auch ein paar Leichenwagen. "Das war hart, als wir hier eintrafen. Wir haben geholfen, so gut wir konnten", erzählt Miguel Angel Sanchez, der Chef der ersten Feuerwehrleute, die vor Ort eintrafen. Ein anderer Retter berichtet dem spanischen Sender CNN+ von Dutzenden Leichen, die er gesehen habe: "Sie waren alle verkohlt". 

Zweiter Geburtstag: Ein junges Paar verpasste den Flug um drei Minuten

Die Tragödie ist in Worten nicht fassbar. Tatsächlich hielt aber auch sie ein "kleines Wunder" bereit, wie ein junges Paar völlig emotionsgeladen dem spanischen Sender TVE berichtete. "Wir hatten zwar eingecheckt, kamen aber drei Minuten zu spät und wurden nicht mehr mitgenommen", berichtete der junge Mann namens Hector. Er konnte es selbst kaum fassen: "Das ist mein zweiter Geburtstag". 

Auch ein anderer Mann hatte Glück: Er sei in letzter Minute am Schalter angekommen, erzählte der Mann namens Rafael spanischen Medien. Dort sei ihm gesagt worden, auf dem Spanair-Flug mit der Nummer 5022 gebe es wegen Überbuchung keinen Platz mehr. 

Zunächst habe das Personal einen Platz in der ersten Klasse angeboten, dann aber festgestellt, dass auch dort alles besetzt war. Als einzige Möglichkeit sei ihm geblieben, auf einen anderen Flug zu warten. 

Während der Wartezeit habe sein besorgter Bruder ihn angerufen und ihm von der Katastrophe berichtet. "Es war schwer zu glauben, weil man auf dem Flugafen nichts davon mitbekommen hat", sagte Rafael.

"Das Warten ist das Schlimmste"

Auf dem Flughafen von Las Palmas, wo der Flug JK5022 landen sollte, warteten hunderte weitere Angehörige unterdessen auf eine Verbindung nach Madrid. Laut dem Roten Kreuz dürfen jeweils zwei Familienmitglieder in einer Sondermaschine mitfliegen. 

Psychologen stehen bereit, um den Anderen das schwierige Warten zu erleichtern. Ihnen stehen mehrere Räume zur Verfügung. "Hier haben sie Ruhe", sagt einer der Koordinatoren, Juan Antonio Carujo, dem Sender Cadena Ser. "Hier können sie über ihre Gefühle reden, ihre Angst und ihren Schmerz herauslassen". Diese Ängste, sagt Carujo, werden durch die Ungewissheit nur noch größer.