Stierkampf in Valencia: Ponce wütend, David Villa gähnt

Ein Stierkampf hat feste Rituale, aber manchmal passiert eben das selten Dagewesene. Böse Vorwürfe gibt es deshalb an Nuñez del Cuvillo, einen der renommiertesten Züchter von Kampfstieren in Spanien.

Für die prestigeträchtige Corrida in Valencia am 19. März, dem Höhepunkt und letzten Tag der weltweit bekannten Fallas, hatte er sechs Stiere ins Rennen geschickt, die dort definitiv nichts verloren hatten.

Denn die Tiere wussten kaum, was sie tun sollten. Und das taten sie auch phasenweise: Nichts. Selbst nicht mit dem roten Tuch direkt vor ihrer Nase.

Da hatten es selbst die Meister-Torreros Enrique Ponce, Sebastián Castella und José María Manzanares schwer, die feierlich gestimmten Menschen in der Plaza de Toros zu begeistern – darunter der Fußballstar des FC Valencia, David Villa, der am Donnerstag Werder Bremen abgeschossen hatte.

Eigentlich sorgte nur der junge Franzosen Castella (Bild) für Fiesta-Laune, der seinen außergewöhlichen Mut unter Beweis stellte und mehrfach sein Leben riskierte, um seine Stiere aus der Reserve zu locken. Das Publikum dankte es mit tosendem Applaus.

Ansonsten war vor allem Enrique Ponce, der in der Fallas-Festwoche sein 20-jähriges Jubiläum als Stierkämpfer feiert, bös‘ indigniert. Mehrfach deutete er an, dass er mit seinen beiden Stieren unmöglich kämpfen könne. Er tat es trotzdem und ging schlecht gelaunt nach Hause. Schon am Mittwoch hatten ihm die Veranstalter, die ihm für sein Lebenswerk eigentlich dankbar sein sollten, reichlich indisponierte Tiere in den Ring gestellt.

Kommentar der Zeitung "Información" aus Alicante, die wie alle Blätter Spaniens am Samstag über die verkorkste Corrida zum Fallas-Höhepunkt mit hämischen Worten berichtete: "Die ärgsten Feinde des Stierkampfes in Spanien sind nicht die katalanischen Sozialisten und Nationalisten, die die Fiesta verbieten wollen, sondern Veranstalter, die die Zuschauer dermaßen enttäuschen wie am Freitag in Valencia."

Das Publikum nahm es trotzdem gelassen, einen Stierkampf-Freund bringt so leicht nichts aus der Fassung. Denn wenn die Spanier bereits recht "tranquilo" sind, sind es Fiesta-Gänger noch viel mehr.

In der Arena nämlich sind sie Kummer gewöhnt. Nicht nur, dass man sich bisweilen von altgescheiten Touristen als Mörder beschimpfen lassen muss, auch die einheimische Bevölkerung fragt sich immer öfter, warum eine Corrida bis zu 120 Euro kosten soll. Der Nachmittag des 19. März 2010 in Valencia gab darauf keine Antwort.  

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Foto: El Mundo