Tourismus zieht Spaniens Wirtschaft – trotzdem kein Jubel

Dennoch brechen die Hoteliers, Restaurantbesitzer oder Andenkenverkäufer nicht in Jubel aus.

Zum einen erkauften sie den Zustrom mit erheblichen Preisnachlässen und Sonderrabatten. "Es fehlt uns nicht an Gästen, aber es kommt weniger Geld in die Kassen als in früheren Jahren", sagte Joan Antoni Padró vom Hotelier-Verband an der Costa Dorada der Zeitung El País.

Die Zimmerpreise der spanischen Hotels liegen im Durchschnitt ein Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Branche leidet auch noch unter dem schlechten Start der Reisesaison. Daher liegt die Gesamtzahl der Touristen in den ersten sieben Monaten des Jahres noch 0,4 Prozent unterhalb des Vorjahreswerts.

Vor einem Jahr hatte der Tourismus in Spanien den schlimmsten Einbruch in seiner Geschichte erlebt. Die Urlauberzahl ging um 8,7 Prozent auf 52 Millionen und damit den Stand von 2003 zurück.

Die Spanier waren es bis dahin gewohnt gewesen, dass die Touristenzahlen Jahr für Jahr auf neue Rekordwerte stiegen. Zeitweise war Spanien hinter Frankreich sogar zum zweitwichtigsten Reiseland der Welt aufgestiegen. Den zweiten Platz musste das Land mittlerweile an die USA abtreten.

Auch dieses Jahr begann alles andere als vielversprechend. Im März hielten Schnee und Frost viele Urlauber von Spanien-Besuchen ab. Danach brachte die Vulkanasche aus Island den europäischen Flugverkehr durcheinander. Für August drohten die spanischen Fluglotsen mit einem Streik, der dann aber abgewendet werden konnte.

Allerdings weist die Branche einige strukturellen Schwächen auf. "Wir haben ein Überangebot an Hotelzimmern", sagt José Luis Zoreda, Vizepräsident der Tourismus-Lobby Exceltur. "Trotz der Krise öffneten seit Jahresbeginn etwa 100 neue Herbergen ihre Tore. Das drückt auf die Preise."

Zudem halten Experten die Formel "Sol y Playa" (Sonne und Strand) für überholt. Reine Badeferien werden in Ländern wie der Türkei oder Kroatien längst zu Preisen angeboten, mit denen Spanien kaum konkurrieren kann. Mit der Überwindung der Monokultur des Badetourismus tun die Spanier sich jedoch schwer. Nur vereinzelt gelingt es, mit verbesserten Angeboten von Kultur und Kongressen mehr zahlungskräftige Urlauber ins Land zu locken. (SAZ, dpa; Foto: dpa)

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