Schon zum Auftakt verlor der Spanier auf seine Herausforderer, angeführt von Andy Schleck, mehr als eine Minute. Der Luxemburger gab seinem Rivalen nach dessen Fehlstart gleich noch einen mit. „Auch schon vor dem Sturz schien Alberto nicht auf der Höhe des Geschehens zu sein“, sagte Schleck am Abend im gemeinsamen Hotel „Aloé“, in dem die extra mitgereisten Team-Köche von Saxo-Bank und Leopard-Trek um die Wette kochten.

Contador war zusammen mit 45 Fahrern gestürzt, nachdem sein früherer Team-Kollege Maxim Iglinskiy eine Zuschauerin touchiert und einen Sturz im Domino-Effekt ausgelöst hatte. Der Spanier analysierte sein Missgeschick schnörkellos: „Dieser Rückstand gegen die direkten Konkurrenten wird schwer aufzuholen sein“.

Die Dame, die den Unfall auslöste, trug im Übrigen ein wallendes Kleid in der Tour-Farbe und wurde vom Fachblatt L’Équipe am Sonntag in einem Artikel als „Dame in Gelb“ bedacht.

Der Start des Spaniers beim wichtigsten Radrennen der Welt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Wegen eines positiven Dopingbefunds bei der Tour 2010 ist beim Internationalen Sportgerichtshof CAS ein Verfahren anhängig. Sollten die Richter den Madrilenen nach der finalen Tour-Etappe in Paris schuldig sprechen, verlöre dieser alle seine Titel ab Juli 2010 – auch den möglichen vierten Triumph bei der diesjährigen Tour.

Bei seinem ersten Auftritt bekam Contador am Donnerstag bereits einen Vorgeschmack auf die drei Tour-Wochen, als er kaum sportliche, dafür aber viele Doping-Fragen zu beantworten hatte. „Ich habe das ganze Jahr mit diesen Diskussionen zu tun, aber ich werde mich auf das Rennen konzentrieren und mich nicht durch diesen Druck von außen aus der Ruhe bringen lassen“, kündigte er an.

Zu einer möglichen CAS-Verurteilung sagte der Spanier: „Wenn sie mir den Sieg abnehmen, wäre das komplett lächerlich. Ich bin der am meisten getestete Fahrer und habe trotzdem fast jedes Rennen gewonnen.“

Doch auch die Fans zweifeln an Contador. Bei der Präsentation der 22 Mannschaften im Vergnügungspark Le Puy du Fou wurde er von den rund 3.000 Zuschauern gnadenlos ausgepfiffen. Contador war sichtlich entsetzt und verweigerte anschließend jeden Kommentar.