Toter Saramago muss nachzahlen: Spanien fordert 718.000 Euro

Nach dem Tod des portugiesischen Literatur-Nobelpreisträgers José Saramago müssen dessen Erben sich mit einem Steuerstreit auseinandersetzen.

Das spanische Finanzamt fordert von der Familie knapp 718.000 Euro nach. Der Autor, der die letzten 17 Jahre auf der Kanaren-Insel Lanzarote lebte, hatte von 1997 bis 2000 seine Steuern in Portugal gezahlt. Er sei jedoch spanischer Steuerbürger, sagt der Fiskus in Madrid, und bittet die Familie für diesen Zeitraum zur Kasse.

Der Streit ist inzwischen ein Fall für die Justiz. Die Erben zogen in Spanien vor Gericht – und unterlagen in zwei Instanzen. Nun riefen sie den Obersten Gerichtshof des Landes an.

Die Familie beharrt darauf, dass der Schriftsteller trotz seines Wohnsitzes auf Lanzarote portugiesischer Steuerbürger gewesen sei. Dafür spreche, dass seine Stiftung in Lissabon sitze. Die spanischen Finanzbehörden argumentieren dagegen, dass Saramago auf Lanzarote gemeldet war und ein Großteil seiner Einnahmen aus Spanien stammten.

Der Kommunist Saramago (Das Memorial) war aus Protest gegen die damalige konservative Regierung Portugals 1993 nach Lanzarote gezogen. Dort lebte er mit seiner spanischen Frau, der Übersetzerin Pilar del Río. Er starb am 18. Juni im Alter von 87 Jahren. (dpa, SAZ; Foto: Wikipedia)

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