Stierkampf: Messi oder José Tomás? “Schlachthäuser töten mehr Stiere als die Matadore”

Sie werden gezüchtet, damit sie dem Torero einen spektakulären Kampf liefern. Aber viele Kampfstiere sterben nicht mehr in der Arena, sondern im Schlachthaus. Tausende Tiere erhielten in Spanien in den vergangenen Monaten den Todesstoß nicht von einem Torero, sondern wurden wie normale Mastrinder in Schlachthöfen getötet.

Der Grund: In Spanien werden immer weniger Stierkämpfe veranstaltet. Der Superstar der Branche, José Tomás, wird in dieser Saison nur vier Kämpfe austragen. Das wäre so, als würde Lionel Messi nur die Finalspiele des FC Barcelona austragen – und alle Partien davor einen Ersatzmann aufs Feld schicken.

Die Züchter finden kaum noch Abnehmer für ihre Stiere und wissen sich häufig nicht anders zu helfen, als die Tiere in die Schlachterei zu bringen. «Ich sehe keine Zukunft mehr, sondern nur noch Ruin», beklagte der Züchter Mariano Cifuentes. Er ließ seinen gesamten Bestand von 566 Stieren schlachten. «Die Arbeit und die Illusionen von 30 Jahren wurden in weniger als 24 Stunden zunichtegemacht», sagte er der Zeitung «El Mundo».

Die Zahl der Stierkämpfe ist in Spanien in den vergangenen fünf Jahren um fast die Hälfte auf weniger als 1200 pro Jahr zurückgegangen. Die «Fiesta», in der manche Spanier ein nationales Symbol sehen, steckt in ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten.

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Die großen Arenen in Hochburgen wie Madrid, Sevilla oder Pamplona sind weniger hart von den Rückgängen betroffen. Besonders trifft es die unzähligen kleinen Stierkampfarenen in der Provinz. Dort wurden die Kämpfe, die normalerweise im Rahmen von Stadt- und Dorffesten stattfinden, bisher von den Kommunen finanziert. Aber in Zeiten der Wirtschaftskrise müssen die Gemeinden eisern sparen und haben kein Geld mehr für Stierkämpfe.

Allerdings ist die Krise keineswegs die einzige Ursache für den Niedergang der Fiesta. Sie beschleunigt nur einen Trend, der sich schon vorher abgezeichnet hat. Das Interesse der Spanier an Stierkämpfen ist schon seit Jahren rückläufig. Die Besucher sind überwiegend ältere Leute. Mehr als vier Fünftel der jungen Spanier wollen von Stierkämpfen nichts wissen – sie schauen lieber Fußball, den es in Spanien mittlerweile rund um die Uhr zu sehen gibt.

Experten beklagen auch, dass die Qualität der Kämpfe abgenommen und die Branche den Niedergang zum Teil mitverschuldet habe. Die Stiere wurden überzüchtet, damit sie beeindruckend aussehen, aber die Tiere knicken wegen ihres Gewichts zuweilen mit den Beinen ein. «Die Fiesta begeistert nicht mehr, weil die Stiere nicht die notwendigen Voraussetzungen für einen Kampf mitbringen», sagte der Ex-Parlamentarier Juan Antonio Arévalo, ein Anhänger des Stierkampfs der alten Schule, der Zeitung «El País». «Andere Spektakel wie die Oper behaupten sich besser, weil sie auf Qualität setzen.»

In Katalonien im Nordosten Spaniens sind Stierkämpfe seit Anfang dieses Jahres verboten. Die Kanarischen Inseln hatten einen solchen Beschluss bereits in den 90er Jahren gefasst. Die Verbote waren jedoch eher symbolischer Natur, weil in beiden Regionen ohnehin kaum Kämpfe veranstaltet wurden. «Weder die Anti-Stierkampf-Beschlüsse einzelner Regionen noch die Proteste von Tierschützern werden der Fiesta den Todesstoß versetzen», meint der Kolumnist José Luis Barceló. «Dies wird allein die Wirtschaftskrise besorgen.»

Für die Züchter ist der Verkauf der Tiere an die Schlachthöfe ein ruinöses Geschäft. Sie erhalten pro Stier 550 bis 600 Euro, die Aufzucht kostet aber 4000 bis 5000 Euro. Das Fleisch der Kampfstiere ist bei Verbrauchern zudem nicht besonders begehrt, weil die Tiere älter sind als Mastrinder.