Tine Wittler: Zufrieden mit den Rundungen! “Ich bin kein Häufchen Elend!”

Die Moderatorin (‘Einsatz in vier Wänden’) ist bekannt für ihre runde Figur und sieht sich deswegen teilweise fiesen Anfeindungen ausgesetzt. Sie versteht nicht, warum das Thema so wichtig in unserer Gesellschaft ist, erklärte sie im Interview mit ‘morgenpost.de’: “Ich werde immer noch ständig gefragt, wie ich es schaffe, trotzdem so selbstbewusst zu sein. Mittlerweile frage ich zurück: Warum denn trotzdem? Ich weiß, wie sie es meinen, und der Ansatz ist sicher ehrenwert, aber dieses Trotzdem ist der Kern des Problems. Als müsste ich eigentlich ein Häufchen Elend sein. Es geht immer um die Figur – wenn über mich geschrieben wird, dass ich erfolgreich bin, dann heißt es, ich sei dick im Geschäft, wenn ich verliebt bin, bin ich schwer verliebt, und immer so weiter.”

Ihre Erfahrungen schrieb Wittler in dem Buch ‘Wer schön sein will, muss reisen’ nieder, das am 23. Februar im Handel erscheint. Schon in ihrer Schulzeit kämpfte die Gewinnerin des deutschen Fernsehpreises gegen Vorurteile und lernte sich zu behaupten: “Ich glaube, ich habe schon damals viel daraus gelernt, anders zu sein. Dass Menschen mit Ablehnung reagieren, weil sie sich abgrenzen müssen und sich selbst in Schubladen packen – dass sie aber durchaus bereit sind, ihre Schubladen wieder zu verlassen.”

Wegen der Themen Schönheit und Schönheitsideale reiste die TV-Frau vor kurzem nach Mauretanien, wo ein ganz anderen Ideal als bei uns herrscht. Dort gelten dicke Frauen als schön, was dazu führt, dass Mädchen gemästet werden, um eine gute Heiratspartie zu machen. Tine Wittler nahm sogar an einer Gavage, einer Zwangsfütterung, teil, bei der die Mädchen gezwungen werden, plus normaler Mahlzeiten acht Liter Kamelmilch am Tag zu trinken. Weigern sie sich, werden ihnen Schmerzen zugefügt, wie Westfälin erklärte: “Die Gaveuse benutzt Holzzangen, mit denen sie die Gliedmaßen quetscht. Wenn die Mädchen sich übergeben müssen, drückt sie zu und unterdrückt mit dem Schmerz den Brechreiz. Aber die traditionelle Gavage ist teuer, die Eltern zahlen um die 18 Euro am Tag in einem Land, in dem es kaum Nahrung gibt. Und dann kommen die Medikamente ins Spiel, Tabletten so groß wie mein kleiner Finger, die eigentlich zum Mästen von Kamelen bestimmt sind.”

Aus den Umständen, die für unseren europäischen Geschmack kaum vorstellbar sind, lernte Tine Wittler etwas: “Es sind Zeit und Raum, die vorschreiben, was schön ist. Außerdem Menschen, die Schönheit in Zahlen messen, Größe, Alter, Gewicht.”