Stierkämpfer José Tomás: “Lieber tot in der Arena als im Auto”

José Tomás verzaubert die Massen auf der ganzen Welt. Der 33-Jährige Spanier schaffte es auf die Titelseite des Wall Street Journal, seine beiden Auftritte am 5. Und 15. Juni in Madrid 2009 waren mit je 24.000 Eintrittskarten monatelang ausverkauft. Für eine Karte auf dem Schwarzmarkt wurden mehr als 3.000 Euro geboten.

Tritt Tomás in Barcelona auf, redet die ganze Stadt von nichts anderem. Nur die katalanischen Parlamentarier wollen dann noch die Corrida verbieten – das Volk will den Kampf sehen.

Viele „Taurinos“, wie die Anhänger des Stierkampfes in Spanien heißen, halten den Mann aus Galapagar aber auch für einen Aufschneider, für einen schlechten Stilisten obendrein: Ständig wird José Tomás vom Stier auf die Hörner genommen, ständig riskiert er Kopf und Kragen.

Jetzt erwischte ihn ein Stier in Mexiko am Oberschenkel, Tomás verlor sechs Liter Blut, musste in die Intensivstation.

In Jerez stach ihm der Stier vor einem Jahr in den Hals, Tomás blutete stark, tötete den Stier, wankte zum Lazarett und ließ sich operieren. Die Menge tobte.

Konkurrenten wie Enrique Ponce hassen ihn dafür. Bis zu José Tomás galt es als Zeichen schlechter Technik, sich in der Arena schmutzig zu machen. Das kam den meisten Toreros entgegen: Ponce spult seine Auftritte Woche für Woche routiniert herunter, sehr elegant zwar – aber auch bisweilen grottenlangweilig. Der Stierkampf versank allmählich im Glanz seiner eigenen Vergangenheit. Stars wie Ponce beherrschten zwar die Klatschspalten – aber eben die der rosaroten Herz- und Schmerzpresse (siehe Bild unten).

José Tomás rockt dagegen bei seinen wenigen Kämpfen das Haus – oder bringt es ehrfuchrtsvoll zum Schweigen, „je nachdem, wie es der Respekt vor dem Stier gebietet“, sagt Tomás. Die Fans zählen seine Wunden, er selbst gibt Sätze von sich wie: „Ich gehe nicht in die Arena um zu sterben. Aber ich sterbe lieber in der Arena als bei einem Autounfall.“

Zudem ist er extrem selbstbewusst, ein richtiger Rebell: Statt die Ochsentour durch die spanischen Fiestas zu machen, ging er bettelarm als Jugendlicher nach Mexiko, um Torero zu werden. Statt später die allmächtigen Veranstalter zu hofieren, verhandelte er seine Fernsehrechte selbst. Er ließ sogar schon Stiere leben, weil er sie nicht töten wollte, Strafen von 18.000 schreckten ihn nicht ab. Das alles machte ihn zum bestbezahlten Torero aller Zeiten, heute kassiert Tomás rund 400.000 Euro pro Kampf.

Dass der privat sehr schüchterne Star auch Krisen kennt, macht ihn nur beliebter. Nach starken Selbstzweifeln zog er sich 2002 vom Stierkampf zurück, erst 2007 feierte eine triumphale Rückkehr – ausgerechnet in Barcelona, dessen linker Stadtrat die Stadt zuvor zur stierkampffreien Zone erklären wollte. Auch dafür lieben ihn die Fans – seine Gegner protestierten mit blutrot bemalten Händen.

Auch hier erwies sich Tomás, der wohl wie kein Zweiter über seine Kunst nachdenkt, als Meister seines Fachs: „Ja“, sagte er, „es fließt Blut beim Stierkampf, das des Stieres, und das des Menschen. Aber es steckt viel Wahrheit im Kampf. Der Stier stirbt einen glanzvollen Tod in der Arena. Natürlich gibt es auch viele Dinge beim Stierkampf, die unschön sind, da mögen die Gegner recht haben. Da muss man sie respektieren. Aber Beleidigungen will ich nicht hören, die kann man nie respektieren.“

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