Streik und Demos in Spanien: Gewerkschaft macht sich lächerlich

In Madrid gingen nach Gewerkschaftsangaben trotz Regens rund 75.000 Menschen auf die Straße. Die Polizei gab die Zahl der Demonstranten mit lediglich 8.000 an.

Auch in anderen Städten des Landes gingen Menschen auf die Straße.

Die Generalsekretäre der Gewerkschaften UGT und CCOO, Cándido Méndez und Ignacio Fernández, warnten die Regierung, ein angedrohter Generalstreik werde "massiv" sein.

Ihr Problem: Außer ihnen selbst (wenn überhaupt) glaubt das in Spanien keiner.

Ein 24-stündiger Streik im öffentlichen Dienst wurde am Dienstag nur von einem Teil der rund 2,7 Millionen Staatsdiener befolgt. Nach Angaben der Gewerkschaften lag die Beteiligung bei 75 Prozent, laut der Regierung dagegen bei etwa zwölf Prozent.

Fakt ist: So gut wie niemand bemerkte überhaupt, dass gestreikt wurde – Spanien funktionierte wie normal.

Es war der erste Streik im öffentlichen Dienst in Spanien seit 14 Jahren. Das befürchtete Chaos blieb aus. Busse und Bahnen fuhren weitgehend normal, und auch im Flugverkehr wurden keine größeren Verspätungen gemeldet. Um Engpässe zu vermeiden, hatte die Regierung die Beamten zu Mindestdiensten verpflichtet.

Die Gewerkschaften räumten ein, dass der Streik in den Schulen und in den Krankenhäusern nur geringe Auswirkungen gehabt habe. Dennoch sei der erste größere Ausstand gegen die seit sechs Jahren regierenden Sozialisten ein Erfolg gewesen.

Er sei zudem eine klare Botschaft an Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, seinen Kurs zu ändern. "Wir werden nicht stoppen, bis die Einschnitte rückgängig gemacht werden", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft UGT.

Landesweit gingen zudem Tausende Menschen aus Protest gegen Zapatero auf die Straße. In Barcelona errichteten Demonstranten Straßenbarrikaden mit brennenden Reifen.

Im Kampf gegen die Schuldenkrise hat die Regierung unter anderem beschlossen, die Gehälter der rund 2,7 Millionen Beamten und Beschäftigten des öffentlichen Dienstes von Juni an um durchschnittlich fünf Prozent zu kürzen und im nächsten Jahr einzufrieren.

Damit sollen bis 2011 rund 4,5 Milliarden Euro eingespart werden. Auch für Rentner gilt im nächsten Jahr eine Nullrunde. Bis 2013 muss Spanien seine enorme Neuverschuldung von zuletzt 11,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf den zulässigen Höchstwert von 3,0 Prozent drücken.

Der Streik galt auch als eine Generalprobe für den seit Wochen von den Gewerkschaften angedrohten Generalstreik sowie als Kraftprobe im Ringen um eine Arbeitsmarktreform.

Sollte es bei den Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern keine Einigung geben, will die Regierung die Reform am 16. Juni im Alleingang beschließen. (dpa, SAZ)

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